Azubis aus der Ukraine retten Spreewald-Gastronomie

Die beiden Azubis Viktor (l.) und Sofia (r.) lernen ihr Handwerk im Restaurant von Jörg Schwerdner (m.)
© Dunja Petermann
Die beiden Azubis Viktor (l.) und Sofia (r.) lernen ihr Handwerk im Restaurant von Jörg Schwerdner (m.)

Anna, Sofiia, Viktor und Oleh haben zwei Dinge gemeinsam: alle vier jungen Menschen stammen aus der Ukraine und sind jetzt Azubis im Spreewald. Vier von 50 ukrainischen Lehrlingen, die es inzwischen in ganz Lübbenau gibt. 

„Für uns sind die jungen Menschen aus der Ukraine der Weg aus dem Personalmangel. Ohne sie könnten wir unsere gewohnten Öffnungszeiten nicht halten“, bringt es Jörg Schwerdtner, Chef des Gasthauses „Zum grünen Strand der Spree“ in Lübbenau und gleichzeitig Vorsitzender des Tourismusvereins in der Spreewaldstadt, auf den Punkt.

Er beschäftigt inzwischen sechs ukrainische Lehrlinge in seinem Restaurant. Und er ist begeistert von ihnen.

„Wir hatten auch schon Azubis aus Polen oder aus Spanien, aber mit keinen hat es so gut funktioniert wie mit den jungen Menschen aus der Ukraine“, schildert er seine Erfahrungen.

Ähnlich sieht es auch Marco Schelletter, der sich mit seinem „Flaggschiff“ ebenfalls am großen Hafen in Lübbenau befindet. Bei ihm sind derzeit zehn ukrainische Azubis tätig. Gemeinsam mit Jörg Schwerdtner zählten sie zu den ersten, die im November 2019 das Experiment mit den Azubis aus dem Ausland wagten und dafür belohnt wurden.

„Es funktioniert gut mit den ukrainischen Lehrlingen. Sie sind engagiert, fleißig und zuverlässig. Man merkt, dass sie es wollen“, beschreibt es Marco Schelletter.

Kostenfreie Unterkunft für Azubis 

Die beiden Gastronomen Schwerdtner und Schelletter wissen, dass es kein Selbstläufer ist, dass die Azubis aus der Ukraine zu ihnen kommen. Schließlich ist der Personalbedarf in der Gastronomie inzwischen enorm hoch, nicht nur im Spreewald, sondern weit darüber hinaus.

„Die Lehrlinge können sich aussuchen, wo sie hingehen, da müssen sie es ihnen schon so angenehm wie möglich machen“, betont Jörg Schwerdtner.

Aus diesem Grund gehört zum Gesamtpaket des Vollblut-Gastronomen ganz selbstverständlich die sehr gute Bezahlung der Azubis und eine kostenfreie Unterkunft. Gemeinsam mit der WIS Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald m.b.H begaben sich verschiedene Gastronomen  vor zwei Jahren auf die Suche nach Möglichkeiten, um attraktive Bedingungen für das Personal zu schaffen. Im Ergebnis gibt es seit einiger Zeit in der Spreewaldstadt WG-Wohnungen, die von den Gastronomen angemietet werden können.

„Wir wollen, dass sich die jungen Menschen in unseren Wohnungen wohl fühlen und lassen uns deshalb auch immer etwas einfallen“, betont WIS-Geschäftsführer Michael Jakobs.

Azubis aus der Ukraine glücklich im Spreewald 

Anna Sabat und Oleh Monastyretsky wohnen in einer dieser WG-Wohnungen der WIS. Beide kommen aus der Ukraine und arbeiten jetzt in Lübbenau. Anna absolviert ihre Lehre im Hotel Ebusch, welches ebenfalls von Marco Schelletter betrieben wird. Hier ist sie an der Rezeption. Die ehemalige Englischlehrerin ist glücklich in Lübbenau. Sie wollte etwas komplett Neues wagen und fing im Februar dieses Jahres mit der Lehre im Spreewald an. Inzwischen könne sie sich gut vorstellen, langfristig zu bleiben. Oleh ist bereits seit drei Jahren in Deutschland und hat seine Ausbildung beendet. Nun ist er im „Flaggschiff“ fest angestellt. Damit ist er einer von zwei ausgelernten ukrainischen Azubis, die bei Marco Schelletter sofort nach der Lehre einen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen haben.

„Wer in Zukunft vernünftig in der Gastronomie arbeiten möchte, wird um ausländische Fachkräfte oder Azubis nicht herum kommen“, ist sich der Flaggschiff-Chef sicher.

Da es ein aufwendiger Prozess ist, die richtigen ausländischen Fachkräfte zu finden und an sich zu binden, ist es für Arbeitgeber ratsam, mit verlässlichen Partnern zusammenzuarbeiten und nicht auf eigene Faust im Ausland aktiv zu werden. Außerdem helfen Dienstleister dabei, rechtliche Vorschriften ordnungsgemäß einzuhalten. Die beiden Gastronomen Jörg Schwerdtner und Marco Schelletter setzen dabei auf die ELMA Fachkräftemanagement GmbH, die ihren Fokus besonders auf den Fachkräftemangel im Bereich Hotellerie und Gastronomie legt. Bürokratische Hürden, den Papierdschungel und die konkrete Fachkräfteansprache im Ausland bekommen die Unternehmer somit abgenommen. Auch wenn die Chemie einmal zwischen Azubi und Arbeitgeber nicht stimmt, wird bei der ELMA nach Lösungen gesucht.

Internationales IHK-Netzwerk zur Fachkräftesuche 

Dass es in der heimischen Wirtschaft ohne Fachkräfte aus dem Ausland nicht mehr geht, ist nicht nur ein Bauchgefühl, sondern wird durch statistische Zahlen belegt. Aktuelle Ergebnisse des gemeinsam von der Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) und den brandenburgischen Industrie- und Handelskammern (IHKs) erstellten Fachkräftemonitors Brandenburg zeigen, dass das Angebot an Arbeitskräften in den nächsten zehn Jahren um 200.000 Frauen und Männer zurückgehen wird. Deshalb müssen Betriebe schon heute für die Zukunft vorsorgen.

Die IHK Cottbus möchte in diesem Prozess ein Partner für Unternehmen sein. Um nachhaltige Strukturen in Sachen Fachkräftegewinnung und auch -bindung aufzubauen, wurde bei der Kammer vor rund zwei Jahren ein HR-Desk gegründet. Hier kümmert sich das Team um Ronny Wolter darum, den Unternehmen beim komplexen Thema Mitarbeitersuche mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

„Wir sind ausdrücklich kein Personaldienstleister. Wir wissen jedoch, wo es im Ausland Dienstleister gibt“, betont Ronny Wolter. „Mit unserem Netzwerk an internationalen Kooperationspartnern bringen wir Unternehmen mit Partnern im Ausland zusammen, die passgenau für sie rekrutieren, qualifizieren und das Einwanderungsverfahren im Ausland begleiten. Dabei handelt es sich um durch uns evaluierte Bildungseinrichtungen und Dienstleister, die verlässliche und stabile Rekrutierungswege bieten“, so der HR-Desk-Manager.

Das IHK-Netzwerk konzentriert sich zunächst insbesondere auf die Ukraine, aber auch auf die anderen GUS-Staaten sowie Indien und Vietnam.

„Wir können Kanäle und Netzwerke zur Verfügung stellen, die den Unternehmen gerade in den Bereichen Gastronomie, Hotellerie und Tourismus helfen werden“, ist sich Ronny Wolter sicher.

Da sich junge Menschen vor allem in Online-Foren über mögliche Jobperspektiven austauschen, startete die IHK Anfang dieses Jahres eine Online-Kampagne zur Gewinnung ausländischer Fachkräfte. Auf der Website www.growwithbrandenburg.de werden umfangreiche Informationen zu Leben und Arbeiten in Südbrandenburg, zur Einwanderung nach Deutschland sowie zu Themen wie Versicherung, Wohnungssuche oder Kinderbetreuung zur Verfügung gestellt. Unternehmen können sich über ein kostenfreies Firmenprofil als möglicher Arbeitgeber präsentieren.

„Jetzt ist genau die richtige Zeit, um an die nächste Saison zu denken. Wir als IHK suchen gerade gemeinsam mit Gastronomen nach Wegen, um dem Fachkräftemangel insbesondere im Bereich Koch und Servicekraft zu begegnen“, verrät Ronny Wolter.

Den ausführlichen Artikel von Dunja Petermann können Sie nachlesen im FORUM 11/2021

 

Ansprechpartner

Ronny Wolter
Manager Kompetenzfeld: Menschen unterstützen
Schwerpunktthema: HR-Desk
t: 0355 365 2000
f: 0355 36526 2000
ronny.wolter@cottbus.ihk.de
Narine George
Kompetenzfeld: Menschen unterstützen
Schwerpunktthema: HR-Desk
t: 0355 365 2259
f: 0355 36526 2259
narine.george@cottbus.ihk.de