IHK-Studie: Russland-Sanktionen kosten Deutschland 5,45 Milliarden Euro pro Jahr

Sanktionen führen zu Milliardenverlusten
Sanktionen führen zu Milliardenverlusten

Die bestehenden politischen Spannungen und Sanktionen zwischen Russland, der EU und den USA stellen die deutsch-russischen Geschäftsbeziehungen auf eine harte Belastungsprobe. Für alle Beteiligten gehen sie mit ökonomischen Kosten und jährlichen volkswirtschaftlichen Einbußen in Milliardenhöhe einher - insbesondere für Deutschland. Das ist das Ergebnis einer Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Düsseldorf unter Beteiligung der IHK Potsdam und IHK Cottbus sowie weiteren IHKs, die im Dezemeber 2020 veröffentlicht wurde. 

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  1. Die Sanktionen von 2014 haben sowohl die Importe aus als auch die Exporte nach Russland stark reduziert. Der Handel zwischen Deutschland und Russland ging in den Sektoren Landwirtschaft und Bergbau am stärksten zurück.

  2. Russland spielt als Handelspartner für Deutschland (ca. 2 % der Exporte gehen nach Russland) bzw. die EU (ebenfalls nur 2 % der EU-Exporte gehen nach Russland) keine gewichtige Rolle. Im Gegensatz dazu ist die EU (noch) der wichtigste Handelspartner für Russland. Deutschland wiederum gehört für Russland zu den Haupthandelspartnern und würde daher innerhalb der EU28 von einer Abschaffung der EU-, US- und Russland-Sanktionen am meisten profitieren.

  3. Seit Inkrafttreten der Sanktionen im Jahr 2014 verringern sich die Handelsanteile der EU in Russland. Für Deutschland ist kaum eine Veränderung sichtbar. Diese Entwicklung führte zu einer Verlagerung des russischen Exportgeschäftes nach China (Anstieg um fünf Prozentpunkte). Bei den russischen Importen zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Auch hier wird China für Russland als Handelspartner immer wichtiger.

  4. Die Abschaffung der EU-Russland-Sanktionen würde sowohl für die EU als auch für Russland zu einem merklichen Zugewinn führen. Das russische reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) würde um 1,2 Prozent steigen. Es betrug im Jahr 2019 circa 1.510 Milliarden Euro. Der Verlust liege allein für dieses eine Jahr bei mehr als 18 Milliarden Euro.  

  5. Im EU-Staaten-Vergleich würde Deutschland am meisten von der Abschaffung der Sanktionen profitieren. Der Zugewinn betrüge 0,156 Prozent vom BIP. Auf das Jahr 2019 bezogen wären dies ca. 5,4 Milliarden Euro. Das reale BIP der EU-Mitgliedsstaaten stiege um 0,12 Prozent.  

  6. Innerhalb Deutschlands würden vor allem die ostdeutschen Länder von der Abschaffung der Sanktionen profitieren, da dies zu einer wesentlichen Stärkung der Wirtschaftskraft führen würde. Das hätte Effekte für die Einkommen, die in Ostdeutschland zwischen 0,6 bis 1 Prozent und in Brandenburg zwischen 0,8 bis 1 Prozent steigen könnten. Das Abschaffen der Sanktionen könnte einen Beitrag zur Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Ost und West leisten.

Betroffenenheit der Unternehmen 

Neben der wissenschaftlichen Untersuchung wurde zusätzlich eine umfassende Befragung von Mitgliedsunternehmen beteiligter IHKs vorgenommen. 

  1. Die größte Zahl der Unternehmen (55 Prozent großer und 42 Prozent kleiner und mittlerer Unternehmen) gibt an, von der Aufhebung der EU-Sanktionen direkt zu profitieren, z. B. durch höhere Exporte nach Russland. Dabei würden Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes am meisten gewinnen.

  2. Im verarbeitenden Gewerbe sind vor allem Unternehmen der Bereiche Maschinenbau, Kraftfahrzeuge, Chemie und Elektrotechnik; im Dienstleistungsbereich ist es vor allem der Logistiksektor.

  3. Die EU-Sanktionen beeinträchtigen den Handel deutscher Unternehmen am stärksten, gefolgt von den US-Sanktionen. Die russischen Gegensanktionen haben dagegen kaum einen Einfluss.

  4. Die größte Hürde für die Unternehmen stellen die mit den Sanktionen verbundenen bürokratischen Aufwendungen dar. Dies trifft sowohl den Export als auch den Import in Form von zusätzlichen Formularanforderungen, Zertifikaten oder nachweisen. Hinzu kommen weitere Belastungen in Form von Kontrollen, Verboten und Finanzierungsproblemen.

Hintergrund zur Studie:

Die Studie wurde im Herbst 2020 vom ifo Institut (Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V.) im Auftrag der IHK Düsseldorf und dem Russland Kompetenzzentrum Düsseldorf erarbeitet. Beteiligt hatten sich auch die Deutsch-Russische Außenhandelskammer, die IHK Cottbus, IHK Potsdam, IHK Dresden, IHK Koblenz, IHK Magdeburg, IHK zu Rostock, IHK Region Stuttgart, die Südwestfälische IHK zu Hagen und die IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim. Die Studie befasst sich mit den Auswirkungen der Russland-Sanktionen auf den Außenhandel und die Wertschöpfung Deutschlands, Russlands und der EU. Eine Unternehmensbefragung ergänzte die Studie um qualitative Aspekte.

Ansprechpartner

Silke Schwabe
Managerin Kompetenzfeld: Unternehmen begleiten
t: 0355 365 1503
f: 0355 36526 1503
silke.schwabe@cottbus.ihk.de