Konjunkturreport Lausitz: Erholung in schwierigem Umfeld

Dr. Detlef Hamann, Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden und Jens Warnken, Präsident der IHK Cottbus, stellten den Konjunkturreport Lausitz bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Großräschen vor.
© IHK Cottbus
Dr. Detlef Hamann, Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden und Jens Warnken, Präsident der IHK Cottbus, stellten den Konjunkturreport Lausitz bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Großräschen vor.

03.11.2021 | Die Stimmung in der Lausitzer Wirtschaft hat sich deutlich aufgehellt, dennoch sind die Geschäftserwartungen der mehr als 500 befragten Unternehmen im Wirtschaftsraum Lausitz von großer Vorsicht geprägt, so das Ergebnis der 11. gemeinsamen Konjunkturumfrage der IHK Cottbus und IHK Dresden.

87 Prozent der Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage mit „gut“ bzw. „befriedigend“. Seit dem Frühjahr stieg der Saldo aus den positiven und negativen Lagebewertungen um 40 Punkte von -12 auf 28 stark an. Stützend wirkten die Bauwirtschaft, der Handel und das Dienstleistungsgewerbe. Die Erwartungen an künftige Geschäfte sind stärker von Zurückhaltung geprägt als von Optimismus. 28 Prozent der Unternehmen gehen von einer Verschlechterung ihrer Geschäfte aus. Knapp zwei Drittel rechnen mit einer gleichbleibenden Geschäftslage. Der Saldo bei den Erwartungen liegt nach dem überwundenen großen Tief zu Jahresbeginn mit -16 Punkten dennoch im negativen Bereich. Während das Baugewerbe und der Handel besonders skeptisch sind, betrachten die Industrie und Dienstleister die weitere Entwicklung positiver. Umsatzerwartungen und Beschäftigungspläne bleiben per saldo für die kommenden Monate negativ. Ersatzbeschaffung dominiert weiterhin als Motiv in einem freundlicheren Investitionsumfeld. 79 Prozent der Unternehmen wollen mehr bzw. gleichbleibend investieren.  

Wirtschaftliche Risiken

Größtes Geschäftsrisiko sind branchenübergreifend mit Abstand die Energie- und Rohstoffpreise. Im vergangenen Jahr stellten sie für ein Drittel der Unternehmen eine Bedrohung dar, jetzt sehen sie sogar zwei Drittel der Unternehmen als drängendstes Problem an, dicht gefolgt vom Fachkräftemangel (65 Prozent). Zur Verunsicherung tragen aber auch steigende Arbeitskosten und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bei. Während die Corona-Krise langsam von den Unternehmen verdaut wird, verunsichern die politischen Diskussionen um einen vorgezogenen Kohleausstieg die Unternehmen enorm. Das machten der Präsident der IHK Cottbus, Jens Warnken und der Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden, Dr. Detlef Hamann bei der heutigen Konjunkturpressekonferenz in Großräschen deutlich. 

Dr. Detlef Hamann, Hauptgeschäftsführer IHK Dresden: „Der aktuelle Aufschwung ist erfreulich, aber äußerst fragil. Bei einem erneuten Aufflammen der Pandemie, vielleicht sogar verbunden mit einem weiteren Lockdown, droht ein Rückfall in die Rezession. Zudem behindern Material- und Lieferengpässe, steigende Energie- und Kraftstoffpreise sowie an vielen Stellen fehlende Arbeitskräfte in fast allen Branchen ein schnelleres Anknüpfen an das Vorkrisenniveau. Hier steht auch die Bundesregierung in der Pflicht. Damit die Zuversicht der Unternehmen weiter zunimmt, muss die Politik mit verlässlichen und stabilen Rahmenbedingungen flankieren, etwa bei der Sicherstellung einer nachhaltigen und sicheren Energie- und Rohstoffversorgung. Die Wirtschaft erwartet von der Bundespolitik Entschlossenheit, um mit Digitalisierung, Klimaschutz und Fachkräftemangel die wichtigsten Zukunftsthemen zu bewältigen. Dafür bedarf es umfangreicher öffentlicher und privater Investitionen. Ebenso müssen Wachstumsbremsen, wie komplexe Regulierungen, langwierige Genehmigungsverfahren und praxisferne Vorgaben endlich abgebaut werden.“ 

Jens Warnken, Präsident IHK Cottbus: „Für den Strukturwandel sehen sich etwa drei Viertel der befragten Unternehmen gut bis mittelmäßig gewappnet. Im Umkehrschluss bedeutet das aber: Auf fast ein Viertel trifft das nicht zu! Als Herausforderung werden vor allem die Anpassung bisheriger Geschäftsmodelle, die Entwicklung neuer Produkte sowie fehlende Fachkräfte empfunden. Auch die Noten für das politische Management des Strukturwandels fallen bislang nur zufriedenstellend bis ausreichend aus. Entsprechend kritisch schätzen die Unternehmen die Zusammenarbeit mit der Politik ein: Vor allem beim Einbezug der Wirtschaft im Strukturwandelprozess ist noch Luft nach oben. Mit den aktuellen Koalitionsverhandlungen um einen vorfristigen Kohleausstieg droht ein Vertrauensverlust. Ein früherer Ausstieg hätte weitreichende Konsequenzen für die Lausitz. Unfertige Bahnanbindungen und unvollendete Werksausbauten dürfen nicht der Preis für einen vorgezogenen Ausstieg sein. Hier schuldet man den vom Strukturwandel betroffenen Unternehmen Ehrlichkeit und Planungssicherheit."  

Herausforderungen und Perspektiven im Strukturwandel

Für 65 Prozent der Unternehmen ist der Ausbau der Infrastruktur die wichtigste Maßnahme, um den Strukturwandel zu bewältigen – insbesondere in den Bereichen Breitband, Straße und Schiene. Dringend müssen sich auch die Förderbedingungen vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen und der Informationsfluss zu entsprechenden Förderungen verbessern. Eine starke Vernetzung der Lausitzer Akteure, der Aufbau neuer Wertschöpfungsketten durch Großansiedlungen und ein professionelles Standortmarketing erachten jeweils 29 Prozent der Unternehmen als erforderlich. Besondere Entwicklungschancen in der Region sieht die Hälfte der Unternehmen im Ausbau der Tourismus- und Wasserstoffwirtschaft.  

Auswertung nach Branchen 

Die Industrie ist vergleichsweise gut durch die Corona-Krise gekommen. Die Umsätze sind gegenüber dem Vorjahr um 16,3 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro angestiegen, damit wurde gleichzeitig das Vorkrisenniveau übertroffen. Neue Unwägbarkeiten wie der Fachkräftemangel und die steigenden Energie- und Rohstoffpreise hemmen die Entwicklung und einen stärkeren Aufschwung. Ein Viertel der Industrieunternehmen blickt skeptisch in die Zukunft. Lieferengpässe sowohl bei Rohstoffen als auch bei Halbleitern und weiteren Gütern werden zur ernstzunehmenden Gefahr. Auch deshalb nimmt der Anteil der Investitionen in Produkt- und Verfahrensinnovationen deutlich zu in einem sich insgesamt verbesserten Investitionsklima.  

Das Baugewerbe ist im Branchenvergleich am zufriedensten mit seinen Geschäften. 94 der befragten Unternehmen schätzen ihre Lage als „gut“ bzw. „befriedigend“ ein. Die auf hohem Niveau liegenden Umsätze sind jedoch gegenüber dem Vorjahr um -3,2 Prozent auf 703 Millionen Euro zurückgegangen. Anhaltende Materialengpässe und und befürchtete rückläufige öffentliche Bauinvestitionen dämpfen die Erwartungen. Die Branche blickt am skeptischsten auf die zukünftige Entwicklung. Auch die Investitionsbereitschaft steigt nur sehr verhalten. Zudem plant das Baugewerbe mit weniger Beschäftigten im kommenden Jahr.  

Handel: In der von der Pandemie besonders betroffenen Branche geht es deutlich aufwärts. 39 Prozent bewerteten ihre Geschäftslage mit „gut“, 55 Prozent mit „befriedigend“. Der Einzelhandel profitiert von Nachholeffekten beim Konsum, der Großhandel von der relativ guten Situation in Industrie und Baugewerbe. Auch die Einschätzung zu den Geschäftserwartungen hat sich in den vergangenen zwölf Monaten verbessert, bleibt allerdings weiterhin sehr verhalten. Steigende Preise, mögliche neue Corona-Beschränkungen und veränderte Kaufgewohnheiten trüben die Aussichten. Es ist mit gleichbleibenden Mitarbeiterzahlen im Handel zu rechnen. 

Im Dienstleistungsgewerbe hat sich die Geschäftslage am rasantesten verbessert – trotzdem sind Vorkrisenwerte noch nicht wieder erreicht. Die Rücknahme vieler Corona-Beschränkungen und die Belebung im Produzierenden Gewerbe haben sich positiv ausgewirkt. Für die Zukunft rechnen zwei Drittel der befragten Unternehmen mit guten bzw. gleichbleibenden Geschäften. 28 Prozent erwarten eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Die Investitionsbereitschaft steigt wieder. Dominierend werden Ersatzbeschaffungen als Investitionsgrund angeführt, doch auch Kapazitätserweiterungen nehmen wieder zu. Hingegen entwickeln sich Beschäftigtenzahlen rückläufig.  

Der Wirtschaftsraum Lausitz verbindet beide Kammerbezirke über die Grenzen Brandenburgs und Sachsens hinweg. An der Umfrage beteiligen sich regelmäßig Unternehmen aus den Branchen Industrie, Bau, Handel, Dienstleistungen und Verkehr aus den Landkreisen Görlitz, Bautzen, Oberspreewald-Lausitz, Elbe-Elster, Spree-Neiße und der Stadt Cottbus.

Den ausführlichen Branchenreport mit Diagrammen und Präsentation zum Download finden Sie unter www.cottbus.ihk.de/konjunkturreport-lausitz

Ansprechpartner

Susanne Kwapulinski
Kompetenzfeld: Zukunft gestalten
Schwerpunktthema: Business Monitoring
t: 0355 365 1310
f: 0355 36526 1310
susanne.kwapulinski@cottbus.ihk.de
Janine Mahler
Kompetenzfeld: Zukunft gestalten
Schwerpunktthema: Kommunikation
t: 0355 365 2403
f: 0355 36526 2403
janine.mahler@cottbus.ihk.de