IHK-Konjunkturumfrage Südbrandenburg

Die Konjunkturumfrage zeigt, dass unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen die Betriebe belasten. Symbolbild
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Die Konjunkturumfrage zeigt, dass unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen die Betriebe belasten. Symbolbild

Regelmäßig werden Betriebe aus den Branchen Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen zu ihrer Geschäftslage und ihren Erwartungen befragt. Die ausführliche Branchenauswertung der Befragung zu Jahresbeginn für Berlin und Brandenburg finden sie in dem Artikel www.cottbus.ihk.de/konjunkturreport-berlin-brandenburg

Überblick:

Herbstumfrage 2022: Riesige Unsicherheit in den Betrieben / Investitions- und Beschäftigungsabsichten gehen zurück

Geschäftslage – noch relativ stabil

Die gewerbliche Wirtschaft in Südbrandenburg ist weit von der Dynamik der vergangenen Jahre entfernt. Die schwere Rohstoff- und Energiekrise und die angespannte weltpolitische Lage hemmen die Entwicklung in allen Branchen. Dennoch konnte die Mehrheit der Unternehmen ihr Geschäftsniveau zumindest halten. 83 Prozent der Befragten bewerten ihre aktuelle Lage mit gut bzw. befriedigend. Vor allem die Industrie und die wirtschaftsnahen Dienstleister sind die Impulsgeber für die wirtschaftliche Stabilität in der Region. Dagegen befindet sich das Baugewerbe im freien Fall. Materialmangel, fehlende Fachkräfte und spürbare Auftragsrückgänge belasten die Branche schwer. Der Handel und die personenbezogenen Dienstleister bekommen deutlich die gesunkene Kaufkraft zu spüren. Die massiven Preissteigerungen in vielen Bereichen bremsen erheblich das Konsumverhalten der Verbraucher. Ein Lichtblick gibt es im Gastgewerbe, das sich erfreulich gut erholt und fast das Vor-Corona-Niveau erreicht hat.

Geschaeftslage SuedBB HB2022

Geschäftserwartungen - Auf dem Tiefpunkt 

Für die kommenden Monate erwarten die Unternehmen einen deutlichen Abschwung. Noch nie waren die Geschäftsaussichten aller Branchen so schlecht und die Zukunftsängste so groß. Fast 70 Prozent der befragten Betriebe rechnen mit einem ungünstigen Geschäftsverlauf. Das Hauptrisiko sehen die Unternehmen in der unkontrollierten Preisentwicklung. Die enormen Erhöhungen der Kosten für Energie und Rohstoffe ziehen eine Preisexplosion in allen Bereichen nach sich. Vor allem die verbrauchsnahen Wirtschaftszweige wie Bau, Dienstleister und Händler befürchten massive Einbußen, da die Erhöhungen nicht in vollem Umfang an die Endkunden weitergegeben werden können. Ob private Haushalte, Betriebe oder öffentliche Hand, alle müssen den Gürtel enger schnallen. Die Industrie und das Baugewerbe rechnen mit rückläufigen Auftragseingängen. Auch der Handel, das Gastgewerbe und die Dienstleister erwarten einen gravierenden Nachfragerückgang. Die Investitions- und Beschäftigungsabsichten sind verhalten.    

Geschaeftslage SuedBB HB2022

Entwicklung nach Branchen

Industrie - Abnehmende In- und Auslandsnachfrage

Die Industrie berichtet von einer noch stabilen Lage, allerdings hat die Entwicklung spürbar an Schwung verloren. Die Inlandsnachfrage ist durch die hohe Inflation zurückgegangen. Auch von Auslandsgeschäften gingen kaum Wachstumsimpulse aus. Die Erwartungen der Industriebetriebe haben sich gegenüber den Vorjahresumfragen stark eingetrübt. Fast drei Viertel der Befragten rechnen mit einem ungünstigen Geschäftsverlauf. Die Unsicherheit bei den Unternehmen ist groß und eine Planung fast ausgeschlossen. Entsprechend ist die Investitions- und Beschäftigungsbereitschaft nur gering.

Industrie SuedBB HB2022

Handel - Sinkende Kaufkraft

Im Handel hat sich die Geschäftslage verschlechtert. Die Großhändler bekommen die Zurückhaltung der gewerblichen Wirtschaft und der Einzelhandel die nachlassende Kaufbereitschaft der Verbraucher zu spüren. Die hohe Inflation und die große Ungewissheit für die Zukunft hemmen den Konsum sowohl der Verbraucher als auch der Unternehmen. Daneben belasten die Händler hohe Arbeitskosten, fehlendes Personal, Lieferrückstände und unkalkulierbare Energiekosten. Vor allem die kleineren Handelsbetriebe fürchten um ihre Existenz. Insgesamt schauen alle Händler sehr skeptisch in die Zukunft und erwarten einen ungünstigen Geschäftsverlauf.

Handel SuedBB HB2022

Baugewerbe - Lage nur noch befriedigend

Die Entwicklung im Baugewerbe befindet sich seit den letzten vier Jahren immer mehr im Abwärtstrend. Nur noch 16 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage mit „gut“. Im Herbst 2018 waren es noch 77 Prozent. Gründe dafür sind nicht nur in der aktuellen Krise zu suchen. Der andauernde Fachkräftemangel, Materialengpässe und eine sinkende Nachfrage im privaten, öffentlichen und unternehmerischen Bereich haben dazu geführt. Die Mehrheit der Betriebe blickt äußert pessimistisch in die Zukunft. Eine rentable Geschäftstätigkeit ist bei der derzeitigen Kostenexplosion nicht möglich.

Baugewerbe SuedBB HB2022

Dienstleistungsgewerbe - Geschäftsniveau verhalten

Das Dienstleistungsgewerbe berichtet von einer stabilen Geschäftslage. Nach wie vor ist es die wichtigste Stütze für die regionale Wirtschaft. Vor allem unternehmensbezogene Dienstleister berichten von guten Geschäften, da die Nachfrage aus der gewerblichen Wirtschaft noch anhält. Hingegen verzeichnen die personenbezogenen Dienstleister rückläufige Geschäfte. Die Zukunftsaussichten der Unternehmen sind düster. Im gewerblichen und im privaten Bereich rechnen die Dienstleister mit spürbaren Auftragsrückgängen. Risiken für die Entwicklung sehen die Unternehmen in den Arbeitskosten, dem Fachkräftemangel, den Energie- und Materialkosten.

Dienstleistung SuedBB HB2022

Gastgewerbe - Erfolgreiche Sommersaison

Das Gastgewerbe blickt zufrieden auf die vergangenen Monate zurück. Die Geschäftslage hat wieder das Niveau vor der Coronakrise erreicht. Das Beherbergungsgewerbe und die Gastronomie konnten sich über hohe Gästezahlen und gute Umsätze freuen. Die Erholungsphase war allerdings kurz. Die Aussichten für die Wintersaison sind ohnehin immer verhaltener, aber jetzt sind sie besorgniserregend. Die Problemlast der Unternehmen in dieser Branche ist groß. Keine Gewinne durch hohe Kostenbelastung, keine Mitarbeiter aufgrund von Arbeitskräftemangel, keine Gäste durch leere private und geschäftliche Haushaltskassen.

Gastgewerbe SuedBB HB2022

Entwicklung nach Regionen bis zum Herbst 2022

 Regionen SuedBB HB2022

Ansprechpartner

Susanne Kwapulinski
Geschäftsbereich: Innovation und Nachhaltigkeit
Business Monitoring
t: 0355 365 1310
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