Nachhaltigkeit im Zeichen der Digitalisierung

Vision einer toolbot-Station am Hermannplatz in Berlin
© Jan Gerlach
Vision einer toolbot-Station am Hermannplatz in Berlin

Ein gutes Beispiel, wie sich Nachhaltigkeit und Digitalisierung gemeinsam verbinden lassen, ist die Firma thingk.systems

Das Start-up-Unternehmen aus Cottbus hat ein Werkzeugverleih-System – den sog. tool­bot (deutsch: Werkzeug-Roboter) – entwickelt, mit dem u. a. Stichsägen, Bohrhämmer, Ak­kuschrauber oder Schleifgeräte ausgeliehen werden können.

„Die Idee dazu entstand vor rund sieben Jahren“, erinnert sich Gründer Jan Gerlach, als er sich damals eine Stichsäge ausleihen wollte. „Ich wartete im Baumarkt 45 Minuten und musste 30 Euro bezahlen plus Kaution, das war teuer und sehr aufwändig.“

Seitdem ließ ihn der Gedanke an einer zeitsparenden und kostengünstigeren Möglichkeit, Werkzeu­ge zu leihen, nicht mehr los.

toolbot team Copyright Caterina Rancho

Foto: Das Team der thingk.systems UG  ©Caterina Rancho

Nach einer Kon­zeptphase folgte 2018 die Entwicklung eines ersten Prototypen gemeinsam mit Ingenieur Christian Lehmann und weiteren Mitstreitern, die seitdem das Team um toolbot bilden.

Erfolgreiche erste Praxischecks

„100 Menschen können sich bei toolbot das gleiche Werkzeug teilen, wodurch 99 Pro­zent des Energieverbrauchs und der Emissi­onen für die Herstellung eingespart werden“, erklärt Jan Gerlach den nachhaltigen Gedan­ken bei dem Verleihkonzept.

Seit Dezember 2019 wird toolbot in drei Berliner Spätkauf-Geschäften als Feldtestvariante betrieben, um Erfahrungen zu sammeln sowie die Technik des Prototypen und die Software zu optimie­ren. Der Feldtest wurde mit Unterstützung der Partner toom Baumarkt und Bosch realisiert. Im Herbst 2020 wurde über eine Crowdinves­ting-Kampagne Risikokapital für die Weiter­entwicklung eines überarbeiteten toolbot-Systems eingesammelt. So soll zukünftig bei­spielsweise die Rückgabe durch eine digitale Überprüfung vollständig automatisiert ablau­fen und nur bei einem angezeigten Fehler ein manueller Check erforderlich werden. Noch in diesem Frühjahr ist geplant, am Hauptbahn­hof Cottbus die erste Station der neuen Geräte­generation aufzubauen. Die Nutzung des Aus­leihservice ist einfach und erfolgt per App oder Website. Lediglich eine Registrierung ist nötig, die Bezahlung wird ebenfalls online abgewickelt. Flexible Ausleih­zeiten täglich rund um die Uhr sind dabei ein wichtiges Servicemerkmal.

Wachsender Kundenstamm

Obwohl toolbot bisher nur wenig Werbung für sein Angebot gemacht hat, erfreut sich das Unternehmen eigenen Angaben zufolge einem ständig wachsenden Kundenstamm. Für alle Arbeitsgeräte gibt es auf der Home­page kurze Anleitungsvideos, bei denen die Nutzung einfach erklärt wird. Dadurch wer­den auch bisher unerfahrene Heimwerker an die Verwendung von Werkzeugen herange­führt.

Während der aktuellen Testphase befinden sich 20 Werkzeuge im Sortiment, wobei al­le Leihobjekte professionelle und hochwerti­ge Geräte sind. „Eine hervorragende Qualität der Werkzeuge ist die Voraussetzung für eine häufige und damit nachhaltige Nutzung“, er­klärt Christian Lehmann, CTO des Unternehmens.

Für die Nutzer ha­be dies den Vorteil, dass sie professionelle Ge­räte verwenden können.

„Unsere Kunden er­halten also ein besseres Produkt, als sie sich wahrscheinlich bei einem Kauf selbst leisten würden“.

Großes Interesse am Nachhaltigkeits-Konzept

Ziel des Cottbuser Start-ups ist es, seine Werk­zeug-Verleihstationen nach der Testphase an zentralen Orten wie Bahnhöfen oder Super­märkten aufzustellen. Konzerne wie Toom Baumarkt, Hilti oder Bosch haben bereits gro­ßes Interesse am Nachhaltigkeits-Konzept von toolbot gezeigt und finanzierten teilwei­se die mehrmonatige Testphase. Jan Gerlach kann sich aber auch andere Bereiche vorstel­len, bei denen die Technik und Software ein­gesetzt werden kann – beispielsweise für ei­nen Sportgeräteverleih oder im B2B-Bereich für lokale Betriebe.

Unternehmen, die sich für das Thema Nachhaltigkeit und Digitalisierung interessie­ren, können sich an das Mittelstand 4.0-Kom­petenzzentrum wenden. Die Expertinnen und Experten der bundesweiten Förderinitiative bieten u. a. kostenfreie Beratung, Workshops und Weiterbildungen an. Im Internet: www.kompetenzzentrum-cottbus.digital

FORUM/Hartfelder

Den Artikel zum nachlesen finden Sie in unserem E-Paper unter www.cottbus.ihk.de/forum-e-paper-2021.de

Ansprechpartner

Kompetenzfeld: Zukunft gestalten
Schwerpunktthema: Kommunikation, Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Cottbus
t: 0355 365 1501
f: 0355 36526 1501
lars.hartfelder@cottbus.ihk.de
Daniela Tober
Kompetenzfeld: Zukunft gestalten
Schwerpunktthema: Kommunikation
t: 0355 365 2402
f: 0355 36526 2402
daniela.tober@cottbus.ihk.de
Janine Mahler
Kompetenzfeld: Zukunft gestalten
Schwerpunktthema: Kommunikation
t: 0355 365 2403
f: 0355 36526 2403
janine.mahler@cottbus.ihk.de