IHK-Konjunkturumfrage Südbrandenburg

Die Konjunkturumfrage zeigt, dass unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen die Betriebe belasten. Symbolbild
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Die Konjunkturumfrage zeigt, dass unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen die Betriebe belasten. Symbolbild

Überblick:

Regelmäßig werden Betriebe aus den Branchen Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen zu ihrer Geschäftslage und ihren Erwartungen befragt. Die ausführliche Branchenauswertung der Befragung zu Jahresbeginn für Berlin und Brandenburg finden sie in dem Artikel www.cottbus.ihk.de/konjunkturreport-berlin-brandenburg

Unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen belasten die Betriebe / Investitionen gehen zurück

Geschäftslage – Dynamik gebremst

Der Erholungsprozess der gewerblichen Wirtschaft in Südbrandenburg ist ins Stocken gekommen. Der Saldo aus positiven und negativen Stimmen liegt zwar noch bei plus 16 Prozentpunkten, ist aber weiterhin deutlich unter dem Wert vor der Corona-Pandemie. Neben bestehenden Problemen wie Materialengpässe und stark steigenden Preisen haben sich durch den geopolitischen Konflikt in der Ukraine die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Wachstum verschlechtert.

Im Handel und im Gastgewerbe hat sich die Stimmung dennoch verbessert, wenn auch die hohe Inflationsrate die Konsumbereitschaft der Verbraucher bereits wieder trübt. In der Industrie und im Baugewerbe verliefen die Geschäfte verhaltener. Die anhaltenden Lieferschwierigkeiten behindern zunehmend die Geschäftstätigkeit der Unternehmen und bremsen die Entwicklung. In allen Branchen führen die erheblichen Preissteigerungen zu einer rückläufigen Nachfrage und geringeren Erträgen.

Geschäftserwartungen - Große Unsicherheit 

Die Erwartungen der IHK-Unternehmen sind so getrübt wie seit der letzten 20 Jahre nicht mehr. Grund dafür sind die äußerst schwierigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Der Ukraine-Krieg und die Corona-Pandemie bremsen die Entwicklung. Die Industrie und das Baugewerbe rechnen, bedingt durch die hohen Rohstoffpreise, mit erheblichen Verlusten. Viele Unternehmen haben feste Lieferverträge und können die höheren Kosten nicht zeitnah umlegen.

Aufgrund von Materialmangel wird das Baugewerbe Aufträge ablehnen. Die Industrie befürchtet sogar Produktionsausfälle. Der Handel und die privatbezogenen Dienstleister sehen skeptisch in die Zukunft, weil stark steigende Lebenshaltungskosten die Kaufkraft der Verbraucher spürbar einschränken. Die unternehmensnahen Dienstleister gehen von einer gleichbleibenden Entwicklung aus. Nur das Gastgewerbe ist für die kommenden Monate zuversichtlich. Insgesamt bleiben die Beschäftigtenzahlen stabil. Die Investitionen werden hingegen abnehmen.

 Konjunkturbericht Frühjahr 2022 1   

Entwicklung nach Branchen

Industrie - Erholungskurs gestoppt

Die Industrie konnte ihren Erholungskurs nicht fortsetzen. Auf dem inländischen Markt führen die hohen Beschaffungspreise zu einer schwächeren Nachfrage und der Außenhandel ist von einer starken Unsicherheit geprägt. 39 Prozent der Unternehmen berichten von geringeren Exporten. Eine Verbesserung der Lage ist nicht in Sicht. Fast die Hälfte der Industriebetriebe rechnet mit einem ungünstigeren Verlauf. Hauptrisiko ist die unkalkulierbare Entwicklung des Energie- und Rohstoffmarktes. Fachkräftemangel und die unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen belasten die Betriebe zusätzlich.

Handel - Inflation bremst Kaufkraft

Im Handel hat sich die Lage im Frühjahr weiter entspannt. Der Großhandel machte gute Geschäfte mit der gewerblichen Wirtschaft und die Einzelhändler konnten sich über kaufwillige Kunden freuen. Allerdings war die Freude nur von kurzer Dauer. Die stetig zunehmende Verteuerung der Waren und die steigenden Lebenshaltungskosten schrecken die Kunden ab und führen zu Umsatzrückgängen. Für die Händler ist es fast unmöglich für die kommenden Monate zu planen. Die Unsicherheiten bezogen auf die Liefersituation, die weitere Preisentwicklung und Corona ist groß. Trotz der verhaltenen Aussichten plant die Mehrheit ihren Personalbestand beizubehalten.

Baugewerbe - Unkalkulierbare Materialpreissteigerungen

Das Baugewerbe hat in den letzten drei Jahren spürbar an Dynamik verloren. Für die Auftragsbearbeitung fehlen das Personal und immer häufiger das Material. Hinzu kommt, dass öfter Aufträge auf Grund der enormen Preissteigerungen storniert werden. 52 Prozent der Baubetriebe befürchten, dass sich die wirtschaftliche Situation noch verschärfen wird. Die stetig steigenden Kosten für Energie, Personal und Material lassen nur noch geringe Erträge zu. Auch rechnen die Unternehmen sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor mit einer geringeren Baunachfrage.

Dienstleistungsgewerbe - Stabile Lage

Das Dienstleistungsgewerbe konnte in den vergangen Monaten das Niveau halten. Vor allem bei den unternehmensnahen Dienstleistern wie Steuerberater bzw. IT-Dienstleister verliefen die Geschäfte gut. Das Verkehrs-und Lagereigewerbe war mit der Nachfrage zufrieden, auch wenn die Preise für Kraftstoff die Kosten in die Höhe trieben. Die Erwartungen der Dienstleister sind zweigeteilt. Die unternehmensnahen Dienstleister gehen von stabilen Geschäften aus. Die personenbezogenen Dienstleister erwarten hingegen eine geringere Nachfrage der Verbraucher. Das Verkehrsgewerbe rechnet durch die starke Kostenbelastung mit geringeren Erträgen.

Gastgewerbe - Hohe Kostenbelastung

Das Gastgewerbe konnte sich in den vergangenen Monaten deutlich erholen. Vor allem das Beherbergungsgewerbe hat einen regelrechten Aufwind erlebt, weil der Tourismus wieder boomt. Auch das Gastronomiegewerbe verzeichnet bessere Geschäfte. Allerdings macht sich bei den Restaurantbesitzern die Konsumzurückhaltung der Verbraucher bereits bemerkbar. Dies wirkt sich auch auf die Erwartungen aus, die spürbar verhaltener sind als zu Jahresbeginn. Die Branche rechnet zwar mit erhöhten Einnahmen, steigende Ausgaben werden die Wirtschaftlichkeit dennoch senken.

Entwicklung nach Regionen bis zum Frühjahr 2022

Geschäftslage+Erwartungen2022

Ansprechpartner

Susanne Kwapulinski
Kompetenzfeld: Zukunft gestalten
Schwerpunktthema: Business Monitoring
t: 0355 365 1310
f: 0355 36526 1310
susanne.kwapulinski@cottbus.ihk.de