"Wer nicht wagt, der nicht gewinnt"

Anne Freudenberg setzt auf Lebensmittel ohne Verpackung.
© IHK Cottbus
Anne Freudenberg setzt auf Lebensmittel ohne Verpackung.

Nach ihrem Abitur hatte Anne Freudenberg eigentlich vor zu studieren, wusste aber nicht genau was.

„Ich interessiere mich für so viele Dinge und hatte auch sehr viele Minijobs. Aber es war irgendwie nie etwas dabei, was ich mir für die Zukunft hätte vorstellen können. Ich konnte mich einfach nicht entscheiden und beließ es dann erstmal dabei, wollte aber unbedingt in der Region bleiben“, erzählt sie.

Ihr Freund sei selbstständig und sie sah immer mehr Vorteile, die eine Selbstständigkeit mit sich bringen würde. Bei einer Autofahrt kam ihr der Gedanke, den Schritt zu wagen und ihren Laden zu eröffnen.

„Ob ich das dann mein Leben lang mache, weiß ich natürlich nicht. Ich kann das Geschäft noch in viele Richtungen ausbauen. Das ist eben ein Laden, der sich ständig weiterentwickeln kann“, so Anne Freudenberg. „Studieren kann ich immer noch, manche sind schon 30 und befinden sich noch im Studium. Ich bin jung und sicherlich ist es eine Herausforderung, sich so jung selbstständig zu machen, aber ich hatte wirklich Lust dazu“. Als typische Geschäftsfrau sehe sie sich nicht, sie lebe ihre Idee und mache ihren Job. „Mir macht es unheimlich Spaß und ich habe wirklich sehr viel zu tun“, so Anne Freudenberg stolz.

Jeder sollte einen Beitrag leisten

Das Hauptaugenmerk liegt besonders auf den Lebensmitteln, die ohne jegliche Plastikverpackung auskommen, wie Obst, Gemüse, Milchprodukte, Nudeln, Feinkost und vieles mehr.

„Es ist erschreckend, wo überall Plastik enthalten ist. Das muss sich unbedingt ändern. Hier kann jeder die Natur unterstützen und seinen Beitrag dazu leisten“, mahnt Anne Freudenberg.

In ihrem Laden können die Kunden ihre Lebensmittel und Waren mit eigenen Behältern oder Gläsern und Beuteln kaufen. Auch die Kunden, die keine eigenen Behälter dabei haben, können sich gegen ein Pfand ein Gefäß befüllen und mitnehmen.

„Für die Kunden ist auch das Einkaufsgefühl ein anderes als im Supermarkt. Bei mir kaufen die Kunden nur, was sie wirklich brauchen. Wir vermeiden nicht nur Verpackungsmüll, sondern verringern auch Lebensmittelverschwendung“, sagt Anne Freudenberg stolz.

Sie hat viele Ideen und lässt sich über verschiedene Social-Media-Kanäle inspirieren. Eine Webseite wird momentan noch aufgebaut. Sie erstellte selbst Flyer, die ihre Oma persönlich in der Gegend verteilte. Leider fehlen ihr momentan noch die finanziellen Mittel, all ihre Träume umzusetzen. Sie brauche noch Geduld, wisse sie selbst, bis sie ihr Sortiment erweitern könne und kaufe bisher nur nach Kundeninteresse ein. Anfangs startete sie eine umfassende Marktanalyse, bei der sich über 1000 Menschen beteiligten und ihre Geschäftsidee mit Begeisterung aufnahmen.

Anne Freudenberg legt sehr viel Wert auf frische Lebensmittel, fertige Produkte kämen ihr nicht auf den Tisch.

„Mir ist es wirklich sehr wichtig, qualitativ hochwertige Lebensmittel zu kaufen und auch zu verarbeiten. Dashabe ich schon durch meine Eltern und Großeltern erfahren. Und es sollte unbedingt mit Menschen und auch der Natur zu tun haben, ich wollte etwas Nachhaltiges machen, das war mir sehr wichtig. So entwickelte sich die Idee immer weiter und die Geschäftsidee war geboren.“

In prominenter Lage am Finsterwalde Markt lag ihr erster „Unverpackt-Laden“, der erste in der Lausitz und auch im Elbe-Elster-Land. Inzwischen zog sie Anfang Juni mit ihrem Laden in die Berliner Straße in Finsterwalde, nur wenige Schritte weiter. Das war nötig, weil die Räume des alten Ladens zu verwinkelt gewesen seien und sie durch die ständige Warenerweiterung einfach mehr Platz benötigte. So gibt es jetzt eine Eistheke mit selbstgemachtem Speiseeis des Altdöberner Cafés Schauwerk, von dort bezieht sie auch Brot und Kuchen. Außerdem gibt es eine „Coffee-to-go-Ecke“ mit so genannten Recup-Bechern, die über ein Pfandsystem funktionieren und wieder verwendet werden können.

Sortiment wächst ständig weiter

Anne Freudenbergs Sortiment wächst ständig weiter. Angefangen hat sie mit Produkten wie Grundlebensmitteln, Molkereiprodukte, Wein, Nudeln, Reis und Käse. Schon nach kurzer Zeit kamen Produkte der Fleischerei Weiland aus Doberlug-Kirchhain dazu, ihre Äpfel bezieht sie vom Obsthof Hentschel aus Zeckerin, frisches Gemüse bekommt sie vom Demeter-Bauernhof in Wernsheim bei Doberlug-Kirchhain und Kaffee von der Kaffeerösterei Loos in Elsterwerda. Sie bietet außerdem verschiedene Süßigkeiten, Chiasamen, Linsen, Aufstriche, Essig und Öle an. Auch Kosmetik verkauft sie – auch diese kommt ganz ohne Kunstoffverpackung aus. Langfristig möchte Anne Freudenberg mit immer mehr kleineren, regionalen Anbietern zusammenarbeiten und ihnen eine Plattform bieten. In Finsterwalde trifft die junge Frau von Anfang an auf große Zustimmung.

„Ich freue mich, wenn ich positives Feedback bekomme und zum Beispiel eine Oma immer wieder meinen selbst hergestellten Möhrenaufstrich kaufen möchte. Aber auch von Unternehmen erhalte ich nur positive Rückmeldungen und werde in meiner Arbeit unterstützt“, erzählt Anne Freudenberg stolz.

Bewunderung für mutigen Schritt

Auch wenn viele Menschen in ihrer Umgebung zunächst skeptisch waren, blieb Anne Freudenberg sich treu und hielt an ihrem Ziel fest.

„Mit 18 Jahren den Schritt zu wagen, fanden viele schon sehr mutig. Durch meine Anstellungen in verschiedenen Minijobs konnte ich aber viele Erfahrungen sammeln und habe im letzten Jahr an allen erdenklichen Unternehmerworkshops des Gründungszentrums Zukunft Lausitz teilgenommen. Und wenn ich Fragen habe, kann ich mich jederzeit an meine Freunde und meine Familie wenden, die voll und ganz hinter mir stehen“, sagt sie stolz. „Der Weg in die Selbstständigkeit verlief fast reibungslos. Mit dem Gesundheitsamt, dem Gewerbeamt und auch der Vorbesitzerin des Ladens lief alles ohne Probleme. Bei der Ausstattung des Ladens unterstützten mich mein Partner und mein Vater. Das Sortiment habe ich selbst zusammengestellt, meine Mutter kümmert sich gern um Deko und meine Oma holt die Produkte von verschiedenen Orten ab. So hat irgendwie jeder die Finger mit im Spiel“, lacht die junge Geschäftsfrau. „Meine Familie war anfangs sehr kritisch, als ich mich mit 18 Jahren selbstständig machen wollte. Keiner hat es zu Beginn verstanden und es dauerte eine ganze Weile, bis sie überzeugt waren. Ich bin heute sehr stolz darauf, dass sie es akzeptiert und mich trotz aller Zweifel von Anfang an unterstützt haben“, sagt Anne Freudenberg stolz.

Weitere Ideen für die Zukunft

Für die Zukunft plant Anne Freudenberg nicht nur, ihr Sortiment zu erweitern.

„Über weitere Standorte mache ich mir auch Gedanken. Aber erst einmal muss es hier in Finsterwalde funktionieren. Da braucht man auch ein gewisses Feeling für die Produkte, die gut angenommen werden. So eine Unverpackt-Kette Lausitz wäre schon ganz cool. Auch ein Café würde ich gern betreiben oder einen Lieferservice anbieten“, träumt die Unternehmerin.

Sie möchte sich einfach treu bleiben, ihre Ideen verwirklichen und sich von anderen Anbietern abheben. Zukünftig sei auch ein Ausstellungsraum in ihrem Geschäft geplant. Dort sollen verschiedene nachhaltige Firmen ihre Produkte vorstellen können. Auch Workshops und Vorträge zum Thema Nachhaltigkeit sind geplant. Neuen und vor allem jungen Gründern würde Anne Freudenberg gern mit auf den Weg geben, es einfach zu wagen.

„Ich habe das bei mir selber gemerkt: Wenn man wochenlang spekuliert, traut man sich irgendwann gar nicht mehr. Welche Zahlen letztendlich rauskommen, muss man selbst herausfinden, das weiß vorher niemand. Da kann man vorher planen wie man möchte. Wenn man der Meinung ist, dass das genau das ist, was man machen möchte, dann sollte man es einfach tun! Den Traum vom großen Geld sollte man mit einer Selbstständigkeit aber nicht als Hauptziel haben. Viel wichtiger ist das Herzblut, was man hineinsteckt“, empfiehlt die junge Unternehmerin.

Den kompletten Artikel lesen Sie im aktuellen FORUM-Magazin 7-8/2022

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