Netzwerke als erster Schritt in die Exportbranche

Auch das DataLab von ABB Industrieautomation profitiert von der Mitgliedschaft im Netzwerk MinGenTec
© Andreas Franke
Auch das DataLab von ABB Industrieautomation profitiert von der Mitgliedschaft im Netzwerk MinGenTec

Dass Netzwerkarbeit nicht nur innerhalb eines Netzwerkes möglich ist, sondern auch übergreifend funktioniert, beweisen die beiden Netzwerke „Russian Desk“ und „MinGenTec“.  Für Unternehmer ist das eine genauso wertvoll wie das andere. Beide helfen bei der Expansion in ausländische Märkte. Insbesondere der russische Markt als einer der größten Weltmärkte ist für die Lausitz interessant und vielversprechend.

Matthias Vogel arbeitet an der Expansion auf den russischen Markt. Er ist Geschäftsführer der Industrie-Hydraulik Vogel & Partner GmbH mit Hauptsitz in Senftenberg. Zum Kerngeschäft gehören sehr industrienahe Dienstleistungen.

„Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln und reparieren wir Maschinen in den Bereichen Hydraulik, Druckluft und Schmiertechnik und bieten zudem auch die Instandhaltung an“, umreißt der Geschäftsführer die Angebotspalette.

Im Detail reicht diese von Verschraubungen und Schläuchen über Pumpen und Ventile bis hin zu kompletten Antriebs-Aggregaten.

„Überall, wo große Kräfte benötigt werden, ist Hydraulik im Spiel“, erläutert Matthias Vogel die schwierigen technischen Zusammenhänge.

Dies sei insbesondere in der produzierenden Industrie der Fall. Zu den Kunden von Vogel-Hydraulik zählen namhafte Firmen wie die LEAG, die BASF Schwarzheide GmbH, Sachsenmilch oder auch Kronospan in Lampertswalde. Konzentrierte man sich bisher eher auf den regionalen Raum in Brandenburg, Berlin und Sachsen, so soll nun als weiteres Standbein das Auslandsgeschäft hinzukommen. Einzelne Kontakte bestehen bereits seit längerem. Bis vor wenigen Jahren wurden Ingenieure nach Russland geschickt, um die Kunden vor Ort zu beraten.

„Nun wollen wir nicht mehr nur unsere Kompetenz in Form von Ingenieuren anbieten, sondern unsere gesamte Technik“, so das Ziel von Matthias Vogel.

Dass dafür ein internationales Netzwerk notwendig ist, versteht sich von selbst. Gefunden hat der Geschäftsführer genau dieses Netzwerk bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus in Form des Projektes „Russian Desk“.

„Den intensiven Vernetzungsgrad, den das Projekt anbietet, können wir allein gar nicht realisieren, deshalb bin ich sehr froh, dass wir davon partizipieren dürfen“, so Matthias Vogel.

Bei der Industrie-Hydraulik Vogel & Partner GmbH in Senftenberg wurden diese Hydraulikaggregate für einen Kunden gefertigt. Jörn-Torsten Kusch, Leiter Fluidtechnischer Anlagenbau, überwacht die Kleinserienfertigung.   FOTO: Dunja Petermann

Russian Desk als Türöffner beim Markteinstieg in Russland

Die IHK Cottbus begleitet bereits seit vielen Jahren Unternehmen aus Südbrandenburg beim erfolgreichen Markteinstieg im Ausland. Der Fokus liegt inzwischen auf Russland. Deshalb wurde im Februar dieses Jahres in der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) Moskau ein offizielles Büro für die südbrandenburgische Wirtschaft eröffnet, um Unternehmen beim Aufbau ihrer Geschäfte in Russland und auch in Südbrandenburg individuell zu unterstützen. Die Büroeröffnung in Moskau als Anlaufstelle für Südbrandenburgs Betriebe ist Teil des Projekts „Russian Desk“, das die IHK Cottbus koordiniert und in dem die Stadt Guben, die Wirtschaftsförderungs- und Projektsteuerungsgesellschaft ASG Spremberg GmbH, die CIT GmbH Wirtschaftsförderung für den Landkreis Spree-Neiße sowie seit Oktober auch die Entwicklungsgesellschaft Cottbus mbH als Wirtschaftsförderung der Stadt Cottbus Projektpartner sind.

 „Gemeinsames Ziel ist die Intensivierung der südbrandenburgisch-russischen Wirtschaftsbeziehungen, die Beförderung der Export- und Importaktivitäten sowie der Investitionstätigkeiten in Südbrandenburg und Russland“, erklärt Nataliia Ruda, die bei der IHK Cottbus für das Projekt verantwortlich ist.

Auch wenn Sanktionen und weitere Herausforderungen den Einstieg in den russischen Markt nicht einfacher machen, so halten sie deutsche Unternehmen nicht davon ab, in und mit Russland Geschäfte zu machen.

„Tatsache ist, dass deutsche Unternehmen zu den aktivsten Auslandsinvestoren in Russland gehören. Auch das Interesse Südbrandenburger Unternehmen am russischen Markt ist groß. Unsere Umfrage 2019 zeigte, dass 60 Prozent der aktiven Unternehmen ihr Russlandgeschäft weiter ausbauen möchten. 83 Prozent der noch nicht aktiven Unternehmen beobachten den Markt bzw. planen ihren Einstieg. 88 Prozent der befragten Betriebe wünschen sich individuelle Unterstützung bei der Geschäftspartnersuche in Russland von uns“, erläutert IHK-Hauptgeschäftsführer Marcus Tolle die Rahmenbedingungen.

Erste Netzwerk-Erfolge

Für Matthias Vogel von Vogel-Hydraulik in Senftenberg gibt es bereits erste zaghafte Erfolge aus dem Netzwerk.

„Wir liefern inzwischen verschiedene Bauteile nach Russland, damit die russischen Unternehmen die Anforderungen auf dem europäischen Markt erfüllen können“, erläutert der Geschäftsführer.

Auch Nataliia Ruda bestätigt erste positive Ergebnisse.

„Trotz der Corona-Pandemie konnten wir viele Anfragen von deutschen und russischen Unternehmen bearbeiten. Außerdem bekommen wir immer mehr Anfragen von potenziellen innovativen russischen Unternehmen, die sich in Südbrandenburg ansiedeln wollen“, so die Fachfrau.

Um die Zusammenarbeit zwischen der Lausitz und der Region Kusbass in Russland zu stärken, veranstaltete die IHK im Sommer in Kooperation mit der AHK Russland und der Netzwerkinitiative MinGenTec einen Online-Expertendialog. Schwerpunktthemen waren die Entwicklungen im russischen Rohstoffsektor und die internationale Zusammenarbeit in diesem Bereich, die zukünftige Entwicklung der Lausitzer Region und neue Wege im Bergbausektor sowie die Importförderung im Bereich Bergbau, Maschinen und Anlagen sowie Lokalisierungsanforderungen für ausländische Unternehmen in Russland.

Die mehr als 100 Teilnehmer, darunter 50 Unternehmen aus Russland und aus der Lausitz, zwölf Forschungseinrichtungen und Universitäten aus dem Bereich Bergbau sowie die Vertreter aus der Politik zeigten großes Interesse an diesem Veranstaltungsformat. Zusätzlich konnten die Lausitzer Betriebe in einem fünfminütigen Pitch-Format den russischen potenziellen Partnern ihre Lösungen und Produkte vorstellen.

Silke Schwabe, IHK-Kompetenzfeldmanagerin, weiß, warum diese Veranstaltung so gut ankam: „Russland spielt für die Unternehmen aus unserem Kammerbezirk eine zentrale Rolle und das wird sich in Zukunft nicht ändern. Die Unternehmen aus unserer Region verfügen über vielfältige Kompetenzen, aber eine wesentliche Kernkompetenz ist nach wie vor der Bergbau.“

Bergbau-Unternehmen vor neuen Herausforderungen

Seit über 150 Jahren ist die Wirtschaftsregion Lausitz ein wichtiger Energie- und Industriestandort. Mit einem Fördervolumen von rund 60 Millionen Tonnen Braunkohle ist das Lausitzer Revier eines der weltweit größten seiner Art. In der Region befinden sich einige der modernsten, effizientesten und saubersten Kraftwerke der Welt. Die Unternehmensstruktur des Kompetenzfeldes Bergbau-, Kraftwerkstechnik und Rekultivierung ist breitgefächert und vor allem durch kleine und mittelständische Unternehmen geprägt. Rund 200 Unternehmen in Berlin und Brandenburg und rund 150 Betriebe aus Sachsen sind entlang der gesamten Wertschöpfungskette tätig.

Angesichts der Energiewende vollzieht sich in der Lausitz und darüber hinaus ein tiefgreifender struktureller Wandel, der Auswirkungen auf bestehende, auch internationale, Lieferketten hat. Vor diesem Hintergrund haben sich Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen aus Berlin, Brandenburg und Sachsen zum Netzwerk MinGenTec, Mining & Generation Technology – Made in Germany, zusammengeschlossen. Ziel ist, das vorhandene Know-how zu sichern, neue Geschäftsmöglichkeiten zu entwickeln sowie ausländische Zielmärkte zu erschließen.

„MinGenTec ist eine Initiative, die durch das Land Brandenburg, die Wirtschaftsförderung des Landes Brandenburg und die IHK Cottbus ins Leben gerufen wurde. Durch die enge Vernetzung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft werden vorhandene Kompetenzen weiterentwickelt und Innovation und Wettbewerbsfähigkeit gefördert“, erläutert Netzwerkmanagerin Josephine Susan Götze von der IHK Cottbus.

Da die Wirtschaftsregion Lausitz auch über Südbrandenburg hinaus in den sächsischen Raum reicht, wurde das Netzwerk mit einer Kooperationsvereinbarung mit der IHK Dresden und der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH in diesem Herbst weiter gestärkt.

Unternehmer nutzen Netzwerk-Vorteile

 Auf den Weg in die Zukunft hat sich bereits die Cottbuser  ABB Automation GmbH gemacht. Hier tüfteln Data Scientists, Informatiker und Ingenieure an der Zukunft des Bergbaus. Im DataLab von ABB Industrieautomation bündeln sie bergmännisches Know-how mit Data Analytics.

„Das Know-how der deutschen Reviere hat das Potenzial, zum Exportschlager zu werden“, ist sich der Leiter des DataLab, Dr. Martin Handreg, sicher.

Gemeinsam mit der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG), dem größten Energieunternehmen Ostdeutschlands, entwickelt ABB smarte Mining-Anwendungen und richtet sich so zukunftsorientiert aus.

„Die Region Lausitz ist international führend in der Antriebstechnik und Automatisierung von kontinuierlichen Förderanlagen. Dieses Know-how ist sehr gefragt. In Kombination mit Data-Analytics-Methoden können wir Kunden weltweit einen erheblichen Mehrwert bieten“, so Handreg.

Ein Netzwerk wie MinGenTec hilft dabei, Partner zu finden oder auf dem ausländischen Markt Fuß zu fassen.

„Ich finde es gut, dass sich hier die regional ansässigen Unternehmen untereinander kennenlernen, ihr Portfolio und innovative Ideen vorstellen können. Durch Vernetzung entstehen schließlich auch neue Projektideen, die die Region im Strukturwandel voranbringen können“, sagt Dr. Martin Handreg.

Auch René Markgraf, Geschäftsführer der IBAR Systemtechnik GmbH aus Cottbus ist von MinGenTec als Vernetzungsplattform überzeugt und sieht den Vorteil darin, dass das Netzwerk regionale Firmen mit ihren langjährigen Erfahrungen im klassischen Bergbau- und Energiegeschäft bei der Transformation begleiten könne.

„Um die Kompetenzen der Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen international zu positionieren, wurde als ein zentraler Schritt eine mehrsprachige MinGenTec-Webseite aufgebaut. Hier können Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen ihre Produkte und Dienstleistungen kostenfrei präsentieren und so auf Geschäftspartnersuche im In- und Ausland gehen“, sagt Josephine Susan Götze.

Die Webseite ist unter www.mingentec.com erreichbar. Im kommenden Jahr sind weitere Aktivitäten in verschiedenen Zielmärkten geplant. Neben Russland werden künftig auch andere Regionen aus der ganzen Welt stärker in den Fokus rücken, darunter beispielsweise Australien und Chile. 

Autorin: Dunja Petermann

Der Artikel ist im FORUM Ausgabe 12/2020 erschienen.

Ansprechpartner

Nataliia Ruda
Kompetenzfeld: Unternehmen begleiten
Schwerpunktthema: International
t: 0355 365 1312
f: 0355 36526 1312
nataliia.ruda@cottbus.ihk.de
Josephine Susan Götze
Kompetenzfeld: Unternehmen begleiten
Schwerpunktthema: International, MinGenTec-Initiative
t: 0355 365 1323
f: 0355 36526 1323
josephine.goetze@cottbus.ihk.de