Die Personalsuche auf den Kopf stellen

wedooper in Cottbus
© IHK Cottbus
wedooper in Cottbus

Jan Grawunder (49) und Enrico Kitschun (32) waren beide mit ihren Personalvermittlungsagenturen selbstständig und arbeiten nun schon seit über zehn Jahren zusammen. Inzwischen sind sie Geschäftspartner und gründeten 2016 wedooper.com, ein Portal, bei dem es andersrum läuft. Denn hier bewerben sich die Unternehmen bei den Kandidaten – nicht umgekehrt.

Für beide war der Weg in die Selbstständigkeit damals sehr spannend. Die Arbeitslosenquote in Deutschland war noch sehr hoch und der Zeitpunkt für den Weg in die Selbstständigkeit für sie umso günstiger.

„Ich habe im Jahr 2009 in Jans Personalvermittlungsagentur als Franchisenehmer begonnen, habe mich qualifiziert, schulen lassen und meine eigenen Standorte aufgebaut. Der Aufbau und die Entwicklung verliefen so erfolgreich, dass wir 2014 Geschäftspartner der GS Company wurden und nun ,wedooper.com‘ ins Leben riefen“, so Enrico Kitschun.

Die Idee für wedooper.com schwirrte schon seit 2005 in Jan Grawunders Kopf herum. Es gab Millionen arbeitslose Menschen in Deutschland und auf der anderen Seite Unternehmer, welche dringend Personal suchten. Das Problem: Die Parteien fanden häufig nicht zueinander. Es musste eine unkomplizierte Lösung geschaffen werden, die den zeitaufwändigen Umweg über das Ausschreiben von Stellen auf unzähligen Jobbörsen überflüssig macht. So entstand die Idee zu der heutigen Plattform wedooper.com. Kandidaten registrieren sich und lassen sich, vereinfacht gesagt, von den Arbeitgebern finden. Die Umkehr des klassischen Bewerbungsprozesses hat eine Menge Vorteile und man bekommt keine Absagen mehr.

„Wir setzten schon früh auf Digitalisierung, arbeiten schon seit mehr als zehn Jahren ,remote‘ und vernetzten bereits 2009 unsere Standorte über VPN Tunnel. Heute ist es selbstverständlich, dass man auf den verschiedensten Plattformen wie Facebook, Xing oder LinkedIn unterwegs ist und seine Daten preisgibt. Als wir 2005 unser erstes Pilotprojekt eines Talentportals starteten, da hatten die Leute nicht mal eine E-Mail-Adresse. Wir führten Veranstaltungen mit sehr vielen Bewerbern durch und legten mit ihnen gemeinsam eigene E-Mail-Adressen an. So schafften wir erst einmal die Grundvoraussetzung für das Nutzen einer Onlineplattform für Kandidaten. Das war ein enorm hoher Aufwand, der in keinem Verhältnis stand. Eine weitere Hürde bestand damals im Upload von größeren Dateien und unterschiedlichsten Datei Typen, deshalb wurde das Projekt damals auch erst einmal auf Eis gelegt“, so Grawunder.

Heute sind diese Probleme schlichtweg nicht mehr existent und jeder im arbeitsfähigen Alter hat mindestens eine Mailadresse. Die Kommunikation in Online-Chats ist Stand der Technik und als Art der Kommunikation salonfähig geworden. Der Bedarf an Arbeitskräften ist in Deutschland ständig gestiegen, der Fachkräftemangel ist für einige Branchen bereits existenzbedrohend und war vor der Corona Krise eines der Dauerthemen in den Medien. Der Ablauf der Personalsuche sei angestaubt und überholt sagt Grawunder. Als Beispiel nennt er die Partnerbörsen. Noch vor einigen Jahren wurde eine An- nonce geschaltet, wenn man auf der Su che nach der großen Liebe war, dann vergingen Wochen oder Monate, manchmal auch Jahre bis zum Match. Heute verliebt sich alle elf Minuten ein Single in einen anderen. Wer seinen Marktwert testen will, der lässt sich fin den, der Suchende schreibt nicht aus, sondern sucht einfach im Netz oder per App.

Wandel im Personalmarkt aufgegriffen

Im Personalmarkt ist man noch nicht im Hier und Jetzt angekommen. Kandidaten werden nicht gefunden, sondern immer noch ge-sucht. Mit wedooper.com werden nun die Weichen gestellt. Kandidaten präsentieren sich auf wedooper.com und entscheiden dabei selber, ob erst einmal anonym oder gleich mit einem öffentlichen Profil. Personalvermittler haben mit wedooper.com die Möglichkeit, ihren Kandidatenpool weltweit online zu präsentieren, sowie gleichzeitig nach neuen Talenten zu suchen. Arbeitgeber recherchieren ganz einfach über gängige Filter nach passenden Kandidaten. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können direkt per Chat miteinander kom munizieren. Ist mal nicht gleich der richtige Kandidat dabei, kann man sich vom System per Mail und bald auch via App informieren lassen, sobald sich der passsende Kandidat re- gistriert. Das sind nur einige wichtige Vorteile von wedooper.com gegenüber den herkömm lichen Jobbörsen. Für Arbeitgeber und Kandidaten ist die Nutzung der Plattform kostenlos möglich.

Schnelligkeit wird großgeschrieben

Für Unternehmen, die wedooper.com nutzen, ist die Möglichkeit der schnellen Stellenbesetzung ein weiterer Vorteil. Kostenlos anmelden, suchen und finden, oder die Suche speichern und informieren lassen wenn sich ein neuer passender Kandidat auf wedooper.com registriert hat. Direkte Kontaktaufnahme und Terminvereinbarung: schnell, unkompliziert, ein- fach und DSVGO konform, so wie man es heutzutage erwarten kann.

Nächste Schritte

Für Grawunder und Kitschun ist die Mehrsprachigkeit sehr wichtig. Wedooper.com sei kein Portal, das nur den deutschsprachigen Markt bedient, sondern globale Arbeitsmärkte und die Personalwirtschaft vernetzt. „Die Märkte sind weltweit immer in Bewegung, daher gibt es Länder mit hoher Arbeitslosigkeit und auf der anderen Seite auch Regionen, in denen Unternehmen händeringend nach Personal suchen. Die Vernetzung wird dabei helfen, viele Probleme in Europa zu lösen, später aber auch weltweit. In der Wirtschaft funktioniert das Prinzip hervorragend, was wären beispielsweise unsere Automobilhersteller ohne die asiatischen Märkte? Im Ar beitsmarkt gibt es im Moment noch zu vie le Grenzen im Kopf. Wir denken, die gehören nicht mehr in die heutige Zeit.“

Netzwerken belebt

Auch Netzwerken gehört bei beiden Unternehmern zum täglichen Leben dazu. „Ohne Netzwerk wären wir nicht da, wo wir jetzt sind. Ich selbst bin bei den Wirtschaftsjunioren aktiv. Das ist ein Netzwerk von Un-ternehmern aus einer Region, welche sich gegenseitig unterstützen und mit Themen beschäftigen, die man optimieren und verbessern kann – zum Beispiel die Digitalisierung“, so Kitschun.

„Ich liebe das Netzwerken und bin regelmäßig zu Netzwerkveranstaltungen unter- wegs. Auf diesem Weg lerne ich immer wieder neue Unternehmer kennen. Nicht immer entsteht eine Geschäftsbeziehung, aber das darf man auch nicht erwarten“, erwidert Gra- wunder. „Der Vorteil des Netzwerkens liegt klar im intensiven Austausch und im Zusammenfließen der Gesellschaft und den Unternehmen einer Region. Getreu dem Motto: Gemeinsam sind wir stärker, gemeinsam können wir für die Region mehr erreichen.“

Zusammenarbeit mit der IHK

Kitschun spricht von einer guten Zusammenarbeit mit der IHK Cottbus. „Es ist eine Kehrtwende entstanden. Wir als Unternehmer fühlen uns gut beraten und betreut.“ In einigen Regionen sei es der Fall, dass die Un ternehmen ihren Beitrag zahlen, aber nichts weiter passiere. In verschiedenen Netzwerkveranstaltungen habe er erstmals verstanden, welche verschiedenen und breitgefächerten Themen die IHK bearbeite. Workshops und Seminare zum Beispiel – diese seien fast alle kostenfrei, das wisse nur kaum jemand. In Cottbus funktioniert die Kommunikation inzwischen sehr gut und die Infor- mationen werden in alle Kanäle gestreut. Grawunder: „Ich bin ja schon einige Jahre länger Mitglied der IHK. Von der Kommunikation her ging es mir ähnlich wie Enrico. Doch durch seine Arbeit bei den Wirtschaftsjunioren habe ich erst mitbekommen, was es für interessante Veranstaltungsreihen gibt und war total begeistert“. „Es sind immer die handelnden Personen, die Begeisterung verursachen. Da sollte sich die IHK noch ein we- nig moderner, jünger und offener gestalten. Aber sie ist dabei und man kann sehr gut erkennen, dass es vorangeht und zeitgemäßer wird“, gibt Kitschun mit auf den Weg.

Neugründern würden beide Unternehmer raten, einfach loszulegen.

„Wenn man wirklich möchte, erreicht man alles. Ich habe eine handwerkliche Ausbildung genossen, inzwischen bin ich Gesellschafter bzw. Geschäftsführer von drei Unternehmen und seit 2008 selbstständig. Vor zehn Jahren hätte ich nie damit gerechnet, dass ich heute da bin, wo ich jetzt stehe. Man muss an sich und seine Geschäftsidee glauben, sich vertrau- en und gemeinsam in eine Richtung schauen“, erzählt Kitschun.

Das sei auch der Grund, weshalb beide Unternehmercharaktere so gut miteinander harmonieren und so erfolgreich zusammenarbeiten.  

Ansprechpartner

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