Wenn die Sehnsucht nach der Heimat zum Startup führt

Nadin Kilian und Julia Procopius starteten als "frechundschwefel" in der alten Heimat neu durch
© IHK Cottbus
Nadin Kilian und Julia Procopius starteten als "frechundschwefel" in der alten Heimat neu durch

Die beiden geborenen Finsterwalderinnen Julia Procopius, 35 und Nadine Kilian, 41 verbergen sich hinter dem Label „frechundschwefel“. Beide strahlen eine unheimliche Energie, Lebenslust, Kreativität und Leidenschaft aus. Dass sich beide gemeinsam im April dieses Jahres selbstständig gemacht haben, war eher ein großer Zufall. Die jungen Frauen kehrten Finsterwalde nach der Schule den Rücken, lernten verschiedene Berufe, studierten, bekamen Kinder - hatten aber beide immer den Wunsch wieder heimzukehren.

Aus dem Familienfotostudio zurück in die Heimat

Julia Procopius wusste früher nie, was sie eigentlich mal werden wollte. Was sie wusste: es musste etwas mit Kreativität zu tun haben. Ihr lagen schon immer Dinge im künstlerischen Bereich. Sie erlernte den Beruf der gestaltungstechnischen Assistentin, ging dann nach Hamburg, wo sie viele Jahre als Fotografin arbeitete. In dieser Zeit habe sie sehr viel gelernt, vor allem auch auf fremde Menschen einzugehen oder einfach auch allein durch die Gegend zu reisen, was sie vorher nie gern gemacht habe.

„Ich lernte meinen damaligen Lebensgefährten kennen, er lebte in Braunschweig. Ich habe dann dort eine Festanstellung in einem Familienfotostudio bekommen, wo ich unheimlich viele Erfahrungen sammeln konnte. Als mein Kind auf die Welt kam, war es schwierig, eine Anstellung zu finden. Nach einigen Versuchen stand für mich fest, dass ich zurück in die Heimat möchte, weil ich nirgends richtig ankam. 2017 nahm Julia Kontakt mit Comeback Elbe-Elster auf. „Die haben sich unheimlich gekümmert und mich unterstützt und so kam ich wieder zurück. Das ging alles unheimlich schnell, egal ob mit der Wohnung oder dem Kitaplatz“.

Germanistik und Mediendesignstudium konnten Sehnsucht nicht stillen

Bei Nadine Kilian, in Finsterwalde geboren und aufgewachsen, war es ganz ähnlich. Sie machte 1999 Abitur und wollte wie der Rest der Generation, erstmal weg.

Sie studierte in Dresden Germanistik, was ihr unheimlich viel Spaß gemacht hat, „allerdings hat das damals jeder studiert und so sind Wartelisten bestimmter Seminare manchmal von fünf Jahren entstanden“, sagt Nadine. „Schon damals überlegte ich, was ich dann damit machen möchte“. Sie studierte dann Mediendesign in Berlin. „Es waren wirklich diese zwei Dinge, die mich schon immer fasziniert haben: einmal die Sprache und einmal IT, programmieren und Design. Ich lebte und arbeitete dann fast 17 Jahre in Berlin, habe aber die Sehnsucht nach der Heimat auch nie verloren“, sagt sie.

Sanitätshaus brauchte sie zusammen

Obwohl beide Finsterwalderinnen sich all die Jahre nie über den Weg liefen, brachte der Zufall sie im Frühjahr 2020 zusammen. Beide arbeiteten zu der Zeit im Medizintechnik- und Sanitätshaus Kröger in Massen und landeten in der Marketingabteilung. Sie merkten recht schnell, dass sie sich perfekt ergänzen und fingen an, wilde Ideen zu spinnen, die allerdings nach und nach tatsächlich gewachsen sind.

Plötzlich stellten sie sich die Frage „Wenn nicht jetzt, wann dann?“.

So schnell, wie der Zufall beide zusammenführte, machten sie auch Nägel mit Köpfen. "Es hat zwischen uns einfach gepasst und so fiel es uns viel leichter, den Schritt zu gehen." Mitten im zweiten Lockdown kündigten sie ihre Jobs und planten die Gründung von frechundschwefel. Für beide hätte der Zeitpunkt nicht günstiger sein können. Viele der Unternehmen wollen nach dem Lockdown ihre Webseiten auffrischen, andere Händler wiederum versuchen, ihre Produkte nun professioneller an den Mann zu bringen. Das Duo weiß genau, was die Unternehmen sich wünschen.

Neuanfang im Coworking Space

So bringt Julia durch ihre Leidenschaft als Fotografin und Malerin den künstlerischen Part in die Agentur ein und Nadine liebt das Schreiben und Bücher und ist der Profi in Onlinemarketing und Webdesign. Das zweiköpfige Team ergänzt sich perfekt, beide haben unendlich viele Ideen und spürbare Lust, diese umzusetzen. Bereits am 1. April dieses Jahres eröffneten sie ihre Werbeagentur im Coworking Space Alex, ganz in der Nähe des gleichnamigen Finsterwalder Platzes.

„In der Anfangsphase durften wir uns hier einquartieren und sind unendlich dankbar, so eine Gelegenheit bekommen zu haben. Eine echte Empfehlung für jeden, der gerade dabei ist, etwas zu starten oder einfach mal eine Abwechslung braucht und noch kein Plätzchen hat. Jeder kann die Räumlichkeiten kostenfrei nutzen. Gerade zu Corona-Zeiten war das mal eine willkommene Abwechslung, dem ständigen Homeoffice zu entkommen."

Inzwischen ist das quirlige Duo in eigene Büroräume gezogen.

„Weil wir uns so wohlgefühlt haben, geht es nur zwei Etagen höher“, lachen beide. Und in die Heimat zurückgekommen zu sein, macht sie am meisten glücklich. „Wir haben so schöne Ecken hier, die Bürgerheide ist zum Beispiel einer der schönsten Orte in Finsterwalde“, sagt Nadine.

Julias zweite Heimat ist Bad Erna, dort verbrachte sie in ihrer Kindheit viel Zeit. Jetzt wollen sich beide auf ihre Selbstständigkeit konzentrieren und ihren Kundenstamm aufbauen.

„Unsere Vision ist es, frei zu sein und selbst entscheiden zu können, wie, mit wem, wann und wo wir arbeiten“, sehen beide optimistisch in die Zukunft. Gründern, die den Weg in die Selbstständigkeit wagen, geben sie mit auf den Weg: „Macht das, was ihr wirklich mögt und könnt und seid einfach mutig, den Schritt zu tun“.

Mit dem Existenzgründerpreis 2021 ausgezeichnet

Das das Konzept der Beiden Macherinnen erfolgreich ist, wurde nun sogar durch eine Auszeichnung bestätigt. Am 2. September erhielte das Start-Up-Unternehmen den dritten Preis beim Lausitzer Existenzgründer Wettbewerb.

 

Der Artikel von Daniela Tober erschien im FORUM-Magazin Ausgabe 9/2021

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