In Krisenzeiten ist Risikoabsicherung besonders wichtig

Coronapandemie und Ukraine-Krise wirken sich im Wirtschaftsleben dramatisch aus. Neben unterbrochenen Lieferketten, Arbeitsausfällen wegen Quarantäne und Personalknappheit steigen die Rohstoff- und Energiepreise zum Teil dramatisch.

Damit steigt auch das Risiko, dass Forderungen gegen Geschäftspartner und Kunden ausfallen. Vorsorge für diese Situation ist nur begrenzt möglich. Dennoch ist es empfehlenswert, rechtzeitig die Weichen so zu stellen, dass das eigene Unternehmen nicht von Schwierigkeiten des Geschäftspartners in Mitleidenschaft gezogen wird. An dieser Stelle können nur allgemeine Hinweise gegeben werden. Lassen Sie sich dazu individuell beraten. Neben ihrem Steuerberater und Rechtsanwalt, kann auch Ihre IHK wichtige Hinweise geben. 

Information und Vorsorge

Der wichtigste Schritt ist, über den Geschäftspartner gut informiert zu sein und dessen finanzielle Situation zu kennen. Neben den üblichen Bonitätsauskünften über Creditreform, Bürgel oder der SCHUFA ist auch eine Bankauskunft sowie ein Handelsregisterauszug sinnvoll. Allerdings haben die Informationen all dieser Institute einen gewissen zeitlichen Nachlauf, so dass aktuelle Entwicklungen dort nicht abzulesen sind. Ein wichtiges Warnsignal ist es, wenn sich das Zahlungsverhalten des Geschäftspartners verändert. Dann sollten Sie sich direkt nach den Ursachen erkundigen.  Sichert der Geschäftsführer die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens ausdrücklich zu, insbesondere um Sie zum Abschluss weiterer Verträge zu überreden, kann sich hieraus auch dessen persönliche Haftung ergeben.

Absicherungsmöglichkeiten in der Vertragsgestaltung

Die beste Absicherung ist eine Vereinbarung die die Fälligkeit für den jeweiligen Leistungsaustausch fair verteilt. Kurzfristig nach Übersendung der Lieferung sollte auch die Rechnung gestellt und die Bezahlung erforderlichenfalls angemahnt werden. Bei der Verlängerung der Zahlungsziele sind die Eigentumsrechte der Lieferungen zu klären. Sie sollten einen Eigentumsvorbehalt oder einen verlängerten Eigentumsvorbehalt bis zur endgültigen Bezahlung vereinbaren. Dann bleibt die Ware bis zur vollständigen Bezahlung in Ihrem Eigentum. So können Sie die Herausgabe der Ware verlangen, um diese später erneut zu verkaufen zu können.

Wer Eigentum oder Besitz an Gegenständen des Schuldners hat, darf die Herausgabe dieser Gegenstände verlangen, ohne dass er an einem eventuell folgenden Insolvenzverfahren teilnehmen muss. Auch andere dingliche Rechte, die Besitz und Eigentum gewähren, ermöglichen es, die Herausgabe der Ware zu verlangen.  

Welche Option aus welchem einzelnen Sicherungsrecht folgt, ist sehr komplex und sollte Inhalt einer individuellen Beratung sein. Pauschal ist die Situation eines Gläubigers mit Eigentumsvorbehalt nahezu immer günstiger als ohne Eigentumsvorbehalt.

Bei komplexeren Werk- oder Dienstleistungen sollten klare Abschnitte vereinbart werden, nach deren Abnahme angemessene Teilbeträge fällig werden. Selbst wenn der Geschäftspartner später ein Insolvenzverfahren anmelden muss, verbessert sich die Verhandlungsposition des leistenden Unternehmens durch diese Vorgehensweise.

Im Geschäftsleben gilt der Grundsatz der Vertragsfreiheit ohne die Einschränkungen des Verbraucherschutzes. Daher sollten gerade Vermieter und Verpächter an gewerbliche Mieter oder Pächter die Möglichkeit der Kündigung im Fall der Insolvenz des Vertragspartners vereinbaren.

Mit der Lieferung gehen sie als Lieferanten in die finanziellen Vorleistungen und sind mit ihrer Liquidität vom Zahlungsverhalten des Kunden abhängig. Wird der Rechnungsbetrag nicht wie vereinbart oder überhaupt nicht gezahlt, wirkt sich das auf ihre Liquidität als Lieferant aus. Dieses Zahlungsrisiko können sie durch eine Warenkreditversicherung, auch bekannt als Kredit- oder Forderungsausfallversicherung, minimiert werden.

Der Kreditversicherer zahlt, wenn die Ware mangelfrei und zum vereinbarten Termin dem Kunden übergeben wurde und dieser die fällige Rechnung nicht bezahlt. Voraussetzung ist, dass die Versicherung vor der Entstehung der Forderung abgeschlossen worden ist, also bevor sie den Auftrag mit ihrem Kunden vereinbart haben. Wenn Sie die Versicherung abschließen wollen, wenn die Forderung bereits droht auszufallen, ist es zu spät. Darüber hinaus prüft der Kreditversicherer regelmäßig die Bonität ihrer Kunden.

Der bekannteste Kreditversicherer ist Euler Hermes, dieser firmiert seit dem 01.04.2022 unter Allianz Trade.

Wenn es schon kriselt

Das Ausbleiben von Zahlungen oder häufige Mahnläufe können Hinweise auf Zahlungsschwierigkeiten beim Geschäftspartner sein. In solchen Situationen werden Rechnungen häufig nicht mehr pünktlich gezahlt oder es wird um die Gewährung von Ratenzahlung oder um Stundung gebeten.

 Mit der Stundung des Rechnungsbetrages gewähren Sie Ihrem Kunden einen Betriebsmittelkredit, mit dem Sie dem Kunden den Kauf ihres Produktes finanzieren. Denken Sie an die zusätzliche Absicherung dieses Betriebsmittelkredites. Sie sollten in der Kalkulation die Dauer des Zahlungsaufschubes berücksichtigen und eine adäquate Verzinsung berücksichtigen. Orientieren Sie sich am Zinssatz für Ihren eigenen Betriebsmittelkredit oder den gesetzlichen Vorgaben. 

Eine Möglichkeit ist, dass der Kunde ihnen eine Zahlungsbürgschaft einer deutschen Bank übergibt. Hier sollte die Zahlung immer auf erste Anforderung vereinbart werden. Sollte der Kunde ihnen keine Zahlungsbürgschaft als Sicherheit übergeben können, besteht unter bestimmten Bedingungen die Möglichkeit, dass die Bürgschaftsbank des Landes Brandenburg ihren Betriebsmittelkredit absichert. Diese Bürgschaft muss ihr Kunde bei der Bürgschaftsbank beantragen.

Ebenso können Bürgschaften Dritter Forderungen zuverlässig absichern. Der Bürge haftet mit seinem gesamten privaten Vermögen für die Erfüllung der abgesicherten Forderung. 

 Wenn Ihnen der Geschäftsführer (oder später sogar der Insolvenzverwalter) persönlich zusichert, dass er die Bezahlung ihrer Lieferung garantiert, haftet er auch mit seinem persönlichen Vermögen für die Leistung.

Zur Bedingung für neue Lieferungen von Rohstoffen kann auch das Begleichen der alten Forderungen gemacht werden. Sollte später jedoch der Insolvenzverwalter nachweisen, dass die neue Lieferung nur unter dem Druck erfolgt ist, dass die alten Forderungen beglichen werden, kann eine solche Zahlung unter Umständen anfechtbar sein.

Bargeschäfte sind ebenfalls nicht durch Insolvenzanfechtung angreifbar. Das sind solche Geschäfte, bei denen gleichwertige Leistungen ausgetauscht werden und dieser Austausch unmittelbar erfolgt. Unmittelbar bedeutet in der Regel sofort, aber eine Zahlung 14 Tage nach Leistungserbringung wird noch als unmittelbar gewertet.

Gerade langfristige Geschäftspartner von insolventen Unternehmen wie Vermieter oder  Darlehensgeber werden aber dennoch häufig verpflichtet sein, bestimmte Leistungen weiterhin zu erbringen, obwohl die vereinbarte Vergütung nicht mehr erbracht werden kann. 

Hüten Sie sich vor dem Domino-Effekt

Kenntnis von Zahlungsunfähigkeit

Leider ist all das keine Garantie dafür, dass es nicht zu Forderungsausfällen kommen wird. Diese Hinweise sind lediglich eine Zusammenstellung von Maßnahmen, die dazu beitragen können, die Anzahl der Forderungsausfälle zu verringern und die daraus entstehenden Verluste gering zu halten.

Kurz zusammengefasst: 

vor der Krise  in der Krise nach der Krise 
Achten Sie auf Veränderungen bei Ihrem Geschäftspartner   Prüfen Sie Ratenzahlungsvereinbarungen  Achten Sie auf die Einhaltung getroffener Vereinbarungen
Vereinbaren Sie kurze Zahlungsfristen Vereinbaren Sie weitere Sicherheiten   
Vereinbaren Sie klare Teilvergütungen für Leistungsabschnitte    
Vereinbaren Sie dingliche Sicherungsrechte    
Prüfen Sie ob Sie, ob das Risiko versicherbar ist    

Diese Hinweise wurden mit größter Sorgfalt zusammengestellt, können aber nur eine Auswahl der Möglichkeiten darstellen und ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen.  

Insolvenzberatungen nach Vereinbarung

IHK-Mitgliedsunternehmen können sich nach Voranmeldung in einem individuellen Beratungsgespräch mit Frau Jana Frost, Juristin der IHK Cottbus, und Bernd Hahn, betriebswirtschaftlicher Berater der IHK Cottbus, neutral über die Möglichkeiten einer Sanierung ihres Unternehmens informieren.

Es ist erforderlich, sich bei Bernd Hahn telefonisch unter der Nummer 0355 365 3102 anzumelden und einen individuellen Termin zu vereinbaren.

Folgende Termine stehen für Insolvenzberatungen zur Verfügung:

  • 05. April 2022 - 13 bis 17 Uhr
  • 17. Mai 2022 - 13 bis 17 Uhr
  • 14. Juni 2022 - 13 bis 17 Uhr

Weitere Informationen rund um den Insolvenzantrag erhalten Sie in unserem Artikel www.cottbus.ihk.de/insolvenzantragspflicht und in dem Artikel zum Unternehmensstabilisierungs- und Restrukturierungsgesetz (StaRUG).

 

 

Ansprechpartner

Jana Frost
Kompetenzfelder: Recht sichern/Menschen unterstützen
Schwerpunktthemen: Justiziariat, Schlichtung/HR Desk
t: 0355 365 1603
f: 0355 36526 1603
m: 0151 18 26 42 00
jana.frost@cottbus.ihk.de
Bernd Hahn
Regionalcenter Dahme-Spreewald
Kompetenzfelder: Unternehmen begleiten/Mitglieder betreuen
Schwerpunktthema: Finanzierung
t: 0355 365 3102
f: 0355 36526 3102
bernd.hahn@cottbus.ihk.de