IHK-Konjunkturumfrage Südbrandenburg

Die Konjunkturumfrage zeigt, dass unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen die Betriebe belasten. Symbolbild
© AdobeStock
Die Konjunkturumfrage zeigt, dass unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen die Betriebe belasten. Symbolbild

Regelmäßig werden Betriebe aus den Branchen Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen zu ihrer Geschäftslage und ihren Erwartungen befragt. Wir geben einen Überblick zu den Ergebnissen Frühjahr 2024. Die Gesamtauswertungf finden Sie rechts im Downloadbereich.

Überblick:

Geschäftslage

Niedriges Niveau

Die Stimmung in der Südbrandenburger Wirtschaft hat sich leicht verbessert. Das ist die positive Botschaft. Allerdings hat es keinen spürbaren Aufschwung gegeben. Der Saldo aus guten und schlechten Bewertungen liegt bei plus 16 Prozentpunkten. Die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, der enorme Kostendruck und die zurückhaltende Investitionsbereitschaft bremsen alle Bereiche der gewerblichen Wirtschaft. Die Industrie berichtet von verhaltenen Inlandsgeschäften und deutlich zurückgegangen Exporten. Grund dafür ist die angespannte außenpolitische Lage. Dennoch gibt es auch Lichtblicke. Auf Grund gestiegener Einkommen durch hohe Tarifabschlüsse hat die Konsumbereitschaft der Verbraucher wieder zugenommen. Die Stimmung im Baugewerbe und im Gastgewerbe hat sich saisonbedingt wieder etwas aufgehellt. Das  Dienstleistungsgewerbe bleibt die stabilste Säule der gewerblichen Wirtschaft. Sowohl die unternehmensnahen als auch die privatbezogenen Dienstleister sind mit ihren Geschäften zufrieden.

Grafik Geschäftslage

 Geschäftserwartungen FS 2024

Geschäftserwartungen

Abwärtstrend gestoppt

Die Zunftsaussichten der Unternehmen sind etwas hoffnungsvoller, aber ein Wachstum wird ausbleiben. Der Saldo aus positiven und negativen Erwartungen ist von minus 34 auf minus 16 Prozentpunkte gestiegen. Vor allem die Industrie und das Dienstleistungsgewerbe sind nicht mehr ganz so pessimistisch wie noch zu Jahresbeginn. Mehr Händler als im Januar hoffen, wenigstens das Niveau zu halten. Mit höheren Umsätzen rechnen aber weder Groß- noch Einzelhändler. Die Erwartungen des Gastgewerbes werden durch den zunehmenden Personalmangel getrübt. Das Baugewerbe blickt skeptisch auf den künftigen Verlauf und rechnet mit weiteren Auftragsrückgängen. Dies liegt nicht zuletzt an der sehr verhaltenen Investitionsbereitschaft der gewerblichen Wirtschaft. 54 Prozent der Betriebe beabsichtigen gar nicht bzw. weniger zu investieren. Viele Unternehmen rechnen kaum mit besseren innen- und außenpolitischen Rahmenbedingungen. Als weitere Risiken werden der Fachkräftemangel, die Energie- und Rohstoffpreise und Arbeitskosten angeführt.

Grafik Geschäftserwartungen

Geschäftserwartungen FS 2024

Entwicklung in den Branchen

Industrie 

Geringe in- und ausländische Nachfrage 

In der Industrie ist die Talfahrt zwar erst einmal gestoppt, dennoch verlaufen die Geschäfte im In- und Ausland eher schleppend. Allein 63 Prozent der exportorientierten Unternehmen berichten von geringeren Ausfuhren. Die zahlreichen Risiken – wie Fachkräftemangel, unsichere politische Rahmenbedingungen und steigende Kosten bei gleichzeitigem Preisdruck – bremsen die Entwicklung. Obwohl die Erwartungen der Industrie besser sind als zu Jahresbeginn, bleibt viel Skepsis vorherrschend. Die Nachfrage ist in vielen Bereichen verhalten. 43 Prozent der Unternehmen berichten von Auftragsrückgängen. Die Investitionsbereitschaft ist weiterhin gering.

Handel

Keine Trendwende

Der Handel zeigt eine stabile Lage, wobei vor allem der Einzelhandel mit dem Geschäftsverlauf zufrieden ist. Auf Grund gestiegener Einkommen konnten die höheren Lebenshaltungskosten teilweise ausgeglichen werden. Damit ging die Konsumbereitschaft nicht so stark zurück wie befürchtet. Die Großhändler leiden hingegen unter der schwachen Konjunktur in der Industrie und im Bau. Die Erwartungen signalisieren keine Trendwende, auch wenn der Saldo leicht gestiegen ist. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen rund um Warenbeschaffung, Personal, Nebenkosten und neue gesetzliche Vorschriften lassen die Händler skeptisch in die Zukunft blicken. Im Handel ist der absolute Absturz wie befürchtet zwar nicht eingetreten, aber von richtig guten Geschäften wird nicht berichtet. Die Einschätzungen fielen allerdings im Groß- und Einzelhandel unterschiedlich aus. Die Geschäfte im Einzelhandel, bedingt auch durch Weihnachten, verliefen besser als erwartet. Erfreulich ist, dass allein 39 Prozent der stationären Händler über höhere Umsätze berichten. Im Großhandel ist auf Grund der rückläufigen Nachfrage der gewerblichen Wirtschaft die Stimmung verhalten. Die Aussichten aller Händler sind indes düster.

Baugewerbe

Auftragsrückgang

Im Baugewerbe berichtet die Mehrheit der Unternehmen von einer guten bzw. befriedigenden Geschäftslage. Noch profitiert die Branche von der Abarbeitung bereits erteilter Aufträge. Allerdings wird sich dies in den kommenden Monaten ändern. 51 Prozent der Bauunternehmen berichten von Auftragsrückgängen. Die geringen Wachstumsaussichten der gewerblichen Wirtschaft führen zu weniger Investitionen, den Privatverbraucher schrecken die Preise ab und der öffentlichen Hand fehlt das Geld. Hinzu kommen steigende  Kosten, fehlendes Personal und hoher bürokratischer Aufwand. Die Investitions- und Beschäftigungsabsichten sind sehr zurückhaltend.

Dienstleistungen

Geschäftsniveau gehalten

Die Dienstleister berichten in der Mehrheit von einer guten bzw. befriedigenden Geschäftslage. Hauptsächlich die unternehmensnahen Dienstleistungen in der Rechts- und Steuerberatung sowie Informations- und Sicherheitswirtschaft verzeichnen gute Geschäfte. Die Nachfrage bei den privatbezogenen Dienstleitern hat sich etwas abgeschwächt. Für die kommenden Monate rechnen die Unternehmen mit einer moderaten Entwicklung. Dabei sind die wirtschaftsnahen Dienstleister optimistischer als die personenbezogenen Dienstleister,  die mit einer geringeren Konsumbereitschaft rechnen. Als Risiken werden der Fachkräftemangel, Steuerbelastungen und Bürokratieaufwand genannt.

Gastgewerbe

Toller Geschäftsverlauf

Das Gastgewerbe ist nicht so euphorisch wie vor einem Jahr, dennoch in der Mehrheit zufrieden. Der Nachholbedarf der Verbraucher an Erholung und Beisammensein hat sicher dazu beigetragen. Allerdings wurden die Umsatzerwartungen nicht ganz erfüllt, da die deutlichen Preissteigerungen die Konsumbereitschaft gemindert haben. Die Aussichten in der Branche sind zweigeteilt. Das Beherbergungsgewerbe geht von einem positiven Verlauf der Sommersaison aus. Die Gastronomen rechnen hingegen mit geringeren Einnahmen. Größtes Problem für das Gastgewerbe sind die hohen Arbeitskosten. Der Kampf um Fachpersonal treibt den Markt an.

 Den Konjunkturreport für die Metropolregion Berlin-Brandenburg finden Sie unter www.cottbus.ihk.de/konjunkturreport-berlin-brandenburg

Ansprechpartner

Susanne Kwapulinski
Geschäftsbereich: Innovation und Nachhaltigkeit
Konjunktur und Statistik
t: +49(0)355 365 1310
f: +49(0)355 3659 1310
susanne.kwapulinski@cottbus.ihk.de