Grünes Kerosin und Wasserstoff-Lkws in der Lausitz

Rund 250 Personen besuchten das Netzwerktreffen um ihre Projekte zu vernetzen.
© IHK Cottbus
Rund 250 Personen besuchten das Netzwerktreffen um ihre Projekte zu vernetzen.

23.06.2022 | Auf dem gestrigen Netzwerktreffen des Wasserstoffnetzwerks Lausitz "DurcH2atmen", das gemeinsam mit dem TÜV SÜD und mit über 250 Teilnehmern auf dem Lausitzring veranstaltet wurde, gab es viele positive Nachrichten rund um die entstehende Wasserstoffwirtschaft in der Lausitz. 

So bestätigte Dr. Péter Agoston von der Enertrag AG den geplanten Bau einer neuen Fabrik zur Herstellung von E-Fuels und synthetischem Kerosin am Standort Schwarze Pumpe. Mit im Boot ist die Papierfabrik Hamburger Rieger in Schwarze Pumpe. Hier wird das für die Herstellung von grünem Kerosin benötigte Kohlendioxid im Ersatzbrennstoffwerk der Papierfabrik gewonnen. Das ebenfalls am Standort Schwarze Pumpe im Aufbau befindliche Wasserstoff-Referenzkraftwerk der Enertrag soll den benötigten grünen Wasserstoff dafür liefern.

Neben der Verkündung der Enertrag AG zum Bau einer Fabrik für synthetisches Kerosin in der Lausitz hatte das PtX-Lab bereits in der vergangenen Woche drei mögliche Standorte für den Bau einer zweiten Fabrik zur Herstellung von synthetischem Kerosin in der Lausitz bekannt gegeben. Aus den Industriestandorten Guben, Schwarze Pumpe und dem Industriegebiet GRAL-Jänschwalde wird hier in den nächsten Wochen der ideale Ort für die Großinvestition ausgewählt. Über die Details und das weitere Vorgehen dieser zweiten neuen Fabrik zur synthetischen Kerosinherstellung informierte Dr. Sebastian Vosswinkel, stellvertretender Leiter des PtX-Lab-Lausitz.

Währenddessen ist im benachbarten sächsischen Teil der Lausitz die Ausschreibung des Fraunhofer Hydrogen Labs zum Bau der 40 Millionen Euro teuren Wasserstoffforschungsanlage im industriellen Maßstab gestartet. Der Produktionsstart der Anlage ist für 2023 geplant. Die aktive Einbindung von Siemens Energy und weiteren Industriepartnern ist fester Bestandteil des Projektes, so dass wissenschaftliche Forschung mit praxisbezogenen Industrieanwendungen verzahnt wird.

Grüner Wasserstoff – vor Ort produziert und getankt

Patrick Topar, Key Account Manager bei der GP Joule GmbH bestätigte zudem, dass der Bau von Ostdeutschlands größtem Photovoltaikpark in Schipkau/Klettwitz planmäßig verlaufe und die dort zu errichtende Wasserstofferzeugungsanlage inklusive angeschlossener Wasserstofftankstelle im nächsten Jahr eröffnen wird. Darüber hinaus wird GP Joule auch den Lausitzern Unternehmern die mit Wasserstoff angetriebenen Lkws in einem Leasing- bzw. Mietmodell als „Rundum-sorglos-Paket“ anbieten.

Netzwerksprecher Jens Krause von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus erklärte: „Ich bin sehr froh, dass wir bereits drei Jahre nach Gründung des „Wasserstoffnetzwerkes Lausitz DurcH2atmen“ gestern so konkrete und jetzt in die Umsetzung gehende Projekte vorgestellt bekamen. Wir sind in der Realisierungsphase von Wasserstoffprojekten in der Lausitz angekommen und reden nicht nur drüber.“

Spannend für die Teilnehmer waren auch die Ausführungen von Dr. Kai Holtappels, Fachbereichsleiter der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung am Testgelände Horstwalde zu der nördlich von Baruth geplanten Großforschungsanlage, die eine Testinfrastruktur mit modularer Pipeline-Anlage mit bis zu 1.000 Bar Wasserstoffleitungen samt Wasserstofftankstelle vorsieht.

Fokus Wasserstoffprojektförderung

Thematisiert wurden auch aktuelle Förderaufrufe der Bundesregierung für Wasserstoffprojekte wie das kürzlich gestartete "Förderprogramm für saubere Busse und saubere Lkw". Alexander Gehling, Programm Manager Wasserstoff und Brennstoffzelle bei der NOW GmbH rief die Unternehmen zudem auf, sich ab Herbst für das "HyPerformer-Programm" zu bewerben, das Zuschüsse bis zu 20 Millionen Euro pro Projekt ermöglicht. Auch voraussichtlich ab Winter diesen Jahres werden Wasserstoffprojekte von Lausitzer Unternehmen im Rahmen des europäischen „Just Transition Funds (JTF)" förderfähig sein. Das Wasserstoffnetzwerk „DurcH2atmen“ und die IHK Cottbus unterstützen interessierte Unternehmer bei der Antragstellung.

An der Veranstaltung nahmen Vertreter aus Unternehmen, Kommunen und der Politik teil, darunter auch Prof. Dr. Jörg Steinbach, Brandenburgischer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Energie und Wolfram Günther, Sächsischer Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft.

Weitere Informationen erteilt Jens Krause, IHK Cottbus, Telefon: 0355 365 1100, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Das Wasserstoffnetzwerk Lausitz "DurcH2atmen" wurde 2019 in Cottbus gegründet und hat heute über 100 Mitglieder aus der brandenburgischen und Sächsischen Lausitz und betreut fast 50 Wasserstoffprojekte. Es wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen des Bundesmodellvorhabens ‚Unternehmen Revier‘. Abwicklungspartner des Bundes ist der Landkreis Spree-Neiße. Regionalpartner ist die Wirtschaftsregion Lausitz GmbH.

Im Downloadbereich (rechts) können Sie die Vortragsfolien herunterladen. 

Videoaufzeichnung des TÜV SÜD H2-Forums Lausitz