BER ist für den Notfall gerüstet

Bahnhofsevakuierung am BER
© IHK Cottbus
Bahnhofsevakuierung am BER
Lars Hartfelder | © Feueralarm! Bahnhofsevakuierung im Probebetrieb

Erfolgreiche Brandschutz- und Räumungsübung mit 800 Komparsen in Flughafenbahnhof und Terminal  

Dicht gedrängt warten hunderte Reisende auf dem Bahnsteig unter dem Hauptterminal des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg auf ihren Zug. Plötzlich steigt Rauch auf. Sekunden später schallt es mit einer automatischen Durchsage über die Lautsprecher: „Achtung, Achtung, es besteht Feueralarm, bitte verlassen sie den Bahnhof sofort“. Die Menschen müssen evakuiert werden. Zum Glück war dieses Szenario mit dem simulierten Brand nur eine Notfallübung. Die Flughafen-Feuerwehr probte am Mittwoch mit 800 Komparsen den Ernstfall. Innerhalb weniger Minuten wurden alle Personen, auch Rollstuhlfahrer, über die Fluchtwege zügig aus dem Bahnhof auf dem Willy-Brandt-Platz direkt vor dem Terminal geleitet. „Die Übung war ein Erfolg“, zeigte sich Flughafensprecher Daniel Tolksdorf zufrieden. „Die Feuerwehr hat extrem schnell reagiert und die Fluggäste haben den Tunnel sehr zügig entfluchtet.“

Zwei Übungsszenarien erfolgreich bewältigt

Für die betreibende Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) war die Brandschutz- und Räumungsübung ein weiterer Schritt in Richtung Inbetriebnahme des BER. Es handelte sich dabei um eine sogenannte „Vollübung“ gemäß den EASA- bzw. ICAO-Richtlinien. Alle internationalen Flughäfen müssen alle zwei Jahre einen Sicherheits-TÜV absolvieren, bei dem die Feuerwehr bei einem simulierten Brand Personen innerhalb kürzester Zeit evakuieren muss. Dabei wurden zwei Übungsszenarien bewältigt. Das erste Szenario bestand aus einem brennenden Zug im Bahnhof. Die Flughafenfeuerwehr musste mit einem wirksamen Löschangriff innerhalb von 15 Minuten ab Alarmierung beginnen. Bereits nach acht Minuten erreichten die Feuerwehrleute über einen separaten Zugang den Bahnsteig und konnten mit den Löscharbeiten anfangen.

Das zweite Übungsszenario bestand aus einem Brand im Terminal. Weitere Übungsziele waren die unmittelbare Räumung der kritischen Bereiche sowie die Rettung von mobilitätseingeschränkten Personen, der Aufbau einer Einsatzleitung vor Ort und die Überprüfung der Alarmierungswege. „Mit dieser Übung haben wir nachgewiesen, dass das Räumungskonzept funktioniert, auch die Rauchentlüftung und Brandschutztüren haben fehlerfrei gearbeitet“, sagte Andreas Klupsch, Leiter Flughafenfeuerwehr.

Positives Resümee

 „Der BER und der darunterliegende Bahnhof sind auch im Zusammenspiel sicher, das haben wir mit dieser Übung demonstrieren können“, sagte Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH. Die Besonderheit am BER ist, dass Fluggäste direkt mit dem Zug oder der S-Bahn unter dem Terminal an- und abfahren können. Das ist einzigartig in Deutschland und machte die gemeinsame Übung notwendig. Der sechsgleisige Bahnhof mit drei Bahnsteigen befindet sich direkt unter dem Terminal T1. Es wird erwartet, dass zwei von drei Reisenden mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum neuen Flughafen kommen. Auf dem Bahnhof halten ab Oktober in der Hauptverkehrszeit pro Stunde 14 Züge, darunter alle zehn Minuten die S-Bahn und etwa einmal pro Stunde der IC auf der Fahrt von Dresden nach Rostock. Die Station heißt „Flughafen BER – Terminal 1-2“.

Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn, zeigte sich mit dem Verlauf der Brandschutz- und Räumungsübung ebenfalls zufrieden: „Am BER greifen Schienen- und Luftverkehr optimal ineinander, das hat nun auch die erfolgreiche Evakuierung und Brandbekämpfung bewiesen“. Der Landrat des zuständigen Landkreises Dahme-Spreewald, Stephan Loge, schaute sich die Evakuierung ebenfalls persönlich an. „Die Abläufe haben schnell und zuverlässig geklappt“, schätzte er ein. „Ich freue mich auf den Eröffnungstermin.“

"Für mich persönlich war es spannend mitzuerleben, wie in einem Brandfall innerhalb kürzester Zeit die Menschen aus dem Flughafenterminal evakuiert werden und Feuer gelöscht wird. Besonders beeindruckend war das reibungslose Zusammenspiel aller technischen Brandschutzmaßnahmen im Flughafenterminal und -bahnhof! Nach Auslösung des Feueralarms kamen klare Ansagen in Deutsch und Englisch, das Terminal auf den Fluchtwegen schnellstmöglich zu verlassen. Die Brandschutzvorhänge im Terminal senkten sich und die hochleistungsfähige Belüftungsanlage blies mit enormer Kraft frische Luft in Hallen und Treppenaufgänge. Es war beruhigend für mich zu erleben, wie gut die Technik und Abläufe funktionieren", sagt Jens Krause von der IHK.

Reibungsloses Zusammenspiel der Einsatzkräfte

Neben den rund 800 freiwilligen Komparsen, die ausnahmslos Corona-Masken trugen, nahmen an der Übung 40 Einsatzkräfte der Flughafenfeuerwehr sowie Räumungshelfer und Sammelplatzleiter teil. Etwa 15 FBB-Mitarbeiter bildeten mit weiteren externen Fachleuten die gemeinsame Übungsleitung- und Steuerung. „Die Kommunikation und die Zusammenarbeit zwischen allen Verantwortlichen verlief schnell und reibungslos“, sagte Feuerwehrchef Andreas Klupsch. 

Aufgrund der einzigartigen Lage des Bahntunnels direkt unter dem Terminal 1 ist die FBB-Flughafenfeuerwehr für die Brandbekämpfung im Tunnel zuständig. Die Feuerwehrleute wurden dafür in der Schweiz speziell in der Tunnelbrandbekämpfung ausgebildet und u.a. mit besonderen Atemschutzgeräten und modernsten Löschmitteln ausgestattet.

Text: Lars Hartfelder, 26.08.2020

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