Ausbildungsdauer

Die Ausbildungsdauer ist für jeden Ausbildungsberuf in der jeweiligen Ausbildungsordnung festgelegt (Regelausbildungszeit). Dies können z. B. drei Jahre sein. In dieser Zeit soll es einem durchschnittlich begabten Lehrling möglich sein, das Ausbildungsziel zu erreichen.

Ein Berufsausbildungsverhältnis endet automatisch mit dem Ablauf der Ausbildungszeit – auch wenn sich diese durch Verlängerung oder Verkürzung ändert. Das gilt selbst ohne Anpassung des Ausbildungsvertrags. Als befristetes Rechtsverhältnis bedarf es auch keiner Kündigung des Vertrags – das Vertragsverhältnis endet automatisch mit Fristablauf. Handelt es sich um eine Stufenausbildung, endet das Ausbildungsverhältnis erst mit Abschluss der zweiten Stufe.
Die meisten Ausbildungsverhältnisse enden allerdings bereits vorher: Besteht ein Auszubildender vor Ablauf der Ausbildungszeit seine Abschlussprüfung, endet das Ausbildungsverhältnis mit Bekanntgabe des Ergebnisses durch den Prüfungsausschuss.

Findet die Abschlussprüfung erst nach Ablauf des Ausbildungsverhältnisses  statt, so verlängert sich das Ausbildungsverhältnis weder automatisch noch auf Verlangen des Auszubildenden.

Verkürzung der Ausbildung

Unter folgenden Voraussetzungen kann die Ausbildungsdauer jedoch von der IHK auf Antrag verkürzt werden:

a) um 6 Monate bei Fachoberschulreife.

b) um 12 Monate

  •     nach abgeschlossener Ausbildung,
  •     bei Fachhochschulreife, Abitur oder abgeschlossener Berufsausbildung
  •    21 Jahre oder älter.

c) Bei Fortsetzung der Ausbildung im selben Beruf kann die bisher zurückgelegte Zeit ganz oder teilweise angerechnet werden.

d) Eine sonstige einschlägige Berufstätigkeit kann angemessen berücksichtigt werden.

Zeugnisse und sonstige Unterlagen, die den Verkürzungsgrund belegen, sind in Kopie beizufügen. Mit Registrierung des Vertrages durch die IHK wird die Verkürzung wirksam.

Verkürzung bei BGJ bzw. Berufsfachschule

Hat der Auszubildende ein einschlägiges Berufsgrundschuljahr (BGJ) oder eine Berufsfachschule erfolgreich besucht, kann diese Zeit wie folgt angerechnet werden:

a)    BGJ, einjährige Berufsfachschule:

6 oder 12 Monate,

b)    Zweijährige, zum mittleren Schulabschluss führende Berufsfachschulen:

6 oder 12 Monate,

c)     Mehrjährige zur Fachhochschulreife führende Berufsfachschulen:

6 oder 12 Monate,

d)    Mindestens dreijährige zum Abitur führende Berufsfachschulen:

12 oder 18 Monate,

Eine Anrechnungspflicht besteht nicht.

Der Auszubildende hat trotz Verkürzung keinen Anspruch, entsprechend früher die Vergütung des 2. Ausbildungsjahres zu erhalten. Werden dagegen Vorausbildungszeiten (z.B. BGJ) angerechnet, besteht entsprechend früher Anspruch auf die Vergütung des nächsten Ausbildungsjahres, da die Ausbildungszeit insoweit bereits als zurückgelegt gilt.

Vorzeitige Zulassung zur Prüfung

Eine weitere Verkürzungsmöglichkeit besteht in der vorzeitigen Ablegung der Prüfung. Der Auszubildende kann bereits 6 Monate vor dem regulären Prüfungstermin zur Prüfung zugelassen werden, wenn er

  •     in der betrieblichen Ausbildung
  •     und in den berufsbezogenen Fächern der Berufsschule

gute Leistungen (Ø mind. 2,49) nachweist.

Die vorzeitige Zulassung muss vom Auszubildenden bei der IHK schriftlich beantragt werden. Eine Zustimmung des Betriebes ist nicht erforderlich, die IHK muss Betrieb und Berufsschule aber vor ihrer Entscheidung anhören.

Zusammentreffen von Verkürzungsgründen

Mehrere Verkürzungsgründe können kombiniert werden. Die Ausbildungsdauer darf dabei folgende Mindestzeiten nicht unterschreiten:

Regelausbildungszeit Mindestausbildungszeit
42 Monate 24 Monate
36 Monate 28 Monate
24 Monate 12 Monate


Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit (Teilzeitausbildung)

Die Ausbildungsdauer kann auf gemeinsamen Antrag des Auszubildenden und des Betriebes auch in Form einer verkürzten täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit erfolgen (sog. Teilzeitausbildung). Eine wöchentliche Mindestausbildungszeit von 25 Stunden darf dabei nicht unterschritten werden. Die Ausbildungsvergütung kann entsprechend prozentual gekürzt werden. Die Teilzeitausbildung führt grundsätzlich nicht zu einer Verlängerung der Gesamtausbildungsdauer.

Verlängerung der Ausbildung

In Ausnahmefällen kann die IHK auf Antrag des Auszubildenden die Ausbildungsdauer verlängern, wenn dies erforderlich ist, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Solche Ausnahmefälle sind z. B.:

  •     erkennbare schwere Ausbildungsmängel
  •     längere Ausfallzeiten (z. B. infolge Krankheit).

Eine Zustimmung des Betriebes ist nicht erforderlich, die IHK muss Betrieb und Berufsschule aber vor ihrer Entscheidung anhören. Der Auszubildende erhält weiterhin die Vergütung des letzten Ausbildungsjahres.

Verlängerung bei Nichtbestehen der Prüfung

Besteht der Auszubildende die Abschlussprüfung nicht, verlängert sich das Ausbildungsverhältnis auf sein Verlangen bis zum nächstmöglichen Prüfungstermin. Eine Zustimmung des Betriebes oder Genehmigung der IHK ist nicht erforderlich. Der Auszubildende muss die Verlängerung spätestens unverzüglich nach Vertragsende vom Ausbildungsbetrieb verlangen.

Die Verlängerung ist der IHK durch den Betrieb unverzüglich schriftlich mitzuteilen. Der Auszubildende erhält weiterhin die Vergütung des letzten Ausbildungsjahres.

Verlängerung tritt auch ein, wenn der Prüfling krankheitsbedingt nicht an der Prüfung teilnehmen konnte.

Mit Bestehen der 1. Wiederholungsprüfung endet das Ausbildungsverhältnis.

Besteht der Auszubildende auch diese nicht, verlängert sich die Ausbildung auf sein Verlangen bis zur 2. Wiederholungsprüfung, wenn diese noch innerhalb der Höchstfrist von einem Jahr - gerechnet ab ursprünglichem Ausbildungsende - abgelegt wird. Nach diesem Jahr endet die Ausbildung spätestens.

Dauer der Probezeit

Die Probezeit bietet die Möglichkeit, im betrieblichen Alltag zu überprüfen, ob Eignung und Neigung für den Beruf vorliegen und die Beteiligten zueinander passen. In der Praxis verstreicht die Probezeit leider oft ungenutzt. Viele später auftretende Probleme mit dem Azubi ließen sich bei sinnvoller Nutzung der Probezeit zumeist vermeiden.

Der Betrieb sollte daher bemüht sein, sich von Anfang an ein Bild von Leistung und Verhalten des Azubis zu verschaffen und sich mit diesem regelmäßig über die Ausbildungssituation austauschen. Der Azubi sollte dabei eine offene Rückmeldung über seine Arbeitsleistung und sein Verhalten erhalten, aber auch selbst kritisch seine Eindrücke schildern können. Empfehlenswert ist auch, sich bei der Berufsschule über den Azubi zu erkundigen.

Bleiben am Ende der Probezeit ernstliche Zweifel an Eignung oder Neigung des Auszubildenden bestehen, sollte die Möglichkeit der Probezeitkündigung genutzt werden.

Wie lange darf die Probezeit dauern?

Das Ausbildungsverhältnis beginnt mit der Probezeit, die mindestens einen Monat und höchstens vier Monate betragen darf (§ 20 BBiG).

Kann die Probezeit verlängert werden?

Der Gesetzgeber hat die Dauer der Probezeit genau und abschließend geregelt. Daher ist eine Verlängerung der Probezeit grundsätzlich nicht möglich. Eine Vereinbarung über eine Verlängerung der Probezeit ist nichtig (§ 25 BBiG).

Nur wenn die Ausbildung während der Probezeit um mehr als ein Drittel dieser Zeit unterbrochen wird, verlängert sich die Probezeit um diesen Zeitraum (§ 1 Nr. 2 des Ausbildungsvertrages).

Ist der Auszubildende während der Probezeit wegen Blockschulunterrichts kaum im Betrieb, kann die Probezeit dennoch nicht verlängert werden, da dies keine Unterbrechung, sondern Teil der Ausbildung ist.

Kann während der Probezeit gekündigt werden?

Während der Probezeit kann jede Vertragspartei den Ausbildungsvertrag jederzeit ohne Angabe von Gründen fristlos kündigen (§ 22 Abs. 1 BBiG).

Die Kündigung einer Schwangeren ist auch während der Probezeit grundsätzlich nicht möglich.

Die Kündigung muss schriftlich erfolgen (§ 22 Abs. 3 BBiG) und dem Vertragspartner vor Ende der Probezeit zugegangen sein.

Die Kündigung eines Minderjährigen wird nur wirksam, wenn sie dem gesetzlichen Vertreter (i. d. R. Eltern) zugeht (§ 131 BGB). Der Zugang bei einem Elternteil genügt (§ 1629 BGB).

Urlaubsansprüche

Auch bei Beendigung des Ausbildungsverhältnisses innerhalb der Probezeit hat der Auszubildende Anspruch auf anteiligen Urlaub (= 1/12 pro vollen Ausbildungsmonat). Konnte dieser nicht genommen werden, so muss der Betrieb ihn finanziell abgleichen.

Ansprechpartner

Janett Reichelt
Regionalcenter Elbe-Elster
Kompetenzfeld: Mitglieder betreuen
Schwerpunktthema: Ausbildung
t: 0355 365 3303
f: 0355 36526 3303
janett.reichelt@cottbus.ihk.de
Katrin Nicolaus
Regionalcenter Oberspreewald-Lausitz
Kompetenzfeld: Mitglieder betreuen
Schwerpunktthema: Ausbildung
t: 0355 365 3203
katrin.nicolaus@cottbus.ihk.de
Nico Neidenberger
Regionalcenter Dahme-Spreewald
Kompetenzfeld: Mitglieder betreuen
Schwerpunktthema: Ausbildung
t: 0355 365 3104
f: 0355 36526 3104
nico.neidenberger@cottbus.ihk.de
Jeannette Halbhuber
Regionalcenter Dahme-Spreewald
Kompetenzfeld: Mitglieder betreuen
Schwerpunktthema: Ausbildung
t: 0355 365 3103
f: 0355 36526 3103
jeannette.halbhuber@cottbus.ihk.de
Oliver Huschga
Manager Regionalcenter Cottbus/Spree-Neiße
Kompetenzfeld: Mitglieder betreuen
Schwerpunktthema: Ausbildung
t: 0355 365 3400
f: 0355 36526 3400
oliver.huschga@cottbus.ihk.de
Gerd Lehmann
Kompetenzfeld: Mitglieder betreuen
Schwerpunktthema: Ausbildung
t: 0355 365 3410
f: 0355 36526 3410
gerd.lehmann@cottbus.ihk.de