So kann Nachfolge gehen - externe Übernahme gelungen

Jungunternehmer Mathias Bahl übernimmt die "Technische Bürsten GmbH". Gegenseitiges Vertrauen ist die Basis.
© B. Andriske
Jungunternehmer Mathias Bahl übernimmt die "Technische Bürsten GmbH". Gegenseitiges Vertrauen ist die Basis.

Suppenbar wird zum Suppenstübchen

Martin Grunewald (38), übernahm im Sommer 2020 die ehemalige „Suppenbar“ in der Cottbuser Innenstadt, die es in diesem Jahr bereits 19 Jahre gibt. Forum befragte ihn, wie sein Weg in die Selbstständigkeit verlief.

 Suppenstuebchen

Martin Grunewald ist in Radewiese geboren und verbrachte auch seine Kindheit dort. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Koch im damaligen Best Western Hotel in Branitz. Nach seiner Ausbildung arbeitete er sowohl in der Region - unter anderem einige Jahre im Mosquito - als auch im Ausland. Ihn zog es in die weite Welt hinaus, er lebte in Australien, reiste durch Asien und kam dann 2006 wieder in die Heimat zurück.

„Ich habe meinen Küchenmeister gemacht und war dann auch schon wieder weg. Ich arbeitete für knapp elf Jahre als Cateringleiter auf einer Gasplattform auf See – in Europa, Afrika, im Schwarzen Meer, an der Ostsee und Nordsee. Ich bin wirklich sehr viel rumgekommen“, so Martin Grunewald. Auch wenn er die weite Welt liebte, wollte er in die Heimat zurück. „Ich bin sehr heimatverbunden und wollte einfach gern wieder zurück“. Auch wegen seiner Frau und den zwei gemeinsamen Kindern, die er nur alle paar Wochen sah.

Gedanken an Selbstständigkeit wuchs

Es kam eine Zeit, da überlegte Grunewald, sich selbstständig zu machen, obwohl das zuvor nie für ihn in Frage kam. Er traute es sich einfach nicht zu.

„Mir wurde bewusst, dass die Verantwortung eines Küchenchefs mindestens genauso groß ist, als wäre ich selbstständig.“  

So stand ein Friseurtermin in Cottbus an und er lief an der damaligen Suppenbar vorbei. Es stand ein großes Schild vor dem Laden mit der Aufschrift „Wir geben den Löffel ab!“. Wer ihn kennt, weiß, dass er nicht lange überlegt. Grunewald zögerte nicht lange und meldete sich schon am nächsten Tag bei der damaligen Inhaberin.

„So ist alles entstanden, so sind wir gewachsen. Das ging alles wirklich sehr schnell“, so Grunewald.

Externe Unterstützung

Hilfe erhielt er von Heidrun Krautz von der IHK Cottbus, von seinem Steuerberater und auch die Stadt Cottbus sowie die Gebäudewirtschaft Cottbus unterstützten ihn bei seinem Schritt in die Selbstständigkeit. Auch Apex-Inhaber Rocco Schmidt oder der ehemalige Mosquito-Chef Thomas Schröder seien ihm immer noch eine große Hilfe.

Die größte Herausforderung für Martin Grunewald sei die Doppelbelastung gewesen, die er einige Monate hinnehmen musste. Sein alter Arbeitsvertrag lief noch bis Ende Januar und so musste er beides unter einen Hut bekommen.

Außergewöhnliche Kreationen

„Wir haben viele neue Suppen kreiert und auch einiges von der vorherigen Inhaberin übernommen. Ihr bin ich wirklich dankbar, dass ich die Suppenbar kaufen konnte, welche wir in das ‚Suppenstübchen‘ umbenannt haben“, freut sich der Unternehmer.

So gibt es heute außergewöhnliche Suppen, wie zum Beispiel die Sauerbratensuppe, Frikassesuppe oder die Rinderrouladensuppe. Diese bereitet er frisch ab sechs Uhr morgens für den gesamten Tag vor. Geöffnet ist das Suppenstübchen montags bis freitags von elf bis 15 Uhr.

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 Foto: Neben außergewöhnlichen Suppencreationen wie der Rote-Beete-Fischsuppe gibt es auch immer ein Standard-Gericht wie Nudeln mit Wurstgulasch.  ©IHK Cottbus

 Sorgen und Ängste hatte Grunewald kaum. Dafür sei er einfach nicht der Typ. „Entweder es funktioniert oder ich starte mit einer neuen Idee durch“.

 Grunewald ist froh, sich für den Weg in die Selbstständigkeit entschieden zu haben.

„Ich kann es wirklich nur jedem empfehlen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich damit so wohlfühle. Ich hätte das schon viel eher machen sollen. Für all das, was ich tue, bin einzig und allein ich verantwortlich. Ich muss Entscheidungen treffen, denn es läuft nicht immer alles glatt. Das musste ich auch erstmal lernen“, so Grunewald.

Mut zur Selbstständigkeit

Neugründern oder Nachfolgern gibt er mit auf den Weg, dass sie den Schritt einfach wagen sollten. Probleme oder Hindernisse wird es überall geben, die es aber zu überwinden gilt. Hat man ein wenig finanziellen Puffer, sei der Schritt um einiges leichter.

Für die Zukunft möchte Martin Grunewald das Suppenstübchen erst einmal wieder aus dem „Winterschlaf“ holen, neue Rezepte kreieren und vielleicht auch den Außenbereich etwas vergrößern. Hier stehe er mit der Gebäudewirtschaft schon in Kontakt. 

Den kompletten Artikel lesen Sie im  FORUM 4/2021


Erfolgreiche Firmenübernahme in Vetschau

Daniel König übernahm zum 1. August 2020 den Vetschauer Baumarkt „Werkers Welt Przygode“ und erzählt FORUM, wie der Weg bis zur Übernahme ablief.

Anja Beck und Daniel Koenig

Foto: Nachfolgerin Anja Beck führte das Interview mit Daniel König  © IHK Cottbus

Schon während des Studiums hatte Daniel König den Traum von einem eigenen kleinen Unternehmen. Zu diesem Zeitpunkt fehlte es jedoch an Erfahrung, Kapital und einer Geschäftside.

Daniel König, Geschäftsführer Werkers Welt Przygode "Ich kam dann an einen Punkt in meinem Leben, an dem ich eine Entscheidung treffen musste – frei nach dem Motto: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Seit Oktober 2018 begab er sich dann aktiv auf die Suche.

Aufgrund des demografischen Wandels musste es zu diesem Zeitpunkt bereits eine Vielzahl an Unternehmern geben, die kurz vor dem Ruhestand sind. Ich habe recherchiert, wie man nachfolgesuchende Unternehmer findet und bin so auf das Online Netzwerk nexxt-change.org gestoßen und habe mich durch die IHK Cottbus als Nachfolgesuchender listen lassen. Leider nutzen viel zu wenige Unternehmer diese Möglichkeit zur Suche geeigneter Kandidaten. Außerdem habe ich versucht, durch Mundpropaganda und durch Kontaktaufnahme mit meiner Heimatstadt herauszufinden, wer in der Region einen Nachfolger sucht.

Daraus resultierend führte er zahlreiche Gespräche, darunter seriöse – aber auch weniger seriöse. Es gab mehrere Angebote. Wichtig bei der Entscheidung waren für ihn ein langfristig funktionierendes Geschäftsmodell und die damit verbundene Planungssicherheit,  aber auch, dass die Chemie zwischen ihm und dem Altunternehmer zu 100 Prozent stimmt.

Und das war seit dem ersten Treffen Anfang Juli 2019 zwischen Herrn Przygode und mir der Fall. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich praktisch in die Idee verliebt, den eigentümergeführten Baumarkt „Werkers Welt Przygode“ in Vetschau zu übernehmen.

Er wurde gefunden

Selbst gefunden hat er das Unternehmen Przygode e. K. gar nicht. Er wurde gefunden, weil das Netzwerk, bestehend aus der Steuerkanzlei Gargula & Pietsch und der IHK Cottbus, gut funktioniert hat. Herr Pietsch hat im Auftrag des Unternehmens bei der IHK nach geeigneten Kandidaten angefragt und so wurde der Kontakt hergestellt. Allerdings gab es auch einige Hürden. Zum Beispiel musste er aufgrund langer Kündigungsfristen schon wichtige Entscheidungen treffen bevor überhaupt sicher feststand ob die Übernahme klappt. Auch die Mitarbeiter konnte er erst nach der wichtigen Entscheidung kennenlernen. 

Heute bin ich stolz, mit solch tollen Menschen arbeiten zu können. Aus jetziger Sicht ist es absolut die richtige Entscheidung gewesen, das Restrisiko in Kauf zu nehmen.

Von öffentlicher Seite fehle Daniel König ein wenig die Unterstützung. Er wünschte sich mehr Informationsmaterial für Übernahmefälle. Mitunter gab es sogar konträre Informationen von den verschiedenen Stellen. Allerdings fand der Übernahmeprozess während des Corona-Lockdowns statt und  gerade auch deswegen galten große Einschränkungen im öffentlichen Dienst. 

Anderen Nachfolgern möchte Daniel König noch wichtige Tipps mit auf den Weg geben:

Macht eine gute Zeitplanung. Stellt sicher, dass euer Vorhaben auch von eurer Familie, eurem Partner mitgetragen wird. Hinterfragt, ob ihr bereit seit Sicherheiten aufzugeben und unternehmerisches Risiko zu tragen. Baut auf etablierte Geschäftsmodelle, hinterfragt die Zukunftsfähigkeit und tut es nur, wenn die Chemie mit dem bisherigen Unternehmer stimmt, denn in der Übergangsphase muss man sehr eng und vor allem zu 100 Prozent vertrauensvoll zusammenarbeiten.

Das komplette Interview können Sie nachlesen im FORUM-Magazin Ausgabe 10/2020 


Das Spree-Waldhotel in Cottbus -  Schwestern auf Erfolgskurs

Die beiden Schwestern Stephanie (28) und Melanie (29) Meißner, beide gebürtige Cottbuserinnen, haben 2016 das Spree-Waldhotel in Cottbus übernommen. Wie sie das in ihrem doch recht jungen Alter meistern, erzählten sie uns.

Meissner Spree Waldhotel

Foto: Die beiden Unternehmerinnen posieren stolz mit Ihrem Team während einer Hochzeitsfeier. V.l.n.r: Melanie Meißner, Ulrike Meißner, Viola Kautza, Nicole Hübner, Stephanie Meißner      ©Achim Kautza

Seit 1993 gibt es das Spree-Waldhotel im Norden von Cottbus. Seit einigen Jahren unter neuer Federführerschaft. Relativ spontan hat Olaf Schöpe, damals noch Geschäftsführer des Spree-Waldhotels, die beiden Schwestern mit der Frage der Nachfolge konfrontiert, weil er in Ihnen großes Potenzial gesehen hat. Lange überlegen mussten sie nicht. Auch wenn Melanie Meißner sich selbst früher eher in einem Büroarbeitsplatz gesehen hat, mit festen Bürozeiten, so würden die Beiden Schwestern den Weg immer wieder so wählen. 

"Wir machen das einfach mit Herz und es ist genau das, was wir immer machen wollten. Wir hoffen sehr, dass das noch sehr lange so weiterläuft" Davon sind Stephanie und Melanie Meißner überzeugt.

Als Restaurantleiterin hatte Stephanie Meißner eigentlich schon viele Fäden in der Hand. Trotzdem standen die beiden nach der Übernahme vor einigen Hürden. 

"Erst einmal kam sehr viel Bürokratie auf uns zu. Wir standen vor sehr vielen gesetzlichen Herausforderungen." sagt Melanie Meißner. Stephanie ergänzt: "In vielen Dingen hatten wir ja keine Erfahrungen, weil wir damit vorher einfach nicht konfrontiert wurden. Nun waren plötzlich wir dafür verantwortlich und waren dann eigentlich 24 Stunden täglich auf Bereitschaft. Das war meiner Meinung nach die größte Herausforderung für uns. Unser Privatleben hatten wir bisher immer zurückgestellt und nun noch ein bisschen mehr."

Auch in den Köpfen der Mitarbeiter musste die Veränderung erst einmal ankommen. Das ging aber nur mit gegenseitiger Unterstützung und der Bereitschaft, auch Aufgaben abzugeben. Weil der Betrieb aber weiterhin sehr familiär geführt wird, und der Zusammenhalt in dem Unternehmen groß geschrieben wird, dauerte es nicht lange bis die Rollenverteilung klar war. Trotzdem haben die beiden Geschäftsführerinnen immer ein offenes Ohr für die Anliegen Ihrer Mitarbeiter.

"Es gibt Grenzen, die jeder kennen sollte und unsere Mitarbeiter kennen die auch. Wir leben ihnen aber das vor, was wichtig ist."

Auch das Thema Ausbildung bleibt ein wichtiges Thema für die Beiden. Ziel ist es, jeden Auszubildenden auch nach der Ausbildung weiterhin im Unternehmen zu behalten. Dass es gar nicht so einfach ist, gute Auszubildende zu finden, kann Stephanie Meißner unterstreichen.

"Ich habe meinen Ausbilderschein während meiner Ausbildung gemacht. Es war immer ein Wunsch von mir, mit Jugendlichen zusammenzuarbeiten. Man erkennt im Laufe der Jahre schon eine Veränderung der Einstellung der Azubis. Hier sollte ein guter Ausbilder in der Lage sein, sich auf die unterschiedlichen Phasen und Persönlichkeiten der Azubis einzustellen. "

Neugründern in der Gastronomie gibt Stephanie Meißner folgenden Tipp mit auf den Weg:

"Durchhaltevermögen ist das Wichtigste. Es läuft nicht immer alles glatt, wie in vielen Situationen im Leben. Und es ist wichtig, auch mal abschalten zu können." Melanie Meißner ergänzt: "Weil wir zu zweit sind. Wenn der eine mal nicht da ist, kann man sich zu 100 Prozent auf den anderen verlassen. Und wenn wir beide nicht da sein sollten, haben wir immer noch unseren Führungskräfte und Mitarbeiter, auf die wir uns verlassen können."

Das Interview können Sie nachlesen im FORUM-Magazin 3/2020 


"Mit offenen Karten spielen" Thomas Eick übernimmt das Waldhotel Eiche

Anja Beck ist Projektleiterin Unternehmensnachfolge bei der Industrie- und Handelskammer Cottbus. Sie befragte Thomas Eick vom Waldhotel Eiche in Burg, wie seine Erfahrungen bei der Übernahme des Hotels waren und welchen Herausforderungen er sich stellen musste.

Waldhotel Eiche

Foto: Anja Beck von der IHK Cottbus (l.) mit dem Nachfolger des Waldhotel Eiche, Thomas Eick.

Thomas Eick kommt aus einer Unternehmerfamilie. Sein Ziel war schon immer ein Hotel leiten zu dürfen, allerdings war ihm wichtig, voher intensiv Erfahrungen zu sammeln.

"Der fachliche Aspekt hat eine wesentliche Rolle gespielt, der persönliche dann natürlich auch, Gastgeber zu sein. Ohne den funktioniert das gar nicht. Die Grundvoraussetzungen sind besonders fachliche Kompetenz und ein gutes Team, was man um sich hat." sagt Thomas Eick.

Der emotionale Aspekt ist ebenfalls nicht ganz unerheblich wenn man eine Nachfolge antritt. Auch bei Thomas Eick waren gemischte Gefühle dabei.

"Es gab so manche Nacht, wo man etwas schwerer einschlief, weil man dachte: „War das jetzt alles richtig so?“. Diesen emotionalen Aspekt kann man aber nicht einfach auslassen, weil es ein großer Schritt ist. Umgekehrt wären wir auch nie auf dem Mond gelandet, wenn nicht einer mal einen großen Schritt gewagt hätte. Also das gehört mit dazu. Sie brauchen dieses gewisse unternehmerische Risiko, man muss ein bisschen risikofreundlich und -freudig bleiben. Wenn man versucht das Risiko einzuschränken, dann wird das nichts mit der Selbstständigkeit. Das Nachfolgehandbuch der IHK half mir da sehr, gewisse Schritte noch einmal nachlesen zu können."

Um nicht auf der Stelle zu treten empfiehlt Thomas Eick Nachfolgern auch externe Hilfe in Anspruch zu nehmen. Man sollte sich aber genügend Zeit einplanen, denn so eine Übernahme passiert nicht in vierzehn Tagen. Unterstützung hat er von vielen Seiten bekommen, sogar Kollegen nach ihren Erfahrungen befragt. Am schwersten wiegt für ihn aber die Unterstützung durch den Partner, wenn man so einen großen Schritt wagt.

"So einen Schritt macht man nie alleine. Der Partner sollte im Idealfall auch dahinter stehen, sonst wird es schwierig. Dann kommt der Punkt, wo man loslegen kann. Große Unterstützung erhielt ich bei der IHK Cottbus. Mir wurden verschiedene Programme vorgestellt, und der nächste Schritt  war dann wirklich schon ein Förderprogramm der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB). Ich habe gesehen, dass ich nicht alleine war und von mehreren Seiten Hilfe bekam. Dann braucht man eine gute Hausbank, einen klassischen Banker des Vertrauens, der einem auch mal sagt, an welcher Kreuzung man lieber nicht abbiegen sollte. Man wendet sich dann auch wieder an alte Gesprächspartner, erzählt, wie weit man inzwischen gekommen ist und bekommt dann wieder nützliche Hinweise. Das Wissen und Know-How von Partnern, die das alles schon durchlebt haben, sollte man mitnehmen. Das hat mir schon oft weiter geholfen."

Anderen Jungunternehmern gibt Thomas Eick mit auf den Weg immer mit offenen Karten zu spielen und sich vorher gut mit dem Seniorinhaber auszutauschen. Denn wenn das Vertrauen nicht da ist, sollte man, seiner Meinung nach, so eine Übernahme gar nicht erst anfangen.  Wenn er zurückblickt würde auch Thomas Eick diesen Weg noch einmal gehen. 

"Sicherlich würde ich mir wünschen, das Wissen von heute zu haben. Denn dann wären einige Dinge einfacher gelaufen, vielleicht wäre die eine oder andere Nacht dann doch ruhiger gewesen. Aber mit der Unterstützung und auch mit den externen Informationen weiß ich, dass ich den Schritt so wieder gehen würde. Eine Unternehmensübernahme ist ein ewig andauernder Prozess, und wenn man die passenden Partner an der Seite hat, macht die Sache sehr viel Spaß. Sie ist anstrengend – keine Frage, aber dafür ist man eben auch Unternehmer. Es sollte immer eine gewisse Balance entstehen. Denn es ist nicht nur das Unternehmen, was übernommen wird, man hat eine Familie, man hat einen Partner. Und nur wenn das alles im Einklang ist, dann funktioniert es auch im Unternehmen."

Das ganze Interview konnen Sie im FORUM-Magazin 6/2019 nachlesen


 Traditionsunternehmen erfolgreich übergeben

Mathias Bahl übernimmt die Technische Bürsten GmbH von Eberhard Gleitsmann. Das Traditionsunternehmen gibt es bereits seit 1833 und es ist einer von nur zwei Herstellern von technischen Bürsten, die "Made in Germany" produzieren. 

Bahl Technische Bürsten

Mathias Bahl ist der neue "Herr der Bürsten"  © Benjamin Andriske

Der Wunsch in die Region zurückzukehren besteht in der Generation 30+ bei Vielen, die Anfang und Mitte der 2000er ihren Schulabschluss in der Tasche hatten und auch aufgrund der wirtschaftlichen Lage meist in den Süden oder Norden Deutschlands abgewandert sind. So auch bei Mathias Bahl, der nach der Schule in Cottbus erst ein Jahr in Australien war, dann in Berlin Wirtschaftsingenieurwesen und anschließend in Lübeck Medizintechnik studierte. Beruflich verschlug es ihn danach südlich von Hannover in einen Konzern um danach bei einem internationalen Großkonzern bis zum Abteilungsleiter der Instandhaltung im Hamburger Werk aufzusteigen. Aus ihm war eine Führungspersönlichkeit geworden, der immer mit der Möglichkeit spielte, entweder noch weiter in die Welt zu ziehen oder in die Heimat zurückzukehren.

Zurück in die Heimat

Erst mit dem Gedanken spielend, beruflich in die Berliner Region zu gehen, um nahe der Heimat einen gut bezahlten Job zu finden, reifte durch Gespräche der Gedanke, stattdessen direkt in seiner alten Heimat eine kleine Firma zu übernehmen und dort eigene Ideen zu verwirklichen. Statt hippem StartUp entschied er sich über einen regionalen Unternehmensberater dazu, auf die Suche zu gehen, nach einer Firma die seinem Profil und Vorstellungen entsprach. Technische Bürsten Spremberg war das zweite Unternehmen, dass ihm vorgeschlagen wurde und je mehr er sich mit dem Unternehmen beschäftigte, desto interessanter wurde es. Das lag nicht zuletzt auch an Eberhard Gleitsmann, dem bisherigen Geschäftsführer des Spremberger Herstellers von Drahtbürsten und technischen Bürsten, einem von nur zwei Herstellern die „Made in Germany“ produzieren und weltweit exportieren.

Das 20 Mann Unternehmen hat die Umbruchphase der 1990er Jahre nicht unbeschadet aber wirtschaftlich geordnet überstanden, um sich danach im Bereich Spezialbürsten und kleinen Serienfertigungen einen Namen auf dem Weltmarkt zu machen und das Produktportfolio von 200 auf über 4.000 auszubauen. Heutige Kunden sind auf der ganzen Welt vertreten. Eberhard Gleitsmann leitet das Unternehmen zusammen mit seiner Frau, die als Angestellte die Buchhaltung im Auge hat, seit 40 Jahren. Er führte es durch die unsicheren Zeiten des Mauerfalls, als es darum ging die Produktivität zu erhöhen um auf den Weltmärkten konkurrenzfähig zu sein. Das Unternehmen ist heute wirtschaftlich sicher aufgestellt, die Auftragsbücher sind gut gefüllt und es wuchs kontinuierlich. Man merkt ihm im Gespräch an, dass er durchaus noch einige Ideen für neue Märkte und Produkte hätte, trotz seiner 67 Jahre ist er auf dem Stand, will vor der Übergabe noch einmal die Computertechnik auf den neusten Stand bringen um seine Firma bestmöglich an Mathias Bahl zu übergeben.

„Mein Ziel mit der Nachfolge ist nicht, möglichst viel Geld von einem Käufer zu bekommen, sondern auch zum 200. Firmenjubiläum im Jahr 2034 eingeladen zu werden, weil der Kaufpreis die Firma nicht erdrückt. Mit Mathias habe ich einen jungen Mann gefunden, dem ich das zutraue und der mein vollstes Vertrauen hat. Er verfügt aufgrund von langjährigen leitenden Tätigkeiten über hervorragende technische und betriebswirtschliche Kenntnisse und hat sich bei den Bewerbern deutlich vom Kenntnisstand abgehoben. Mit Optimismus sichern wir die Zukunft des Unternehmens, was in unserer Region der Lausitz Seltenheitswert hat.“ so Seniorchef Eberhard Gleitsmann.

Diesen Optimismus spürt man regelrecht, wenn sich die beiden unterhalten. Zwischen erstem Treffen und der Unterschrift unter dem Notarvertrag liegen zwei Jahre und unzählige Geschäftstermine, aber auch persönliche Treffen. Zwischen beiden Männern hat sich ein Vertrauensverhältnis gebildet, wie es bei Unternehmensübergaben kaum besser sein könnte. Der Kaufpreis war nie Bestandteil großer und langwieriger Verhandlungen, es ging um Inhalte, Produkte, Mitarbeiter, Märkte und natürlich Bilanzen. Die wurden von Mathias Bahl und dem beratenden Unternehmensberater überprüft und für gut befunden. Sie bieten eine stabile Basis für die künftige Entwicklung. Denn auch der neue Eigentümer hat Ideen, anders als bei einem gänzlich neu gegründeten Unternehmen kann er auf erfahrene Mitarbeiter einen großen Kundenstamm und im Markt etablierte Produkte mit dazugehörigem Umsatz zurückgreifen und daneben neue Produkte einführen. Ein unschätzbarer Vorteil für einen Unternehmensgründer, wie auch Rückkehrer Mathias Bahl einer ist. Er musste einen Businessplan schreiben um bei Banken den nötigen Kredit für den Unternehmenskauf zu erhalten. Letztlich entschied er sich für die örtliche Hausbank, die schon 20 Jahre Technische Bürsten Spremberg betreut. Auch dort kannte man die Zahlen, überzeugte sich vom Nachfolger und bewilligte den Kredit Ende letzten Jahres.

Mit gutem Gefühl in die neue Aufgabe

Mit dieser Sicherheit und der Notarunterschrift stellte sich Mathias Bahl auch seinen künftigen Mitarbeitern bei der Weihnachtsfeier vor und lernte sie kennen. So gab es für sie kurz vor Weihnachten gute Nachrichten, sie bedeuten Sicherheit für die Beschäftigungsverhältnisse, denn natürlich kannten auch sie das Alter ihres Noch-Chefs. Gleiches gilt für Kunden der Spremberger Bürsten. Sie wurden in einem Schreiben kurz vor Weihnachten informiert und nun um die gesicherte Nachfolge. Wichtige Entscheidungen werden nun bereits zwischen Noch- und Baldchef gemeinsam getroffen, ehe Mathias Bahl die Geschäfte in Spremberg am 01.01.2019 offiziell übernimmt und Eberhard und Gerlinde Gleitsmann in ihren wohlverdienten Ruhestand gehen können. Die Spremberger Bürsten GmbH bleiben auch weiterhin ein Familienunternehmen, denn die freiwerdende Buchalterstelle übernimmt seine Schwester Steffani Meschzan (geborene Bahl), die bereits zum 01.08.2018 ihre Stelle in Spremberg antritt, um in vier Monaten von Gerlinde Gleitsmann in alle Prozesse eingearbeitet zu werden und in ihre neue Rolle reinzuwachsen. Bisher ist die gelernte Bürokauffrau im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum tätig, bildete sich aber schon vor einigen Jahren zur Wirtschaftsfachwirtin bei der IHK weiter und kann ihr Wissen bald im neuen Familienunternehmen einsetzen.

Mathias Bahl will Bewährtes fortsetzen ohne gleich jede Bürste umzudrehen, Ideen wie sich das Unternehmen künftig aufstellt und neue Märkte erobern kann, hat er jedoch auch einige in der Schublade und sie Stück für Stück umsetzen. Die Spremberger Bürsten schauen einer gesicherten, optimistischen Zukunft entgegen.

Der Artikel von Benjamin Andriske erschien im FORUM-Magazin 4/2018

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