„Toxische Problemlage gefährdet die deutsche Wirtschaft“ - Entlastung dringend notwendig

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© IHK Cottbus
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Jens Warnken, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus, nimmt Stellung zur heute von der Vollversammlung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) verabschiedeten „Resolution zur Energiekrise“: „Die derzeit toxische Problemlage gefährdet die deutsche Wirtschaft existenziell und macht es erforderlich, ohne zeitlichen Verzug und unbürokratisch die genannten Forderungen nach Unterstützung umzusetzen. Vielen Unternehmen läuft die Zeit davon, ihre Liquidität nimmt rasant ab. Jeder Tag zählt, um einer drohenden Insolvenzwelle und der Deindustrialisierung entgegenzutreten.“

Die bisherigen Bemühungen der Bundesregierung und auch der Landesregierung um Lösungen erkennt die Südbrandenburger Wirtschaft an. Sie reichen jedoch nicht aus. Um die Energieversorgung abzusichern, müssen schnellstmöglich alle Erzeugungskapazitäten reaktiviert und ans Netz gebracht werden. Nur so kann weiterer wirtschaftlicher Schaden abgewendet werden.

Warnken weiter: „Wenn zum Beispiel Betreiber von Gewächshäusern Standorte dicht machen müssen, weil ihre Stromkosten von 200.000 Euro auf zwei Millionen Euro pro Jahr angestiegen sind, gefährdet diese Entwicklung auch die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln. Umfangreiche Entlastungen für Unternehmen sind dringend erforderlich.“

Beispielsweise lässt die angekündigte Ausweitung des Energiekostendämpfungsprogramms auf den Mittelstand und alle Branchen weiter auf sich warten. Eine Senkung der Strom- und Energiesteuer auf Gas auf europäische Mindestsätze oder ein komplettes Aussetzen der nationalen CO2-Abgabe würden weiterhelfen. Die beabsichtigte Lenkungswirkung hin zu CO2-ärmeren Energieträgern ist durch die stetig steigenden Energiepreise schon längst nicht mehr gegeben.

Warnken betont: „Höhere Kosten können die meisten Industrieunternehmen in diesem Jahr teilweise noch weitereichen. Für 2023 sieht das bei der überwiegenden Zahl unserer Mitgliedsbetriebe vollkommen anders aus.“ 

Gastronomie und Handel können gestiegene Preise hingegen nur bedingt weitergeben. Auch erste Insolvenzen im Kammerbezirk treten infolge der Kostensteigerungen und vielschichtigen Problemlagen bereits zu Tage. Dazu gehört, dass Unternehmen vermehrt keine neuen Vertragsangebote für Strom bzw. Gas erhalten. Eine garantierte Ersatzversorgung ist gesetzlich für größere Verbraucher nicht vorgesehen, so dass ohne gesicherte Energieversorgung unweigerlich eine Einstellung des Betriebs folgt. Weitere Belastungen stünden zu Jahresbeginn durch die Rückzahlung von Corona-Hilfen und Kurzarbeitergeld für viele Unternehmen ins Haus. Umso entscheidender ist es jetzt, den Unternehmen nicht noch zusätzliche Kostensteigerungen per Gasumlage zuzumuten.

„Beratungen zum Umgang mit der Krise werden in der Kammer mittlerweile täglich nachgefragt. Mitunter zeigt sich hier, dass viele Betriebe mit der aktuellen Situation überfordert sind oder mit dem Rücken an der Wand stehen“, macht der Präsident deutlich.  

Service für Mitgliedsunternehmen

Die Kammer steht ihren Mitgliedsbetrieben mit einem Beratungsangebot zur Seite. Zu nennen sind z. B. Informationsveranstaltungen zu den Themen Energieeffizienz, Energietechnologien und Energienetzwerken sowie Dialogformate zur Energiekrise und zu Betroffenheiten. Kommen Unternehmen mit einer konkreten Unterstützungsanfrage auf die IHK zu, wird zeitnah und individuell beraten wie z. B. zu Möglichkeiten der Umstellung der Energieversorgung, zu staatlichen Hilfen und Fördermitteln, bei Zahlungsschwierigkeiten infolge von Kostensteigerungen sowie zum Thema Verträge

Energiewendebarometer: größere Betroffenheit in Brandenburg

Mit Blick auf die regionalen Zahlen aus dem DIHK-Energiewendebarometer zeigt sich, dass die Brandenburger Wirtschaft stärker betroffen ist als Unternehmen im Bundesdurchschnitt. Nur 18 Prozent der befragten Brandenburger Unternehmen melden, dass sie keine Auswirkungen durch die hohen Energiekosten haben (bundesweit liegt die Zahl bei 30 Prozent). Mehr als die Hälfte der Brandenburger Betriebe fürchtet den Verlust ihrer Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland (bundesweit: 47 Prozent).  Vor allem Investitionen in Kernprozesse werden aktuell zurückgestellt, ebenso wie die Budgets für Klimaschutzmaßnahmen und Forschung/Innovation.

 

Die IHK-Organisation empfiehlt kurzfristig folgende zehn Maßnahmen (Link einfügen),  um die Versorgung sicherer zu machen und die Energiekosten für die Unternehmen zu  verringern:

  1.  Alle verfügbaren Kohle- und  Ölkraftwerke  in den Markt zurückholen
  2. Verfügbare Kernkraftwerke  bis  zum  Ende  der Krise weiterbetreiben
  3. Preisbremse für die Wirtschaft  einführen
  4. Strom- und Gaspreisumlage in den Bundeshaushalt überführen und Zuschuss zu Netzentgelten einführen        
  5. Stromsteuer und Energiesteuer auf Gas  auf europäische Mindestsätze senken
  6. Entlastungen bei den CO2-Handelssystemen schaffen
  7. Dauerhafte Ersatzversorgung  Strom und Gas einführen sowie Liquidität der Energieversorger  sichern
  8. Absicherungsinstrument im Stromsektor  einführen
  9. Zusätzliches   Gasauktionsmodell einführen
  10. Heimische Ressourcen stärker nutzen 

Bereits im Frühjahr hatte die Vollversammlung der IHK Cottbus sich der  DIHK-Resolution „Sofortmaßnahmen gegen hohe Strom- und Energiepreise einleiten – Gasversorgung sichern“ angeschlossen.

 

 

 

Ansprechpartner

Janine Mahler
Kompetenzfeld: Zukunft gestalten
Schwerpunktthema: Kommunikation
t: 0355 365 2403
f: 0355 36526 2403
janine.mahler@cottbus.ihk.de