IHK-Umfrage: Silberstreif am Horizont - konjunkturelle Talsohle scheint durchschritten

Geschäftsbesitzer
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Brandenburgische Wirtschaft zeigt sich widerstands- und wandlungsfähig

09.07.2020 | Die konjunkturelle Stimmung im Land Brandenburg hellt sich wieder leicht auf. Brandenburgs Unternehmen sehen Chancen für eine baldige Konjunkturbelebung. Das ist das Ergebnis der aktuellen gemeinsamen Unternehmensbefragung der drei brandenburgischen Industrie- und Handelskammern Cottbus, Ostbrandenburg und Potsdam, an der insgesamt über 550 Unternehmen teilnahmen. 

Nachdem bei der vorigen Umfrage im März auf dem Höhepunkt der Corona-Einschränkungen vor allem die unklare weitere Entwicklung der Pandemie die Unternehmen belastete, wird die derzeitige Lage inzwischen wieder von mehr als einem Drittel der Gesamtwirtschaft als gut bewertet. Der Saldo aus positiven und negativen Rückmeldungen zur aktuellen Geschäftslage liegt nun bei 13,2 Punkten, nachdem er im Frühjahr mit -16,6 Punkten einen historisch schlechten Wert erreicht hatte.

Einen noch deutlicheren Anstieg gibt es bei den Geschäftserwartungen. Dem ebenfalls historischen Einbruch auf -60,4 Punkte im Frühjahr folgte nun ein entgegengesetzter Sprung um über 50 Punkte auf -9,3 Punkte. Somit liegt der Indikator zwar noch im negativen Bereich, jedoch auf einem Niveau, das es auch schon in vorherigen Abschwungphasen gab.

Mario Tobias, Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam, sagt: „Volkswirte reden hier von einer konjunkturellen V-Kurve, denn der sich aus der aktuellen Geschäftslage und den Geschäftserwartungen ergebende Konjunkturklimaindex in Brandenburg deutet auf einen solchen Verlauf. Demnach folgt dem harten Einbruch im Frühsommer nun ein etwa gleichgerichteter Anstieg. Dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die deutsche Wirtschaft in der größten Rezession seit dem zweiten Weltkrieg befindet.“ Das werde nicht spurlos an Brandenburg vorbeigehen, auch wenn die Umfrageergebnisse darauf hindeuten, dass die brandenburgische Wirtschaft weniger betroffen zu sein scheint als im Bundesschnitt. Brandenburgs stärkere Binnenmarktorientierung, die in Aufschwungphasen für höhere Wachstumsraten hinderlich ist, könnte sich - wie schon in der Finanzkrise 2009 - als Vorteil erweisen. 

Mit Blick auf die einzelnen Branchen ergibt sich ein differenziertes Bild. In der Industrie, im Handel, bei den Dienstleistern und insbesondere im Baugewerbe wird die aktuelle Lage überwiegend wieder als gut oder zumindest befriedigend beschrieben. Dahingegen ist die Situation im Gast- und Reisegewerbe nach wie vor sehr prekär. Allerdings zeigen sich auch im Tourismus Hoffnungsschimmer am Horizont. Im Gegensatz zu den anderen Branchen fällt der Ausblick auf die Geschäftserwartungen der kommenden Monate dort besser aus als der Saldo der aktuellen Geschäftslage. Die Aussicht, dass mit weiteren Lockerungen das Tourismusgeschäft im In- wie Ausland bald wieder zu einer gewissen Normalität zurückkommt, scheint zu wirken. „Auch beim Personal ist Bewegung“, sagt Mario Tobias. „Zwar rechnet noch ein Fünftel der Unternehmen mit Entlassungen – zehn Prozent allerdings will schon wieder Leute einstellen. Knapp zwei Drittel planen mit einer gleichbleibenden Belegschaft.“ 

„Die Umfrage beweist daneben auch die hohe Flexibilität der brandenburgischen Unternehmerinnen und Unternehmer“, erklärt Maik Bethke, stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus: „Jedes fünfte Unternehmen treibt die Digitalisierung verstärkt voran oder versucht neue Kunden im Inland zu gewinnen. Viele Betriebe aus dem stationären Handel bauen beispielsweise ein zweites Standbein im E-Commerce auf, um sich krisensicher aufzustellen. Zahlreiche Unternehmen haben auch ihre Produktpaletten umgestellt oder erweitert: Vom Messe- zum Möbelbau oder von der industriellen Produktion zur Herstellung medizinischer Ausrüstung. Gastronomen erweitern ihre Freiluftangebote, um den Verlust von Plätzen durch die Eindämmungsverordnung zu kompensieren. Es sind kleine Schritte, die nur bedingt die Verluste ausgleichen. Sie zeigen aber, dass Unternehmen in Brandenburg mit Kreativität und strategischem Weitblick der Krise entgegenwirken.“

Auch Überbrückungshilfen können erheblich zur Erholung der Brandenburger Wirtschaft beitragen - wenn sie schnell und unbürokratisch ausgereicht werden.

„Besonders für angeschlagene Unternehmen in schwer betroffenen Branchen, wie dem Gast- und Reisegewerbe sowie der Kunst- und Unterhaltungsbranche, ist Unterstützung überlebenswichtig“, sagt Gundolf Schülke, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostbrandenburg. „Noch immer befindet sich etwas mehr als ein Fünftel aller Betriebe in einer so schwierigen Lage, dass sie solche Hilfen in Anspruch nehmen wollen. Insofern geht das neue Bundesprogramm in die richtige Richtung. Doch viele Unternehmer sind sich unsicher, ob sie überhaupt anspruchsberechtigt sind. Der oft unbekannte Ablauf der Antragstellung hat den betroffenen Betrieben wertvolle Zeit gekostet. Hier wünschen wir uns eine klare Kommunikation des Wirtschaftsministeriums und der Investitionsbank des Landes Brandenburg.“

Die IHKs in Berlin-Brandenburg haben mit ihrem Ende Juni vorgestellten Impulspapier „Wege aus der Krise“ umfangreiche Hinweise und Vorschläge zur Konjunkturbelebung beigesteuert. Vieles davon kann auch auf Landes- oder gar kommunaler Ebene in Angriff genommen werden, damit die brandenburgische Wirtschaft langfristig gestärkt aus der aktuellen Krise hervorgeht.

Positionspapier „Wege aus der Krise – Konjunktur anschieben für die Wirtschaft der Metropolregion“ – Ein Impulspapier der Industrie- und Handelskammern in Berlin und Brandenburg

www.cottbus.ihk.de/neustart2020

http://ihk-obb.de/neustart2020

www.ihk-potsdam.de/neustart2020

 

 

Indikatoren Geschäftserwartung

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Umgang Corona

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