Mit der S-Bahn bald bis nach Nauen?

Gemeinsame Verkehrskonferenz der IHKs in Brandenburg und Berlin: Infrastruktur in der Hauptstadtregion hält nicht Schritt mit der Entwicklung.


Potsdam, 25. April 2017 | Mit der Berliner S-Bahn vielleicht bis nach Nauen, anhaltend ungelöste Verkehrsverbindungen zum neuen Flughafen BER, Nadelöhre auf der B 2 bei Malchow sowie auf der B 158 in Ahrensfelde: Große Aufgaben und bekannte Verkehrsprobleme rund um die Bundeshauptstadt beeinflussen die Entwicklung einer ganzen Region. Deshalb trifft sich heute zum zweiten Mal die Wirtschaft unter dem Titel „Verkehrsprobleme gemeinsam lösen!“ mit Politik und Verwaltung aus dem Land Brandenburg und aus Berlin.
Mario Tobias, Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam: „Die Infrastruktur der Hauptstadtregion hält einfach nicht Schritt – weder beim Personen- noch beim Güterverkehr. Die Pendlerzahlen steigen stetig, auf den Straßen und Schienen sowie im öffentlichen Nahverkehr sind wir lange an den Grenzen und wollen doch eine derartig ausgebremste Entwicklung aus Sicht der regionalen Wirtschaft nicht zulassen. Hier hilft nur übergreifendes Denken und Handeln mit viel rascherer Planung und Umsetzung.“
Christian Wiesenhütter, Stv. Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin: „Wenn unsere Region nicht am Wachstum scheitern will, müssen wir wieder viel enger zusammenrücken und endlich die Knoten durchschlagen, über die seit Jahrzehnten gestritten wird. Unser Nachbar Polen macht uns inzwischen vor, wie man die Infrastruktur auf die Zukunft ausrichten kann." 
Die Industrie- und Handelskammern des Landes Brandenburg sowie Berlins stellen deshalb erneut die Herausforderungen des Verkehrs in der weiter wachsenden Hauptstadtregion ins Zentrum ihrer Veranstaltung. Rund 200 Teilnehmer, die sich über die zahlreichen Verkehrsengpässe in und rund um die Bundeshauptstadt austauschen wollen, werden dazu heute in der IHK Potsdam erwartet. Darunter sind auch Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider sowie Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther, Unternehmer und Kommunalvertreter.
Zahlen und Fakten:
Bevölkerung und Wirtschaft der Hauptstadtregion wachsen insbesondere seit fünf Jahren dynamisch: 2016: Berlin BIP + 2,7 %, Brandenburg + 1,7 % Bundesdurchschnitt + 1.9 %, Ende des Wachstums nicht abzusehen. Bevölkerung in den Kommunen im Berliner Umland ist in den vergangenen fünf Jahren zum Teil bis zu 20 % gewachsen.

Auch die Wirtschaft ist so stark gewachsen, dass lokal Gewerbeflächen knapp werden. In den Gewerbegebieten wurden tausende neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Passagierzahlen am Flughafen Schönefeld stiegen in den letzten 5 Jahren um 60 Prozent.

Die Verflechtung zwischen Berlin und Umland nimmt rasant zu. 2016: Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) mit höchstem Fahrgastzuwachs seit zehn Jahren + 3,5 %. 4 Mio. Menschen sind täglich mit dem VBB unterwegs. 

Pendler zwischen Berlin und Brandenburg haben in den vergangenen vier Jahren um 11 % (nach Brandenburg) bzw. um 7 % (nach Berlin) zugenommen - die Zahlen steigen weiter.

Unternehmen in Brandenburg und Berlin mit derzeitiger Situation unzufrieden, Ergebnis der IHK-Befragung 2017: 74 % der Unternehmen sind der Meinung, dass nicht genug für die Infrastruktur in Berlin und Brandenburg getan wird.