Aktuelle Umfrage zu steigenden Strom- und Gaspreisen - Auswirkungen auf Unternehmen

Eine hohe Energiekostenabrechnung kann für Unternehmen problematisch werden.
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Eine hohe Energiekostenabrechnung kann für Unternehmen problematisch werden.

Auswertung der DIHK-Befragung zu Strom- und Gaspreisen im Februar 2022

Weiter hohe Belastung durch Strom- und Gaspreise

„Die explosionsartig gestiegenen Energiekosten haben katastrophale Auswirkungen auf den Standort Deutschland.“ - Zitat eines Großen Dienstleistungsunternehmen, IHK Darmstadt.

Viele Unternehmen machen sich große Sorgen hinsichtlich ihrer Energieversorgung. Gegenüber der ersten DIHK-Befragung vom Oktober 2021 ist die Risikoeinschätzung noch einmal gestiegen. Und es ist davon auszugehen, dass das derzeit hohe Preisniveau langfristig bestehen bleibt oder sogar weiter ansteigt. Deutschland bezieht 55 Prozent seines Erdgasbedarfs, 35 Prozent der Ölversorgung und die Hälfte der Steinkohle aus russischen Quellen. Andere Lieferländer werden bei einem Stopp der Lieferungen aus Russland oder einem Embargo diese Lücke beim Gas nicht schließen können. Bei den Erneuerbaren Energien fehlen Fachkräfte und Planungskapazitäten. Flüssigerdgas ist knapp und hochpreisig. An der Befragung vom 3. bis zum 27. Februar 2022 haben sich rund 2.000 Unternehmen aus 76 IHK-Bezirken beteiligt. Dies waren noch einmal erheblich mehr als bei der vorherigen Befragung. 

Zentrale Ergebnisse

Schon die Befragung im letzten Jahr zeigte, dass die Unternehmen mit erheblich höheren Energiekosten konfrontiert sind. Für fast zwei Drittel der Unternehmen sind die Stromkosten seit Herbst 2021 noch einmal signifikant gestiegen, in der Befragung vom Herbst waren knapp die Hälfte der Unternehmen betroffen. Für jetzt jeden vierten (Vorumfrage für jeden achten) Betrieb ist eine Verdopplung der Stromkosten innerhalb eines Jahres (Vorumfrage) bzw. jetzt noch einmal innerhalb weniger Monate, Realität. Nur noch elf Prozent der Befragten vermelden keine Preissteigerungen – in der letzten Befragung waren es noch gut 19 Prozent, die auf dem Vorjahresniveau beschaffen konnten. Und: Mehr als zwei Drittel der Unternehmen berichten jetzt, dass sie für die reine Strombeschaffung, also ohne Steuern, Abgaben und Netzentgelte, mehr als zehn Cent pro Kilowattstunde aufwenden müssen – bei der letzten Umfrage war dies erst ein Viertel der Unternehmen. Dazu kommen Steuern, Umlagen und Netzentgelte von bis zu 15 Cent pro Kilowattstunde.

Im Einzelnen: Strom

Strombeschaffungskosten steigen weiter

„Die steigenden Strompreise umzulegen ist das größte Problem, die Kunden sind durch die insgesamt steigenden Preise nicht bereit, eine weitere Preiserhöhung mitzutragen, somit gehen die steigenden Preise direkt vom Gewinn.“ Mittelgroßes Unternehmen der Kunststoffindustrie, IHK Dresden.

Umfrage Energiepreise Strom

 Mussten im letzten Herbst ein Viertel der Betriebe in der Spitze mehr als 10 ct/kWh für ihren Strom aufwenden, sind es im Februar fast zwei Drittel. 41 Prozent zahlten im letzten Monat bereits mehr als 15 ct/kWh. Knapp die Hälfte der Unternehmen hatte im Februar die Strombeschaffung für diese Jahr bereits überwiegend abgeschlossen, darunter vor allem größere Unternehmen. 40 Prozent dieser Unternehmen waren mit moderaten Preissteigerungen (bis 20 Prozent) konfrontiert, für 36 Prozent stiegen die Preise stark bis sehr stark an (um 50 bis über 100 Prozent). Bei denjenigen, die Anfang diesen Jahres noch fast Ihren gesamten Strom beschaffen mussten, waren sogar mehr als 60 Prozent mit hohen Preissteigerungen konfrontiert, darunter sind ebenfalls vermehrt kleinere Unternehmen vertreten.

Im Einzelnen: Gas

Beschaffungskosten für Gas bereits im Februar sehr stark gestiegen In der aktuellen Umfrage können noch acht Prozent der Unternehmen zu relativ günstigen Preisen von unter 2,5 Cent pro kWh Gas einkaufen - im letzten Jahr waren es noch ein Drittel der Unternehmen. Im Februar zahlten 80 Prozent der Unternehmen 4 Cent oder mehr, im vergangenen Oktober waren dies erst ein Drittel. Laut aktueller Umfrage zahlte nun fast jedes fünfte Unternehmen (17 Prozent) mehr als 10 Cent

Umfrage Energiepreise Gas

Für die Hälfte der Unternehmen ist die Gasbeschaffung für das Jahr 2022 bereits im Februar abgeschlossen. Damit haben sie auf die erheblichen Preissteigerungen am Ende des letzten Jahres reagiert. Im vergangenen Jahr hatten im Oktober erst zwei Drittel ihren Gasbedarf für 2021 gedeckt. Die Hälfte der Unternehmen muss also dieses Jahr noch erhebliche Mengen, ein Viertel sogar noch mehr als 70 Prozent ihres Gases für 2022 beschaffen. Diese Unternehmen sind damit den Risiken des anhaltenden Preisanstiegs stark ausgesetzt.

Für ein Viertel der Betriebe steigen die Gaskosten um 100 Prozent Für ein Viertel der Unternehmen hat sich der Preis für Gas seit Ende letzten Jahres mehr als verdoppelt. Im letzten Herbst waren erst 10 Prozent mit einem derartigen Anstieg konfrontiert. Ein Viertel der Unternehmen hat aufgrund bestehender Lieferverträge erst eine Steigerung der Beschaffungskosten von bis zu 20 Prozent zu bewältigen, ein weiteres Viertel „nur“ 8 zwischen 20 und 50 Prozent, 11 Prozent haben seit Oktober keine weitere Preiserhöhung beim Liefervertrag.

Fazit: Strom- und Gaspreisanstieg für drei Viertel der Betriebe ein Problem

Schon vor dem Krieg in der Ukraine, den folgenden Sanktionen und angekündigten Gegensanktionen von Russland stiegen die Strom- und Gaspreise und deutsche Unternehmen mussten auch aufgrund staatlicher Preisbestandteile wie der EEG-Umlage im internationalen Vergleich sehr hohe Strompreise bezahlen. Deutsche Mittelständler zahlen ungefähr doppelt so viel für Strom wie Wettbewerber in Frankreich. Beim Gas sorgt der nationale Emissionshandel bei Unternehmen, die nicht unter den europäischen Emissionshandel fallen, für Wettbewerbsnachteile auch bei diesem Energieträger - sowohl global als auch im europäischen Binnenmarkt.

Für viele Unternehmen sind die Auswirkungen der höheren Strom- und Gaspreise mittlerweile eine Überlebensfrage am Standort Deutschland. Dies zeigt die aktuelle Umfrage noch einmal deutlicher als die Umfrage aus dem vergangenen Herbst. Inzwischen sieht mehr als die Hälfte der Unternehmen (53 Prozent ggü. 46 Prozent in der Vorumfrage) die eigene Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland in Gefahr. Aber nicht nur das: Die wesentliche Alternative zum Verbrauch fossiler Energie, die Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen, stellen 30 Prozent der befragten Unternehmen aufgrund der hohen Strom- und Gasbeschaffungskosten nun zurück. Ebenso viele Unternehmen (31 Prozent) stellen Investitionen in ihren Kernprozessen zurück. Dies ist eine dramatische Situation.  

Umfrage Energiepreise Folgen

Hinweis: Diese Umfrage war abgeschlossen, bevor Russland die Ukraine angegriffen hat. Insofern spiegelt sie die Situation an den Märkten wider, bevor es noch einmal starke Preisanstiege gegeben hat. Sie zeigt, dass die Effekte unabhängig von der aktuellen Krise sind, sie durch einen höheren Kostensockel nur verstärkt werden.

Hier können Sie die  komplette Auswertung des DIHK herunterladen.

 Tipp: Nutzen Sie unseren Kostenrechner zur CO2-Abgabe unter www.cottbus.de/energiepreisrechner. Hiermit können Sie schnell und einfach die Veränderung der Kosten für Ihr Unternehmen berechnen.  

Im Vergleich zur aktuellen Umfrage, finden Sie hier die Ergebnisse der Umfrage zu Strom- und Gaspreisen aus dem November 2021. 

Ansprechpartner

Michael Rusch
Kompetenzfeld: Unternehmen begleiten
Schwerpunktthemen: Energie und Klimaschutz
t: 0355 365 1550
f: 0355 36526 1550
michael.rusch@cottbus.ihk.de
Dorit Köhler
Kompetenzfeld: Unternehmen begleiten
Schwerpunktthemen: Umwelt und Industrie, Nachhaltigkeit
t: 0355 365 1500
f: 0355 36526 1500
dorit.koehler@cottbus.ihk.de