Entlastung, Förderung, Investitionen – Der Dreiklang für den wirtschaftlichen Neustart

v.l.n.r.: Jan Eder, Mario Tobias, Knuth Thiel, Marcus Tolle
© IHK Potsdam
v.l.n.r.: Jan Eder, Mario Tobias, Knuth Thiel, Marcus Tolle

19.06.2020 | Die Corona-Krise hat in Berlin und Brandenburg historisch beispiellose wirtschaftliche Einbrüche ausgelöst. Nahezu alle Firmen waren vom pandemiebedingten Lockdown betroffen – mit in großen Teilen verheerenden Auswirkungen auf Umsatz, Beschäftigung und Investitionsplanungen. Noch immer befinden sich zahlreiche Unternehmen unter den aktuellen Bedingungen im Ausnahmezustand. Mit der Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen hat ein langer Prozess der wirtschaftlichen Erholung gerade erst begonnen, der durch kluge und effektive konjunkturpolitische Maßnahmen unterstützt werden muss. In enger Abstimmung mit dem Ehrenamt schlagen die IHKs beider Bundesländer eine Reihe von konjunkturbelebenden Maßnahmen vor, die zunächst kurz- bis mittelfristig diesen Erholungsprozess beschleunigen können.

Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin: „Die Hauptstadtregion besitzt mit ihrer Innovationskraft und ihrem unternehmerischen Engagement wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche und zügige Erholung. Das beweist die herausragende Entwicklung, die die Berliner und Brandenburger Unternehmen in den vergangenen Jahren maßgeblich ermöglicht haben. Die Grundsubstanz dieses Erfolgs ist weiterhin vorhanden, aber der Neustart wird kein Selbstläufer. Jetzt ist ein kluger Dreiklang aus Entlastung, Förderung und Investition notwendig. Die Firmen brauchen kurzfristige Entlastungen in einer sehr angespannten finanziellen Situation. Sie müssen sich außerdem insbesondere mit Blick auf den Einsatz digitaler und klimaschonender Technologien auf gute Förderinstrumente verlassen können. Zudem können öffentliche Investitionen, verbunden mit einem unbürokratischen Vergaberecht, wichtige Wachstumsimpulse für die regionale Wirtschaft auslösen.“

Mario Tobias, Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam: „Braucht es wirklich erst ein die ganze Welt bedrohendes Virus, damit jeder begreift, dass wir jetzt richtig Gas geben müssen bei der Digitalisierung, um die versäumten Jahre aufzuholen? Schnelles Internet und zukunftsweisende Hard- und Software in Schulen und Verwaltungen sind kein Luxus oder Spielerei – sie müssen zur Daseinsvorsorge unserer Gesellschaft gehören. Gleiches gilt für eine zeitgemäße Ausstattung mit Glasfasernetzen für Gewerbestandorte und Wohngebiete. Leider hat Deutschland die fetten Jahre mit sprudelnden Steuereinnahmen verschlafen, um unser Land fit für die Zukunft zu machen. Umso weniger reichen jetzt wohlklingenden Absichtserklärungen – wir brauchen die Ausrüstung und das entsprechende Know-how in den Köpfen. Und es muss der Wirtschaft erlaubt sein, ihre Selbstheilungskräfte freisetzen zu können. Unsere Unternehmerinnen und Unternehmer sind mutig und fleißig, aber man muss sie auch lassen. Deshalb müssen liberalisierte Öffnungszeiten im Einzelhandel oder auch kluge und flexible Hygienekonzepte in Tourismus und Gastronomie zugelassen werden. Das Schwungrad anschließend wieder dauerhaft in Gang zu halten, dabei helfen dann klug und unbürokratisch auf unsere klein- und mittelständischen Unternehmen zugeschnittenen Fördermaßnahmen der EU, von Bund und Ländern.“ 

Knuth Thiel, Geschäftsbereichsleiter Wirtschaft der IHK Ostbrandenburg: „Unsere Infrastruktur ist anfällig. Das zeigt uns die Pandemie besonders hier in der Metropolregion. Die Grenzschließungen zum Nachbar Polen führten zu kilometerlangen Staus und gefährlichen Situationen. Deshalb muss ein wesentlicher Teil des Konjunkturprogramms die öffentlichen Investitionen in die Verkehrswege sein. Geplante und schon begonnene Baumaßnahmen sind zu beschleunigen. Solche Investitionen stützen unmittelbar die regionale Wirtschaft, machen den Standort attraktiver und sorgen so auch für neue Ansiedlungen. Bei den Investitionen muss die Politik stets im Blick haben, dass die Zukunft der Metropolregion im nachhaltigen Wachstum bei nachhaltigem Wirtschaften liegt. Wärme- und Mobilitätswende, Wasserstoffstrategie und Klimaneutralität, aber auch Bürokratie- und Kostenentlastung sind die Eckpunkte, die bei politischen Entscheidungen berücksichtigt werden müssen.“

Marcus Tolle, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus: „Die Unternehmen brauchen jetzt Zuversicht, die durch schnelle Liquiditäts- und wirksame Konjunkturhilfen geschaffen werden kann. Mittelfristig wäre eine Umwandlung von Hilfskrediten in Zuschüsse und damit in Eigenkapital für kleine und mittlere Unternehmen wichtig, um eine Pleitewelle und einen Investitionsabriss zu verhindern. Zudem braucht es zukünftig eine intensivere Zusammenarbeit beider Länder, um die Hauptstadtregion mit ihren Produkten und Dienstleistungen zu stärken und weltweit bekannter zu machen. Mit der Eröffnung des Flughafens BER hat die Region diese Chance und mittelfristig natürlich auf wichtige Wachstumsimpulse auch entlang der Achse Berlin-Cottbus für mehr Wertschöpfung in Richtung Süden. Entsprechend sollte die Umfeldentwicklung trotz korrigierter Prognosen für die nächsten Jahre in den Entwicklungen weiter vorbereitet, vorangetrieben und an die künftig steigenden Bedarfe angepasst werden.“

Bommert Redmann CDU
Das gemeinsame Impulspapier der Berlin-Brandenburger IHKs wird nun auch an die Politik verteilt. Nach der PK erreichte es gleich die MdL Frank Bommert und Jan Redmann von der CDU Brandenburg.

  Impulspapier Konjunkturhilfen Berlin-Brandenburg (PDF)

Ansprechpartner

Janine Mahler
Kompetenzfeld: Zukunft gestalten
Schwerpunktthema: Kommunikation
t: 0355 365 2403
f: 0355 36526 2403
janine.mahler@cottbus.ihk.de