Konjunkturreport Lausitz

Konjunkturreport Lausitz

Die IHK Cottbus und die IHK Dresden geben einen gemeinsamen Konjunkturreport für die Lausitz heraus. Zusammengefasst werden die Konjunkturergebnisse der Stadt Cottbus, der Landkreise Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße, Görlitz und Bautzen. 

Die Stimmung in der Lausitzer Wirtschaft hat sich deutlich aufgehellt, dennoch sind die Geschäftserwartungen der mehr als 500 befragten Unternehmen im Wirtschaftsraum Lausitz von großer Vorsicht geprägt, so das Ergebnis der 11. gemeinsamen Konjunkturumfrage der IHK Cottbus und IHK Dresden. 87 Prozent der Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage mit „gut“ bzw. „befriedigend“. Seit dem Frühjahr stieg der Saldo aus den positiven und negativen Lagebewertungen um 40 Punkte von -12 auf 28 stark an. Stützend wirkten die Bauwirtschaft, der Handel und das Dienstleistungsgewerbe.

Die Erwartungen an künftige Geschäfte sind stärker von Zurückhaltung geprägt als von Optimismus. 28 Prozent der Unternehmen gehen von einer Verschlechterung ihrer Geschäfte aus. Knapp zwei Drittel rechnen mit einer gleichbleibenden Geschäftslage. Der Saldo bei den Erwartungen liegt nach dem überwundenen großen Tief zu Jahresbeginn mit -16 Punkten dennoch im negativen Bereich. Während das Baugewerbe und der Handel besonders skeptisch sind, betrachten die Industrie und Dienstleister die weitere Entwicklung positiver. Umsatzerwartungen und Beschäftigungspläne bleiben per saldo für die kommenden Monate negativ. Ersatzbeschaffung dominiert weiterhin als Motiv in einem freundlicheren Investitionsumfeld. 79 Prozent der Unternehmen wollen mehr bzw. gleichbleibend investieren.

Geschäftslage - Noch nicht ganz auf Vorkrisenniveau

Die Geschäftslageeinschätzungen der Gesamtwirtschaft nähern sich nach gut anderthalb Jahren wieder langsam von unten dem Niveau von vor der Corona-Krise an, erreichen es aber noch nicht ganz. Nach einem Rückgang im Frühjahr 2020 und leichtem Anstieg im Herbst desselben Jahres rutschte der Lagesaldo mit der zweiten und dritten Welle der Pandemie nochmals zu Jahresbeginn und noch weiter im Frühjahr 2021 ab. Seitdem erfolgte ein starker Anstieg des Lagesaldos um 40 Punkte von -12 auf 28 dank der Rücknahme vieler Corona-Beschränkungen in den Sommermonaten, der damit verbundenen Belebung des öffentlichen Lebens, Nachholeffekten beim Konsum sowie einer hohen Nachfrage nach Industrieprodukten.

Stützend auf die Geschäftslagezahlen wirken vor allem die Bauwirtschaft und der Handel, während die stärkste Verbesserung bei den Dienstleistern und ebenfalls dem Handel zu verzeichnen ist. Kaum Bewegung gibt es dagegen bei der Industrie.

Geschäftserwartungen - Besser, aber noch nicht gut

Das Tief der Geschäftserwartungen der Gesamtwirtschaft in der Lausitz war zu Jahresbeginn 2020 nach einem knappen Jahr Corona und einem nicht absehbaren Ende der Einschränkungen erreicht. Seitdem hat sich der Saldo leicht aber stetig verbessert, liegt aber mit -16 Punkten immer noch im negativen Bereich. Mit 60 Prozent rechnen knapp zwei Drittel mit einer gleichbleibenden Geschäftslage. Allerdings geht auch ein reichliches Viertel von einer Verschlechterung aus. Besonders skeptisch sind das Baugewerbe und der Handel. Trotz vieler Hindernisse sind die Erwartungen in Industrie und bei den Dienstleistern besser als im Mittel der Gesamtwirtschaft.

Umsatzerwartungen und Beschäftigungspläne bleiben per saldo für die kommenden Monate negativ. Ersatzbeschaffung dominiert weiterhin als Motiv in einem freundlicher gewordenem Investitionsumfeld. Branchenübergreifend werden die Energie- und Rohstoffpreise von mehr als doppelt so vielen Unternehmen als Geschäftsrisiko wahrgenommen als noch vor einem Jahr. Auch der Fachkräftemangel verschärft sich.

Konjunkturreport Nov21 Geschäftslage erwartungen

Branchenbewertung:

In der Industrie war die Trendwende bei der Geschäftslage bereits im ersten Corona-Jahr erreicht worden. Schon zu Jahresbeginn war hier wieder der (im Vergleich zu den Vorjahren niedrige) Vorkrisenwert von Anfang des Jahres 2020 erreicht. Seitdem bewegt sich der Geschäftslagewert in der Lausitz nahezu unverändert seitwärts. Die Industrie ist damit vergleichsweise gut durch die weiteren Corona-Wellen gekommen. Vielmehr machen aktuell andere und neue Unwägbarkeiten Probleme und verhindern einen stärkeren Aufschwung. Der Fachkräftemängel gewinnt an Bedeutung, am meisten behindern aber die Energie- und Rohstoffpreise die Entwicklung. Lieferengpässe sowohl bei Rohstoffen als auch bei Halbleitern und weiteren Gütern werden zur ernstzunehmenden Gefahr. Auch deshalb nimmt der Anteil der Investitionen in Produkt- und Verfahrensinnovationen deutlich zu in einem sich insgesamt verbesserten Investitionsklima.

Das Baugewerbe liefert im Branchenvergleich die besten Geschäftslageeinschätzungen, kann aber noch nicht an die sehr guten Werte aus den Zeiten vor Corona anknüpfen (Saldo Herbst 2019: 64 Punkte). Dennoch bezeichnet die Hälfte der Befragten ihre Lage als gut, knapp die zweite Hälfte als befriedigend. Nur 6 Prozent der Betriebe berichten von einer schlechten Geschäftslage. Angesichts anhaltender Materialengpässe und befürchteter rückläufiger öffentlicher Bauinvestitionen geht die Bauwirtschaft kaum noch von Verbesserungen (nur 3 Prozent) oder steigenden Umsätzen aus (0 Prozent). Damit verschlechtert sich der Erwartungssaldo entgegen dem Trend der anderen Wirtschaftsbereiche weiter im Vergleich zur letzten Erhebung im Frühjahr. Die Investitionsbereitschaft im Baugewerbe steigt nur sehr verhalten. Auch deutlich mehr Firmen planen mit weniger Beschäftigten im kommenden Jahr (Saldo -26 Punkte).

Deutlich aufwärts bei den Geschäftslagebewertungen geht es aktuell im Handel, war er doch von der Pandemie besonders betroffen. Damit werden sowohl die Vorjahres- als auch die Vorkrisenwerte überschritten. Der Einzelhandel profitiert von Nachholeffekten beim Konsum und der Großhandel von der relativ guten Situation in Industrie und Baugewerbe. Der Ausblick verbessert sich im Vergleich zum Jahresverlauf, bleibt allerdings verhalten und per saldo deutlich negativ. Im Branchenvergleich ist nur die Bauwirtschaft für die zukünftige Entwicklung skeptischer. Steigende Preise, mögliche neue Corona-Beschränkungen und veränderte Kaufgewohnheiten (Online-Handel) trüben die Aussichten. Nach in letzter Zeit tendenziell rückläufigen Beschäftigungsplänen dürfte in den kommenden Monaten mit gleichbleibenden Mitarbeiterzahlen im Handel zu rechnen sein.

Am rasantesten verbessert sich die Geschäftslage bei den Dienstleistern. Auch wenn sie im Vergleich der Wirtschaftsbereiche immer noch knapp den niedrigsten Saldo erreicht, steigt dieser um 59 Saldenpunkte. Vorkrisenwerte werden dabei aber noch nicht wieder erreicht. Die Rücknahme vieler Corona-Beschränkungen im Sommer und die Belebung im Produzierenden Gewerbe wirken sich positiv auf die Situation im Dienstleistungssektor aus. Auch die Erwartungen sind im Vergleich der Wirtschaftsbereiche im oberen Bereich, doch auch hier gehen mehr Unternehmen für die kommenden Monate wieder von Verschlechterungen als von Verbesserungen aus. Die Investitionsbereitschaft nimmt wieder zu. Wenn als Motiv auch Ersatzbeschaffung deutlich dominiert, so nimmt doch die Kapazitätserweiterung als Investitionsgrund im Vergleich zu den Vorbefragungen wieder zu. Die Beschäftigtenzahlen dürften jedoch in den kommenden Monaten eher noch etwas schrumpfen.

Strukturwandel in der Lausitz

Einschätzungen der Unternehmen zum Strukturwandel

Für den Strukturwandel sieht sich die Mehrheit der Unternehmen in allen Branchen von ganz gut bis befriedigend aufgestellt. Allerdings gaben 23 Prozent der Befragten an, den Auswirkungen des Strukturwandels noch nicht gewachsen zu sein. Das Strukturwandelmanagement wird von der Unternehmerschaft nur als zufriedenstellend bis ausreichend beurteilt. Sehr kritisch wird die Zusammenarbeit mit der Politik eingeschätzt. Die Wirtschaft fühlt sich nicht genügend in die Prozesse einbezogen. Sie sieht die Vorschläge bzw. Hinweise aus den Unternehmen von den Akteuren aus Politik und Verwaltung nicht aufgenommen.

Konjunkturreport Nov21 Einschätzungen Strukturwandel

Maßnahmen zur Bewältigung des Strukturwandels

Für 65 Prozent der Unternehmen ist der Ausbau der Infrastruktur die wichtigste Maßnahme, um den Strukturwandel zu bewältigen. Den größten Handlungsbedarf sieht die Wirtschaft beim Ausbau von Breitband und Straßen. Wichtig sind auch Investitionen in den Schienenverkehr, da er wesentlich zur Attraktivität des Standortes beiträgt. Dringend müssen sich auch die Förderbedingungen vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen verbessern. Antragstellungen sind noch immer zu kompliziert und aufwändig. Oft fehlen den Unternehmen auch Informationen zu bestimmten Förderprojekten. Um den Strukturwandel zu bewältigen, sind eine starke Vernetzung der Lausitzer Akteure, der Aufbau neuer Wertschöpfungsketten durch Großansiedlungen und ein professionelles Standortmarketing notwendig, sagen 29 Prozent der Unternehmen.

Herausforderungen für die Unternehmen

Die größte Herausforderung für die Lausitzer Unternehmen ist die Gewinnung von Personal. Der Fachkräftemangel bildet mit Abstand das höchste Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Für Neuansiedlungen oder den Ausbau eigener Kapazitäten im Unternehmen braucht es qualifiziertes Personal. Daran mangelt es in allen Branchen. Um Fachkräfte zu gewinnen, spielen Einkommen eine wichtige Rolle, bedeutungsvoller sind aber die weichen Standortfaktoren wie bezahlbarer Wohnraum, Kinderbetreuung und kulturelle Angebote, mit der die Region trumpfen kann. Damit muss das Image der Region im Werben um Fachkräfte aufpoliert werden. Für jedes dritte Unternehmen stellen die Anpassung des Geschäftsmodells, die Mitarbeiterqualifizierung und der Zugang zu Fördermitteln Herausforderungen dar.

Konjunkturreport Nov21 Maßnahmen Herausforderungen

Ansprechpartner

Susanne Kwapulinski
Kompetenzfeld: Zukunft gestalten
Schwerpunktthema: Business Monitoring
t: 0355 365 1310
f: 0355 36526 1310
susanne.kwapulinski@cottbus.ihk.de