Direkte Unternehmensförderung durch JTF-Strukturmittel

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Der europäische Just-Transition-Funds (JTF) wird für die vom Lausitzer Strukturwandel betroffenen Unternehmen ein wichtiger Fördertopf, der direkte Unternehmensförderung endlich möglich macht. Informieren Sie sich hier und bereiten Sie sich schon jetzt vor, um startklar zu sein, wenn der Förderaufruf kommt! Wier geben Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den JTF

Was ist unter einer JTF-Förderung zu verstehen?

JTF steht für Just Transition Fund, übersetzt: Fonds für einen gerechten Übergang. Gemeint ist damit der Übergang hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft und Gesellschaft innerhalb der EU. Für die Anstrengungen Veränderungen in die Wege zu leiten und Anpassungen in Produktion, Handel, Dienstleistungen und Handwerk vorzunehmen, steht jedem EU-Land entsprechend seiner Einwohnerzahl ein Budget zur Verfügung. Mittelverteilung laut Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
Aus dem Budget für Deutschland kann Brandenburg 786 Mio. EUR an Fördermitteln vergeben. Das Besondere: Erstmalig stehen der gewerblichen Wirtschaft in den Strukturwandelregionen direkt abrufbare  Fördermittel zur Verfügung.
Lausitzprogramm 2038

Welches Ziel verfolgt die EU damit?

Die EU setzt verstärkt auf den Klimaschutz und arbeitet mit den Mitgliedsstaaten an der Umsetzung ihrer Ziele für 2030 und 2050. Die sozialen, beschäftigungsspezifischen, wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen des Transformationsprozesses auf dem Weg zu einer klimaneutralen Wirtschaft sollen durch die bereitgestellten Mittel für die Regionen und  Menschen besser bewältigt werden.
EU-Parlament zu den JTF-Zielen

Gibt es die JTF-Mittel nur für bestimmte Regionen Brandenburgs?

Die JTF-Fördergebiete in Deutschland (Sachsen, Nordrhein Westfahlen, Brandenburg) sind mit der EU abgestimmt. In Brandenburg betrifft das die südlichen Landkreise Dahme-Spreewald, Spree-Neiße, Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster sowie die Stadt Cottbus und darüber hinaus die östliche Region um die Raffinerie Schwedt.
Kleine Anfrage vom 21.06.2021 an den Deutschen Bundestag zu den Strukturwandelgeldern

Wem soll die Förderung zu Gute kommen?

Die Förderung richtet sich an klein- und mittelständische Betriebe (KMU) aller Branchen, die vom Strukturwandel direkt und indirekt betroffen sind und deren Maßnahmen und Investitionen zum Klimaschutz beitragen.

Gibt es Mindest- oder Höchstgrenzen für geförderte Investitionen?

Im Gegensatz zur sogenannten GRW-Förderung, die erst ab einem Investitionsvolumen von 60.000 EUR greift, soll es bei der JTF-Förderung keine derartig hohe Mindestgrenze geben. Eine Höchstgrenze ist bisher nicht bekannt.

Wofür können die Mittel eingesetzt werden?

Es gibt seitens der EU eine Verordnung zum JTF vom 30. Juni 2021. Aus dem JTF werden nur Vorhaben unterstützt, die direkt zur Schaffung  einer klimaneutralen Wirtschaft beitragen (Art. 8 der EU-VO). Im Einzelnen sollen förderfähig werden:

  1.  produktive Investitionen in KMU, einschließlich Kleinstunternehmen und Start-up-Unternehmen, die zur Diversifizierung, Modernisierung und Umstellung der Wirtschaft führen;
  2.  Investitionen in die Gründung neuer Unternehmen, auch durch Gründerzentren und Beratungsdienste, die zu neuen Arbeitsplätzen führen;
  3.  Investitionen in Forschungs- und Innovationstätigkeiten, auch durch Hochschulen und in öffentlichen Forschungseinrichtungen, und Förderung des Transfers fortschrittlicher Technologien;
  4.  Investitionen in den Einsatz von Technologien sowie in Systeme und Infrastrukturen für erschwingliche saubere Energie, einschließlich Energiespeichertechnologien, und in die Verringerung der Treibhausgasemissionen;
  5.  Investitionen in erneuerbare Energie im Einklang mit der Richtlinie (EU) 2018/2001 des Europäischen Parlaments und des Rates (17), einschließlich der darin festgelegten Nachhaltigkeitskriterien, und in Energieeffizienz, auch für die Zwecke der Minderung der Energiearmut;
  6.  Investitionen in intelligente und nachhaltige lokale Mobilität, einschließlich der Dekarbonisierung des lokalen Verkehrssektors und seiner Infrastruktur;
  7.  Instandsetzung und Modernisierung von Fernwärmenetzen zur Verbesserung der Energieeffizienz und Investitionen in die Wärmeproduktion, sofern die Fernwärmeanlagen ausschließlich durch erneuerbare Energiequellen beliefert werden;
  8.  Investitionen in Digitalisierung, digitale Innovationen und digitale Konnektivität;
  9.  Investitionen in die Sanierung und Dekontaminierung von Industriebrachen, die Wiederherstellung von Flächen, einschließlich grüner Infrastruktur falls erforderlich, und Umwidmungsprojekte, wobei das Verursacherprinzip berücksichtigt wird;
  10.  Investitionen in die Förderung der Kreislaufwirtschaft, unter anderem durch Abfallvermeidung, -reduzierung, Ressourceneffizienz, Wiederverwendung, Reparatur und Recycling;
  11.  Weiterqualifizierung und Umschulung von Beschäftigten und Arbeitssuchenden;
  12.  Unterstützung Arbeitssuchender bei der Arbeitssuche;
  13.  aktive Eingliederung von Arbeitssuchenden;
  14.  technische Hilfe;
  15.  sonstige Tätigkeiten in den Bereichen Bildung und soziale Eingliederung, einschließlich — in hinreichend begründeten Fällen — Investitionen in die Infrastruktur für Ausbildungszentren sowie Kinderbetreuungs- und Altenpflegeeinrichtungen gemäß den territorialen Plänen für einen gerechten Übergang.

Näheres wird die Richtlinie des Landes Brandenburg darlegen, die derzeit erarbeitet wird.

Was ist von der Förderung ausgeschlossen?

Für reine Ersatzinvestitionen dienen JTF-Mittel nicht. Es muss ein Modernisierungseffekt aufgezeigt werden. Auch werden Auslandsumsätze nicht gefördert, der JTF steht nicht für die reine Stärkung des Exports bereit. Es werden die Netto-Investitionen ohne Umsatzsteuer gefördert.

Ab wann können die Mittel beantragt werden?

Sobald das Antrags- und Entscheidungsverfahren feststeht und eine JTF-Förderrichtlinie des Landes Brandenburg in Kraft ist, können Unternehmen Mittel für ihre Projekte bei der ILB beantragen. Laut aktueller Aussage von Wirtschaftsminister Steinbach (22.06.2022) ist damit voraussichtlich zu Beginn 2023 zu rechnen.

Wieviel Zeit haben Unternehmen für die Umsetzung?

In der Regel haben Unternehmen drei Jahre ab Fördermittelbescheid Zeit, ihre Investition durchzuführen und abzuschließen. Bis Ende 2023 können 442 Mio. EUR aus dem JTF-Budget für Brandenburger Unternehmen gebunden werden (Förderantrag und Bescheid!). Gut vorbereitete förderwürdige Projekte und eine zügige Beantragung sind entscheidend, damit das zur Verfügung stehende Geld dann schnell in den Unternehmen ankommt! Die restlichen 344 der insgesamt 786 Mio. EUR für Brandenburg vorgesehenen Mittel müssen bis 2027 über Förderbescheide gebunden sein.

Welche Vorbereitungen sind jetzt schon sinnvoll?

Bereiten Sie Ihre Investitionen gut vor, indem Sie Maßnahmen beschreiben, Angebote einholen und Ihr Vorhaben einem Fördertatbestand zuordnen. Auch könnten Sie sich bereits ein „Konto“ im ILB-Kundenprotal anlegen und eine Verifizierung Ihrer Personendaten vornehmen.

Hintergrund: Kammern und Verbände machen sich stark für den JTF

Unternehmen liegt leider ein echter Spurt mit Blick auf eine förderfähige Projektplanung bevor, denn ein erster Teil (442 Millionen Euro) der insgesamt 786 Millionen Euro für Brandenburg zur Verfügung stehenden Mittel muss bis Ende 2023, der restliche zweite Teil bis Ende 2027 vergeben sein.

Da die Zeit wirklich sehr drängt, hatten die Wirtschaftskammern und Wirtschaftsverbände Südbrandenburgs im Oktober letzten Jahres mehr Tempo bei der Ausgestaltung und Umsetzung des Programms auf Landesebene eingefordert und sich in einer gemeinsamen Stellungnahme via Brief an die Politik und Pressekonferenz deutlich gemacht, dass es wichtig ist, dass die Finanzmittel den Unternehmen vollständig, leicht zugänglich und zeitnah zur Verfügung stehen müssen. Von Seiten des Wirtschaftsministeriums ist man einigen wichtigen Forderungen des Bündnisses aus IHK Cottbus, Handwerkskammer Cottbus, Wirtschaftsinitiative Lausitz e.V., Unternehmerverband Brandenburg-Berlin e.V., Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft e.V., Bundesverband mittelständische Wirtschaf e.V. bereits nachgekommen, z. B. was die Förderfähigkeit aller Branchen und den Zuschuss auch für Kleinvorhaben unter 60.000 Euro anbelangt.

Das Bündnis drängt auf die Berücksichtigung noch weitere offener Punkte und eine enge Abstimmung zwischen Brandenburg und Sachsen, damit auch länderübergreifende Projekte von Unternehmen schnell entwickelt und umgesetzt werden können.

Lesen Sie mehr zu den Forderungen der Kammern und ein Interview mit Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach im FORUM-Interview 01,02/2022


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Ansprechpartner

Jens Krause
Generalmanager
Leitung Stabstelle Strukturwandel/Infrastruktur und Verkehr
t: 0355 365 1100
f: 0355 36526 1100
jens.krause@cottbus.ihk.de
Dan Hoffmann
Stellv. Geschäftsbereichsleiter: Außenwirtschaft und Unternehmensentwicklung
Unternehmensbegleitung
t: 0355 365 1551
f: 0355 36526 1551
dan.hoffmann@cottbus.ihk.de
Bernd Hahn
Regionalcenter Dahme-Spreewald
Geschäftsbereich: Außenwirtschaft und Unternehmensentwicklung
Finanzierung, Förderung und Krisenmanagement
t: 0355 365 3102
f: 0355 36526 3102
bernd.hahn@cottbus.ihk.de