Wasserstoffland Brandenburg

Das Energiewendelabor in Ketzin, bietet beste Voraussetzungen für den "grünen Wasserstoff"
© Stefan Specht
Das Energiewendelabor in Ketzin, bietet beste Voraussetzungen für den "grünen Wasserstoff"

Das Land Brandenburg schreibt an einer Wasserstoffstrategie und will sie im Schulterschluss mit Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt im Herbst verabschieden.

„Die nächste Aufgabe ist das parallele Hochfahren des Marktes mit Erzeugung, Logistik und Anwendung – und natürlich einer Wasserstoffinfrastruktur, um die benötigten Mengen vom Ort der Erzeugung hin zum Verbrauch zu transportieren“, sagt Jörg Steinbach, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Energie des Landes Brandenburg, im FORUM-Interview.

Vom Henne-Ei-Prinzip ist beim Thema Wasserstoff die Rede. Niemand wird einen Wasserstoffbus kaufen, wenn nicht ausreichend grüner Wasserstoff zur Verfügung steht und es keine Tankstellen gibt. Moderne Wasserstoffbusse werden erst gebaut, wenn die Bestellungen vorliegen. Die Wirtschaftsförderung Land Brandenburg (WFBB) mit dem Cluster Energietechnik will Wissenschaftler sowie potenzielle Erzeuger und Nutzer von Wasserstoff zusammenbringen.

Positionspapier der IHKs

Die Brandenburger IHKs sehen im Wasserstoff große Chancen für die Wirtschaft. Sie drängen die Politik darauf, verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen zu schaffen. Vor wenigen Tagen veröffentlichten sie das Positionspapier „Energieträger der Zukunft – Wasserstoff“.

Darin heißt es: „Zur Erreichung der Pariser Klimaschutzziele ist die Dekarbonisierung - also die Abkehr vom Kohlenstoff - unseres Energiesystems essenziell. Aus erneuerbaren Energien hergestelltem Wasserstoff kommt dabei eine besondere Rolle zu. Brandenburg als ein Vorreiter beim Ausbau erneuerbarer Energien bietet beste Voraussetzungen, um Wasserstoff-Wertschöpfungsketten aufzubauen.“

Brandenburg muss Wasserstoff-Technologie entschlossen vorantreiben

Carsten Christ, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Brandenburger IHKs: „Im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland fehlt in Brandenburg noch ein klarer Ansatz zur Förderung von Pilotregionen und zur Umsetzung von Reallaboren sowie zur Schaffung von Investitionsanreizen für Unternehmen. Das Land muss jetzt mit seiner Förderstrategie endlich nachziehen und auch den Aufbau des Wasserstoff-Clusters sowie den Wissenstransfer entschlossen vorantreiben. Die Zahl der Anwendungsideen, wie vom Güter- und Personenverkehr über Abwärme bis Wohnen, ist in der Wirtschaft groß. Die Unternehmen wollen von der Zukunftstechnologie profitieren. Dies muss ihnen besser ermöglicht werden.“

Darüber hinaus sehen die IHKs den Kompetenzaufbau in aller Breite als erforderlich – nicht nur im Forschungsbereich, sondern auch in der Anpassung der Aus- und Weiterbildung.

Regionale Zukunftsprojekte

In einigen Regionen gibt es bereits Zusammenschlüsse von Akteuren, um die notwendigen Wasserstoff-Infrastrukturen wirtschaftlich sinnvoll und Stück für Stück aufzubauen. Das zeigt auch das kürzlich durch den Bund bewilligte nachhaltige Zukunftsprojekt im Schienenpersonennahverkehr von Enertrag, Niederbarnimer Eisenbahn und Kreiswerke Barnim. Für solch wegweisende Projekte brauche es nach Ansicht der Wirtschaft allerdings auch ein abgestimmtes Standort- und Ansiedlungsmarketing durch das Land Brandenburg, um weitere Investitionen auszulösen. Die Erstellung der Wasserstoff-Roadmap für Brandenburg und für die Hauptstadtregion, die Bedarf, Angebot und Nachfrage sichtbar machen soll, ist ein wesentlicher Baustein hierfür.

Wasserstoff-Roadmap

Die planvolle Einführung der Wasserstoff-Technologien durch die Länder Brandenburg und Berlin – Roadmap-Prozess genannt – war im April Thema bei den Berliner Energietagen. Das Cluster Energietechnik Berlin-Brandenburg hat die Veranstaltung organisiert. Das Clustermanagement knüpft in einem EU-geförderten Projekt ein Netzwerk, bei dem die unterschiedlichsten Unternehmen mitmachen: Experten für Erneuerbare Energien, Energienetze und -speicher, Energieeffizienz und Kraftwerkstechnik gehören dazu. Über 700 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Fachverbände in Berlin und Brandenburg haben direkt und indirekt mit Wasserstofftechnik zu tun.

Klaus Henschke, Clustermanager bei der WFBB: „Das Potenzial der Wertschöpfungskette Wasserstoff ist enorm. Es ist die Aufgabe meines Teams, den Bedarf zu erkennen, Themen zu setzen und Projekte anzuregen.“ Das Clustermanagement vernetzt regionale Akteure, die gemeinsam um die Teilnahme an EU- und Bundesprogrammen bewerben, zum Beispiel um eine Förderung für ein Technologie- und Innovationszentrum Wasserstoff, gemeinsam mit Berlin.

Es gehe beim Netzwerk um eine Vorauswahl von Teilnehmern aus den unterschiedlichen Bereichen für einen Dialog – wenn es klappt, machen die Teilnehmer untereinander ein Projekt daraus. Die WFBB kann dieses durch Informationen über die Fördermöglichkeiten von EU und Bund begleiten. Der Bund stellt im Rahmen seiner nationalen Wasserstoffstrategie 300 Millionen Euro zur Verfügung. Darüber hinaus sind Förderprogramme der ILB auch auf Wasserstoff-Innovationen anwendbar.

Der Artikel von Stefan Specht erschien im FORUM 6/2021

 Wasserstoff Investitionen VIII 19 05 21

© Grafik: IHK Cottbus, Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, hier können Sie die Karte in hoher Auflösung herunterladen.

Forderungen der drei Brandenburger IHKs

Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen, um den Schritt von der Demonstration hin zur breiten Anwendung von grünen Wasserstoff-Technologien zu gehen:

Sektorenvernetzung

Wasserstoff spielt bei der Vernetzung der Sektoren Wärme, Mobilität und Industrie eine Schlüsselrolle. Mit Wasserstoff können Fahrzeuge betrieben werden und der Wärmebedarf lässt sich saisonal absichern. Die Politik muss mit Dialoginitiativen und Informationsangeboten über Nutzen und Risiken des Wasserstoffs aufklären. Das ist Voraussetzung für eine breite Akzeptanz.

Pilotregionen

Die IHKs setzen sich nach ersten Erfahrungen mit Reallaboren dafür ein, Pilotprojekte in Brandenburg voranzubringen, die die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft fördern und regionale Experimentierklauseln zu ermöglichen. Ein Beispiel dafür ist „DurcH2–atmen – Wasserstoffnetzwerk Lausitz“ mit 60 Mitgliedern und Unterstützern entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Wasserstoff-Infrastruktur

Um die flächendeckende Versorgung sicherzustellen, können vorhandene Gasleitungen als Speicher und Transportmedium genutzt werden. In Gewerbegebieten und zur Anbindung von unterirdischen Speichern ist der Bau von reinen Wasserstoffleitungen sinnvoll. Darüber hinaus kann Wasserstoff mit LKWs oder Bahn transportiert werden. Die Politik muss den Aufbau einer flächendeckenden Wasserstoff-Infrastruktur vorantreiben. Es sind Planungszeiträume von fünf bis zehn Jahren zu berücksichtigen.

Marktbedingungen

Neben direkten Investitionsanreizen ist die Befreiung des Grünen Wasserstoffs von staatlichen Abgaben erforderlich. Dazu gehört eine Entlastung von der EEG-Umlage für Strom, bis die Stromerzeugung aus Wasserstoff wettbewerbsfähig möglich ist.

Forschungsförderung

Das Land Brandenburg soll den breiten Kompetenzaufbau bei der Erzeugung, Speicherung und Nutzung von Wasserstoff unterstützen. Dazu gehören der Aufbau von Wasserstoff-Kompetenzzentren an den Hochschulstandorten, die technische Ausstattung von Oberstufenzentren, um Wasserstoff-Techniken vermitteln zu können, und die Wissensvermittlung in der Aus- und Weiterbildung.

Die Lausitz als HyStarter-Region

Die Lausitz ist seit 2019 eine von neun HyStarter-Regionen in Deutschland, die vom Bundesverkehrsministerium bei der Entwicklung eines Wasserstoffkonzepts und der Herausbildung eines Akteursnetzwerks gefördert wird. Das brandenburgisch-sächsische Wasserstoffnetzwerk „DurcH2atmen“ mit den Projektpartnern IHK Cottbus, CEBra – Centrum für Energietechnologie Brandenburg e. V. und Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Zittau ist erste Anlaufstelle für Orientierung und individuelle Beratung für Unternehmen und Kommunen, die Wasserstoffprojekte entwickeln und vorantreiben möchten. Rund 100 Netzwerkpartner sind bereits im regelmäßigen Austausch. Rund 60 Projektideen liegen vor. Das Netzwerk macht sich für die Bewerbung als HyExpert-Region im HyLand-Programm stark. 

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Ansprechpartner

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Kompetenzfeld: Zukunft gestalten
Schwerpunktthemen: Wasserstoffnetzwerk Lausitz
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Videobotschaft
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