Volkskunst als Geschäftsidee - Schülerfirmen als erster Schritt in die Wirtschaft

Sich drehende Paare. Die Schülerfirmen vom Niedersorbischen Gymnasium pflegen schon seit Jahren die Traditionen ihrer Heimat.
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Sich drehende Paare. Die Schülerfirmen vom Niedersorbischen Gymnasium pflegen schon seit Jahren die Traditionen ihrer Heimat.

Schülerfirmen gibt es nicht erst seit gestern. Wie gut das Konzept funktioniert, beweisen ca. 1600 Schüler die in 130 Brandenburger Schülerfirmen Ideen entwickeln. Auch in Cottbus ist eine erfolgreiche Schülerfirma am Start.

„Die Geschäftsidee war eine Gruppenentscheidung“, sagt Anton Weineck, der die Schülerfirma Think Serbski leitet. „Wir sind vom Niedersorbischen Gymnasium und wollen mit unserer Schülerfirma die sorbischen Traditionen pflegen.“

Das sind Volkstänze, Blaudruck oder Ostereierfärben in Wachstechnik. Die Schüler haben Dekors und Technik ein bisschen angepasst und neue Produkte entwickelt, Haargummis, Federtaschen und Kissen zum Beispiel. Genäht wird selbst. Bereits ab der 7. Klasse können die Cottbuser Schüler traditionelle Techniken erlernen. Das erleichterte den Start für die Schülerfirma im September 2020. Zum Glück hatten sie da auch schon einen Onlineshop geplant, sie nutzen ein spezielles Verkaufsportal – nur für Schülerfirmen. Die handgefertigten Waren kommen bei den Käufern gut an, auch die Medien berichteten.

Schuelerfirma sorben

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Einnahmen für den Abiball

Am Niedersorbischen Gymnasium gibt es bereits seit vielen Jahren den Seminarkurs Schülerfirma, immer in der Klassenstufe 11. Die Geschäftsideen der Jugendlichen haben oft mit dem sorbischen Schulprofil zu tun, zum Beispiel gab es schon ein Schüler-Reisebüro für Spreewaldtouren oder ein Senioren-Tanzcafé mit Bewirtung und Tanzdarbietungen durch Schüler. Wie frühere Schülerfirmen auch, will „Think Serbski“ die Einnahmen aus dem Verkauf für ihren Abiball im Jahr 2022 einsetzen.

Verwaltungs-App als hilfreiches Tool

Über die IHK Potsdam wurde nun mit finanzieller Hilfe durch die Stiftung "Fachkräfte für Brandenburg" eine Management-App für Schülerfirmen entwickelt. Die App "mySchüfi" wird bereits von 77 Brandenburger Schülerfirmen erfolgreich genutzt und begleitet schon während der Gründung.

„Die App begleitet sie durch den gesamten Gründungsprozess. Die Firmen legen ihre Mitarbeiterdaten an, planen ihre Dienste, organisieren Veranstaltungen, führen die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, können Dokumente hinterlegen und ihren Warenbestand verwalten“, erklärt Ines Weinkauf, die das App-Projekt leitet.

Die Idee für die App entstand 2017. In einer Veranstaltung bei der IHK in Potsdam einigten sich Schülerfirmen auf die gewünschten Funktionen und erstellten ein Lastenheft für die Programmierung. Die Servicestelle Schülerfirmen arbeitete bei der Ideenentwicklung mit dem Netzwerk der Potsdamer IT-Firmen „Silicon Sanssouci“. Die Programmierung übernahm die webXells GmbH Potsdam. Finanziert wurde die App durch die Stiftung „Fachkräfte für Brandenburg“ der IHK Potsdam. Daneben sind das Land Brandenburg und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung Partner des Projekts.

Stiftungsreferentin Stefanie Schilling: „Die Schülerfirmen haben nun ein Tool, mit dem sie gern arbeiten und das sie voranbringt. Die App ist eine Entwicklung aus Brandenburg, die richtig gut läuft. Jetzt wollen wir bundesweit noch mehr Unterstützer gewinnen.“

Den gesamten FORUM-Artikel von Bolko Bouché mit weiteren Schülerfirmenlesen Sie im FORUM-Magazin 5/2021

 

 

 

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