„Ich habe Vieles in meinem Leben kritisch begleitet“

Barbara Kirschbaum (69 Jahre) blickt in diesem Spätsommer auf zwei Wahlperioden als Vollversammlungs- und Präsidiumsmitglied zurück.
© IHK Cottbus / Foto Goethe
Barbara Kirschbaum (69 Jahre) blickt in diesem Spätsommer auf zwei Wahlperioden als Vollversammlungs- und Präsidiumsmitglied zurück.

Barbara Kirschbaum (69 Jahre) blickt in diesem Spätsommer auf zwei Wahlperioden als Vollversammlungs- und Präsidiumsmitglied zurück.
Ein weiteres Mal stellt sie sich nicht zur Wahl. Auch weil sie ihre Einzelhandelskette KOMMA 10 in jüngere Hände abgibt. FORUM gibt sie einen Einblick in das IHK-Ehrenamt.

FORUM: Wie kam es dazu, dass Sie sich in der IHK engagiert haben?

Barbara Kirschbaum: „Ich gehörte lange eher zu den kritischen Mitgliedern der IHK gegenüber. Ich hatte keinen Kontakt zu ihr und habe immer sehr knirschend meine Beiträge an die Kammer bezahlt. Außer der Lehrausbildung habe ich auch keinen weiteren Services genutzt und mich auch in keiner Weise beteiligt. Im Rahmen der Erarbeitung des Einzelhandelskonzepts in Königs Wusterhausen habe ich jedoch die ehemalige Kammer-Mitarbeiterin Katrin Erb kennengelernt. Sie hat offen, kritisch und in sehr kompetenter Art und Weise den Prozess begleitet und war den Beteiligten dabei behilflich, ihre Interessen zu vertreten. Durch diesen Kontakt begann bei mir ein echter Umdenkprozess.
Ich habe Vieles in meinem Leben kritisch begleitet und Veränderungen vorgeschlagen. Doch alle Kritik nützt nichts, wenn man nicht auch bereit ist, sich der Kritik anderer zu stellen oder aktiv daran mitzuwirken etwas zu verändern. Also habe ich mich der Wahl zur Vollversammlung gestellt und bin darüber hinaus auch Mitglied im Handelsausschuss geworden, um mich fachlich einzubringen – später übrigens auch im Regionalausschuss Dahme-Spreewald, um mich regional stärker zu vernetzen. Zum Ende der 1. Wahlperiode in der Vollversammlung wurde ich dann im Rahmen einer Nachbesetzung darauf angesprochen im Präsidium mitzuwirken. Der Vorschlag des Präsidiums wurde dann auch von der Vollversammlung bestätigt. Nun in meiner zweiten Wahlperiode habe ich als Alterspräsidentin die Wahl des Präsidenten geleitet und mich als Präsidiumsmitglied selbst auch wieder zur Wahl gestellt. Dass mich die Vollversammlungsmitglieder wiedergewählt haben, freut mich noch immer sehr.“

FORUM: Wie unterscheidet sich Ihre Mitwirkung in den Ausschüssen gegenüber der Vollversammlung – auch im Arbeitsaufwand?

Barbara Kirschbaum: „Man wählt sich ja einen Ausschuss, der unmittelbar etwas mit seiner Tätigkeit zu tun hat, um einerseits eine fachliche Unterstützung für sich zu bekommen und sich zu vernetzen und andererseits sein Knowhow der IHK anzubieten. Hier muss jedes Ausschussmitglied für sich entscheiden, wie regelmäßig und stark man sich fachlich einbringt, um Themen voranzutreiben. Die Ausschüsse basieren auf Freiwilligkeit.
In der Vollversammlung gehe ich die Verpflichtung ein, die Interessen aller Kammermitglieder zu vertreten. Das muss einem bewusst sein – vor allem bei der Entscheidungsfindung in dem Gremium. Zudem unterliegt die Vollversammlung einer Satzung. Durch die Organschaft sind wir an eine bestimmte Form gebunden. Es müssen eine Tagesordnung abgearbeitet und Beschlüsse gefasst werden, die mit der Kammerarbeit zu tun haben und auch den Hauptgeschäftsführer bevollmächtigen. Dabei geht es um Fragen wie diese: In welche Richtung entwickelt sich die IHK? Welche wirtschaftspolitischen Positionen werden vertreten? Werden die Mittel richtig verwendet? Welche Höhe haben Mitgliedsbeiträge und Gebühren? Wie werden neue Projekte ausfinanziert? Der Arbeitsaufwand für etwa drei Vollversammlungen im Jahr ist dabei recht überschaubar.“

FORUM: Was konnte Ihrer Ansicht nach im IHK-Ehrenamt bewegt werden?

Barbara Kirschbaum: „Die Ausschüsse und die Vollversammlung haben Einiges in Bewegung gebracht. Man sieht Vieles nicht, weil die Arbeit ja häufig im Hintergrund läuft. So hat zum Beispiel der Umweltausschuss sehr aktiv an gesetzlichen Verordnungen mitgearbeitet. Auch der regelmäßige Austausch der Wirtschaft mit dem Wirtschaftsministerium zu den Corona-Beschlüssen war eine wichtige Forderung der Vollversammlung, der nachgekommen wurde. Wichtige Hinweise und Vorschläge aus dem Ehrenamt sind darüber schnell an die Politik gelangt. Insbesondere über die Handelsausschüsse der Kammern konnte im DIHK-Verbund viel in Bewegung gesetzt werden. Ebenso konnte der Verkehrsausschuss mit Blick auf den BER und den nötigen Ausbau der Infrastruktur in der Region einiges bewegen. Leider sind die Planungsprozesse in Deutschland noch immer zu lang. Es macht in jedem Fall Sinn, sich ehrenamtlich in der IHK zu engagieren, wenn man Probleme sieht und an Lösungen arbeiten möchte.“

FORUM: Für welche Themen brennen Sie?

Barbara Kirschbaum: „Ich bin angetreten für die Kleinteiligkeit des Einzelhandels, denn die ist wichtig für lebendige und attraktive Innenstädte. Bis die Politik erkannt hat, dass der Einzelhandel und die Innenstädte vor dem Aus stehen und gestärkt werden müssen, hat es lange gedauert. Das Thema hat politisch einfach keine wesentliche Rolle gespielt. Dabei haben die Handelsausschüsse mit dem DIHK intensiv und konstant auf die Herausforderungen und Probleme aufmerksam gemacht. Die Pandemie hat die Achsen nun noch stärker verschoben, Probleme sichtbar und überfälliges Handeln dringend erforderlich gemacht. Aber mittlerweile fließen ja endlich Fördermittel. Nun müssen wir darauf achten, dass den Städten ein Gerüst für ein Konzept an die Hand gegeben wird, das sie auch nutzen können. Es ist nämlich was anderes, ob man ein Konzept macht für eine Stadt wie Cottbus oder Königs Wusterhausen, die aus zersplitterten Ortsteilen besteht und im Zentrum nur aus einer 300 Meter langen Einkaufsstraße. Da gibt es Unterschiede in Sachen Gestaltungsmöglichkeiten und Einflussnahme auf Maßnahmen. In der Landesentwicklungsplanung ist es uns aber z. B. gelungen, dass eine Entwicklung für den kleinteiligen Einzelhandel und eine für den großflächigen Einzelhandel berücksichtigt wird. Diese Trennung ist wichtig, denn die Interessenslagen sind einfach unterschiedlich. Hier ist man neue Wege gegangen und hat unsere Anregungen im Gesetz verankert. Auch das im letzten Jahr gegründete brandenburgweite Bündnis lebendige Innenstädte ist ein Erfolg.“

FORUM: Wie begeistern Sie andere für die IHK?

Barbara Kirschbaum: „Seit meinem Ehrenamt habe ich meine Meinung über die IHK revidiert. Die Kammer ist regelrecht gepflastert mit kompetenten Mitarbeitern, die eigentlich fast jede Frage, beantworten können, und wenn nicht gleich, dann sehr zügig eine Antwort übermitteln samt Hilfestellung fürs Unternehmen. Entsprechend gern weise ich Unternehmen auf das Serviceangebot der IHK und die Get together Veranstaltungen für neue Mitglieder hin, an denen auch das Ehrenamt teilnimmt. Jungen Gründern sag ich: Nehmt die Beratungen wahr, bringt eure Erfahrungen ins Ehrenamt ein, vernetzt euch und diskutiert dort eure Interessen. Auch ein Mentoring ist hier ja möglich. Allen Mitgliedern empfehle ich die digitalen Webinare. Großunternehmen können das sicher anders organisieren, aber für Kleingewerbetreibende, was ja Dreiviertel der Mitgliedsbetriebe sind, ist das ein tolles kostenfreies Informationsangebot.“ Das Interview führte Janine Mahler, nachzulesen ist es im aktuellen FORUM-Magazin 3/2022.

KONTAKT
Barbara Kirschbaum, Gesellschafterin,
KOMMA 10 GmbH, Hauptstraße 45, 15741 Bestensee, Tel.: 0160 5511083, Fax: 033763 22269

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