Mit einem blauem Auge davon gekommen

Boutique-Inhaberin Karin Spengemann
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Boutique-Inhaberin Karin Spengemann

Das "Modeversteck" in Königs Wusterhausen feierte kürzlich sein fünfjähriges Bestehen, das Geschäft selbst gibt es aber schon 20 Jahre. Inhaberin Karin Spengemann und ihre drei Mitarbeiter haben die Krise mit einem blauen Auge überstanden. Trotzdem hatte sie sich für die IHK-Beratungsinitiative "Fit for Restart" gemeldet. 

Wie schwerwiegend war der Shutdown für Ihr Modegeschäft?

"Die neue Frühjahrs- und Sommerware war gerade fast vollständig eingetroffen, wir hatten unsere Kundinnen zu fünf Modenschauen á 25-30 Teilnehmer eingeladen – alle Veranstaltungen waren ausgebucht. Wir konnten aber nur noch die erste durchführen, dann mussten wir schließen. Uns fehlen 60% der Vorjahresumsätze aus den Monaten März-April im Vergleich zum Vorjahr. Im Mai werden wir an das Vorjahr heran reichen, aber nicht aufholen können. Uns fehlt die Festsaison."

Haben Sie die Zeit kreativ überbrückt? 

"Um die Aufmerksamkeit zu erhalten – wir haben mit unserer Boutique Modeversteck eine schwierige Lage im 1. Stock – starteten wir am 22.3. mit der täglichen Veröffentlichung vom Look des Tages. Auf unserer Internetseite www.modeversteck.de, auf Facebook und Instagram. Seit dem Start haben wir über 70 Outfits an Schneiderpuppen vorgestellt, wir machen noch weiter. Es hält uns im Gespräch und hat in den ersten Tagen nach der Wiedereröffnung zu einem tollen Ansturm geführt. Manche Kundinnen beziehen sich ganz gezielt auf bestimmte Stücke, wir haben auf unserer Website täglich zwischen 200 und 300 Besucherinnen."

Wie sieht die Lage seit den Lockerungen und der Wiedereröffnung aus? 

"Nach dem ersten Ansturm wurde es deutlich ruhiger. Vielen Kundinnen fällt das Tragen der Atemmasken schwer, viele haben noch immer Angst, unter Leute zu gehen, viele sagen auch, dass sie im Augenblick einfach gar nichts brauchen." 

Welche Hilfen haben Sie in Anspruch genommen und wie ausreichend waren diese?

"Die Soforthilfe in Höhe von EUR 9000 kam nach gut drei Wochen, das war sehr hilfreich. Damit konnte ich die meisten der noch ausstehenden Rechnungen der Warenlieferungen begleichen und meine Mitarbeiter sowie die Miete bezahlen. Ich warte jetzt die weitere Entwicklung ab. Normalisieren sich die Zustände bald wieder, werde ich klar kommen. Es muss mir vor allem gelingen, ein Polster für die Herbstware anzusparen, denn die ist lange bestellt und trifft ab August ein."

Ist Ihr Mitwirken an dem Beratungsprojekt „Fit for Restart“ auch ein Versuch Ihre Existenz zu retten?

"So krass empfinde ich die Situation im Augenblick nicht. Ich denke eher daran, mit Hilfe eines Beraters so viel wie möglich zu retten, um mit einem blauen Auge aus diesem Geschäftsjahr heraus zu kommen." 

Was waren Ihre Erwartungen an die Expertenbegleitung und wie lief es?

"Ich hatte mit gewünscht, dass jemand Erfahrenes einmal auf meine Zahlen blickt und mir ein paar Tipps gibt, wo ich ansetzen kann. Insgesamt war es ein super Austausch für mich. In den nächsten Tagen erhalte ich noch schriftliche Auswertungen und Empfehlungen zu meinen Zahlen, ich hatte ihm einen ordentlichen Packen Tabellen und BWAs mitgegeben. Eine ganz tolle Aktion der IHK, herzlichen Dank dafür."

Wie blicken Sie in die Zukunft?

"Verhalten optimistisch. Die zurück liegenden Wochen haben beim Verbraucher für den Einkauf im stationären Einzelhandel sensibilisiert, den Blick für Themen wie Nachhaltigkeit geschärft. Hier dürften wir mit besonderen Qualitäten und Label gute Chancen haben. Wir verkaufen ausgewählte Stücke in verschiedenen Preislagen – keine Massenware."

Sie interessieren sich auch für unseren Innenstadtwettbewerb, warum? 

"Wir haben mit einigen Kollegen der Innenstadt eine tolle Aktion während der Corona-Wochen auf die Beine gestellt und sind stolz darauf. Damit können wir in den Wettbewerb treten. Und für das Preisgeld werden wir eine sinnvolle Verwendung haben."

Die Königs Wusterhausener Stadtgutscheine fanden großen Anklang. Haben diese den Händlern helfen können? 

"Der Trubel um die Gutscheinaktion selbst hat auf jeden Fall große Aufmerksamkeit für das Gewerbe in der Innenstadt erzeugt, konkret Geld fließt erst in die Kassen der knapp 30 teilnehmenden Geschäfte und Gastronomen, wenn die beschenkten Einwohner zum Einlösen in die Stadt kommen und sich aussuchen, wo sie ihren „Schatz“ einsetzen wollen. Mit über 700 Gutscheinen innerhalb von vier Wochen dürfte es bald spürbar werden. Und jeder eingelöste Gutschein in Höhe von EUR 10,00 bringt dann dem Geschäftsinhaber EUR 10,00 in bar ein. Unsere Hoffnung besteht vor allem darin, neue Kunden anzuziehen, die bisher woanders eingekauft haben. Oder gar nicht wussten, was es in der Innenstadt alles gibt."

Ansprechpartner

Kompetenzfeld: Unternehmen begleiten
Schwerpunktthema: Handel
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