Unternehmen weiterentwickeln und Nachfolgen sichern

Bernd H. Williams-Boock war 16 Jahre lang Geschäftsführer der Ortrander Eisenhütte
© Ortrander Eisenhütte
Bernd H. Williams-Boock war 16 Jahre lang Geschäftsführer der Ortrander Eisenhütte

Die Ortrander Eisenhütte GmbH kann mit ihren 280 Beschäftigten auf eine 134-jährige Geschichte zurückblicken. Während dieser Zeit hat sie sich durch den technischen Wandel im anlagenintensiven Gießereigeschäft einige Male neu erfunden. Viele Herausforderungen hatte das Unternehmen gut bewältigt, und doch rutschte es 2019 in eine Krise. Zum Glück mit gutem Ausgang, das Verfahren ist abgeschlossen, die Auftragsbücher sind gefüllt.

Der scheidende Geschäftsführer Bernd H. Williams-Boock, Hamburger Kaufmann, hat über 16 Jahre mit seinem Team den Wandel mitgetragen, viel technisches Neuland vorangetrieben und sich auch für die Wirtschaft in der Region stark engagiert. Als Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Oberspreewald-Lausitz wirkte er aktiv im Ehrenamt mit. Die größte Herausforderung der Region und der IHK sieht er im Entwickeln der vorhandenen Unternehmen und der Sicherung der Nachfolge. Im FORUM-Magazin gibt er einen Einblick in seine Zeit bei der Eisenhütte und als Ehrenamtler bei der IHK.

FORUM: Was hat sie ursprünglich dazu bewogen Unternehmer zu werden?

„Ich hatte schon immer Spaß am Gestalten, hatte Freude daran Visionen zu entwickeln und vor allem sie umzusetzen und natürlich am Machen und Erfolg. Als ich dann Unternehmer war, kam sehr bald hinzu: Menschen entwickeln, Menschen erreichen und Menschen mitnehmen. Und gerade das Thema Menschen entwickeln ist eine Sache, die besonders viel Spaß macht, wenn man Unternehmer ist.“

FORUM: Wie kamen Sie zur Ortrander Eisenhütte?

„Die Gesellschafter Alfred Rosai senior und Ulrich Brunner haben mich gefragt. Die Gesellschaft war damals 2004 in einer prekären Situation, wir haben offen darüber geredet, sind die Probleme angegangen und dann ist es im Team gelungen, die Hütte auf einen Erfolgskurs zu bringen.“

FORUM: Sie sind auch ehrenamtlich bei der IHK engagiert gewesen, wie und seit wann?

„Begonnen hat das Ganze eigentlich vor und während der Bankenkrise 2008/2009. Alle haben den Druck von außen gespürt und haben den Austausch gesucht. Und die IHK hat damals Plattformen dafür geboten. Und da hab ich mitgemacht. Dabei hat die IHK wohl entdeckt, dass ich ganz spannend bin, und hat mir dann Appetit gemacht, indem sie mich in die Vollversammlung eingeladen und versucht hat, mich zu integrieren. Damals gab es auch eine Bestrebung, die IHK Ostbrandenburg und die IHK Cottbus zu fusionieren. Es wurde ein Kooperationsausschuss berufen, der das koordinieren sollte. Ich war Mitglied und dort ist die heutige Regionalstruktur mit den IHK-Außenstellen entwickelt worden. Ich war einer der Väter und bin auch heute noch unverändert ein Protagonist für die Regionalstruktur.“

FORUM: Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit der IHK erlebt?

„Immer konstruktiv. Natürlich ist die IHK immer tätig im Spannungsfeld zwischen den großen politischen Entscheidungen und zwischen den regionalen Notwendigkeiten. Und es menschelt auch bei der IHK (lacht). Das heißt, wenn eine Idee einen Protagonisten findet, dann wird sie vorwärts getragen. Wenn das nicht der Fall ist, wird es schwierig. Und man muss dabei sehen, dass so eine Organisation natürlich ehrenamtlich getragen wird. Das heißt, die Menschen machen das freiwillig. Also müssen die auch ein bisschen dafür brennen. Und wenn das gelingt, dann ist das prima und in meinem Fall ist das gelungen.“

FORUM: Welchen Nutzen haben Sie aus Ihrem Engagement gezogen?

„Immer hervorragende lokale Kontakte und immer das Gefühl, mit seinen Problemen nicht alleine zu sein. Und das war toll.“

FORUM: Wie hat sich ihr Bild von der IHK vor und nach der Tätigkeit verändert?

„Vor der Tätigkeit war die IHK ein abstraktes Gebilde, was Beiträge kassiert und dann ist es eben sehr real geworden, dass man dort für andere und für sich selber was reißen kann. Und das ist toll.“

FORUM: Wo sehen Sie die größte Herausforderung für den Kreis und für den Süden Brandenburgs?

„Ich glaube, wir dürfen uns nicht verzetteln. Im Moment schieben alle die Milliarden hin und her und man jagt danach, von diesem Kuchen ein Stück abzubekommen. Ich glaube aber nicht, dass das die Aufgabe ist. Die Aufgabe muss sein, die vorhandene regionale Unternehmensbasis zu fördern und zu entwickeln. Und da gibt es sicherlich zwei Ebenen. Wie kann man Unternehmen wachsen lassen und wie kann man überhaupt sichern, dass Unternehmen da bleiben. Wir haben eine Struktur mit vielen kleinen Unternehmen und die Riege der Wenderitter geht langsam aber sicher in den wohlverdienten Ruhestand. Wir müssen Nachfolger für sie finden. Und das ist sicherlich für die IHK ein ganz, ganz wichtiges Feld, zu verhindern, dass Unternehmen schlicht und einfach verschwinden. Und das glaube ich, ist für die Region mit das Wichtigste - dafür zu sorgen, die vorhandenen Unternehmen zu entwickeln und die Nachfolge zu regeln.“

FORUM: Wie würden Sie Unternehmerinnen und Unternehmer dazu motivieren für die IHK tätig zu sein?

„Das schafft man eigentlich mit den wichtigen Themen, die wir z. B. im Regionalausschuss bearbeiten. Wir haben uns mit der Energiewende beschäftigt. Einmal mit den Stadtwerken, dann zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden der Envia, also regional und überregional. Wir haben uns damit auseinandergesetzt, wie eine neue Bundesstraße gebaut wird, lange bevor das mit der B169 richtig losging. Jemand vom Landesstraßenbauamt hat uns das erklärt und uns die Augen geöffnet. Beim Fachkräftethema haben wir uns zur Integration von Flüchtlingen ausgetauscht mit Vertretern vom Landkreis und der Agentur für Arbeit, lange bevor das eigentlich richtig prekär wurde. Jetzt Corona.“

Diese und weitere Themen mit den Unternehmerinnen und Unternehmern im Landkreis OSL und im gesamten Kammerbezirk anzupacken, sie auf die regionale Betroffenheit runterzubrechen, dafür brannte Bernd H. Williams-Boock als Geschäftsführer der Ortrander Eisenhütte und in seinem IHK-Ehrenamt im Regionalausschuss Oberspreewald-Lausitz. Erkenntnisse und Unternehmensforderungen aus seiner Tätigkeit an die Verantwortlichen heranzutragen war ihm wichtig – und das wird es immer auch bleiben.

Das ungekürzte Interview können Sie im FORUM-Magazin 4/2021 nachlesen.

In diesem Video von Seenluft24 wird ein weiterer Einblick in seine Arbeit gegeben

 

Ansprechpartner

Marcel Petermann
Manager Regionalcenter Oberspreewald-Lausitz
Kompetenzfelder: Mitglieder betreuen/Unternehmen begleiten
Schwerpunktthemen: Gesundheitswirtschaft, Apotheken
t: 0355 365 3200
f: 0355 36526 3200
marcel.petermann@cottbus.ihk.de
Yvonne Hennig
Kompetenzfeld: Zukunft gestalten
Schwerpunktthemen: Organisationsentwicklung, Gremienmanagement
t: 0355 365 1002
f: 0355 36526 1002
yvonne.hennig@cottbus.ihk.de