Kulturgesichter in Südbrandenburg

Fünf Personen, die sich als Kulturgesichter fotografieren ließen. Ohne sie ist's still.
© IHK Cottbus
Fünf Personen, die sich als Kulturgesichter fotografieren ließen. Ohne sie ist's still.

Die Aktion #ohneunsistsstill ist eine Initiative der Veranstaltungs- und Kulturbranche deutschlandweit – die seit Mitte März vom bestehenden Veranstaltungsverbot betroffen ist.

Auch Südbrandenburger Kulturschaffende haben sich der bundesweiten Initiative angeschlossen. Mit ihrem Gesicht möchten sie Aufmerksamkeit auf die existenzbedrohende Lage der Branche lenken.

Die Fotoaktion wurde gemeinsam mit dem Netzwerk der Eventwirtschaft, der Clubkommission Cottbus und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus an vier Standorten umgesetzt. Das Organisationsteam bilden folgende Personen aus der Veranstaltungswirtschaft:

  • Kulturberg – Kulturhaus am Weinberg, Juliane Marko
  • CMT Cottbus, Congress Messe & Touristik GmbH, Daniela Kerzel
  • Club Kommission Cottbus, Philipp Gärtner
  • Weltspiegel Kino GmbH Finsterwalde, Max Siegert
  • Spreekino Spremberg, Michael Apel
  • Club Bellevue, André Matthes
  • Pool Production GmbH, Doreen Goethe
  • Gleis 3 Kulturzentrum Lübbenau, Queenie Nopper & Michael Hensel

Kulturgesichter

Die im Backstage sieht man nicht! 

„Wer in der Kultur- und Eventbranche arbeitet, der agiert meist berufsbedingt im Hintergrund.“ Juliane Marko, Inhaberin des „KULTBERG“ in Altdöbern weiß, wovon sie redet.

Sie und Ehemann Ronny kommen beide aus der Eventbranche und haben jahrelang für Großveranstaltungen backstage die Strippen gezogen. Jedoch zog es Ronny Marko zurück in die Heimat und sie wagten den Schritt in Richtung Selbstständigkeit.

„Wir haben die bundesweite Kampagne der Kulturgesichter schon eine Weile verfolgt und uns gefreut, als beim IHK-Stammtisch der Eventwirtschaft seitens der IHK der Vorschlag kam, die Kampagne zu unterstützen. Es ist wichtig, die Branche sichtbar zu machen und sich in der Region zu vernetzen. Die Kulturszene Südbrandenburgs hat bislang wenig überregionale Präsenz – dabei gibt es hier ein nicht weniger agiles, buntes Sammelsurium Kreativer als in den Großstädten. Die Kulturgesichter-Porträt-Aktion macht dies erstmals sichtbar. Im schlimmsten Fall sehen wir viele dieser Gesichter in ihrer Funktion nie wieder.“

Heute lebt und arbeitet die Familie in dem ehemaligen Schützenhaus, das sie mit viel Liebe zum Detail zu Musikkneipe und Kulturhaus umgebaut und (Ende) 2019 frisch eröffnet hatten. Dann kam Corona – und damit ein herber Dämpfer für die junge Unternehmerfamilie, die seit mehr als 12 Monaten gegen den erzwungenen Stillstand ankämpft.

Dem Kultursterben ein Gesicht geben

Wie Familie Marko kämpfen derzeit tausende Eventtechniker, Musiker, Messebauer, Clubbesitzer in Südbrandenburg um ihr Überleben. Kaum eine Branche ist von der derzeitigen Situation so hart betroffen wie die Veranstaltungs- und Kulturbranche. Weil aber Veranstalter meist hinter den Kulissen arbeiten, ist ihre Notlage oft weniger sichtbar als die von Gastronomen oder Händlern.

Gegen das unsichtbare Kultursterben ankämpfen, möchte die Initiative „Kulturgesichter“, die bereits bundesweit Aufmerksamkeit erregt hat: Umgesetzt wird die Aktion über eine Portrait-Kampagne, für die jetzt auch Gesichter aus vielfältigen kulturellen Berufsfeldern in den Landkreisen Elbe-Elster, Dahme-Spreewald, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und der Stadt Cottbus gesucht werden. Stellvertretend für die Branche sollen sie im Rahmen der Fotokampagne eine stille und zugleich mahnende Botschaft an die Politik und Bevölkerung senden und klarstellen: Es sind viele, und, ohne sie ist's still! 

„Man darf die Kulturbranche nicht unterschätzen, denn sie ist unheimlich vielseitig und birgt auch Traditionen, nicht nur Weihnachten, sondern auch hier in Cottbus die sorbische und vieles mehr“, sagt der Cottbuser Weihnachtsmann.

Das sind die Gesichter neben, hinter und auf den Bühnen. Sie sorgen für eine bunte Kulturlandschaft. Sie möchten – ergänzend zu den vielen guten Aktionen und Aktivitäten anderer Initiativen wie z.B. ALARMSTUFE ROT, der Initiative für die Veranstaltungswirtschaft oder Berufsverbänden wie dem ISDV e.V., der FAMAB, welche auf Landes- und Bundesebene für die Belange unserer Branche eintreten – auf lokaler Ebene auf die prekäre Situation der Kulturschaffenden vor und hinter den Kulissen in unserer Stadt aufmerksam machen.

Nicht Zuckerguss, sondern Wirtschaftskraft 

„Wir möchten zeigen, dass Kultur wichtig ist und besonders in den Regionen abseits der großen Städte nicht gänzlich aussterben darf“, erklärt Maximilian Siegert, Geschäftsführer des Weltspiegel Finsterwalde, der ebenfalls Gastgeber der Fotoaktion ist: „Die ländlichen Regionen bleiben zum Beispiel für heranwachsende junge Menschen und Rückkehrer nur dann interessant, wenn man dort auch etwas erleben kann was über den Waldspaziergang hinaus geht.“

Auch für André Matthes, Inhaber des Club Bellevue Lübben bietet die Initiative eine Chance: „Der Beschluss der Bundesregierung hat neben dem Willen zur solidarischen Bekämpfung des Virus, leider auch deutlich gemacht, wie weit wir davon entfernt sind, die Kultur in ihrer gesellschaftlichen Kraft wahrzunehmen und wertzuschätzen. Es ist daher auch ein Weckruf für alle, denen die freie Kultur unserer Gesellschaft am Herzen liegt. Deshalb nehme ich gerne an der Aktion teil und leiste meinen Beitrag.“  

Es sind Veranstalter:innen, Musiker:innen und Künstler:innen, Konzertagenturen und Ticketdienstleister: innen, Venues, Clubs, Techniker:innen, Eventmanager:innen, Messebauer:innen und technische Dienstleister:innen, Caterer, Grafiker:innen, Gastronomen, DJs und Entertainer:innen sowie viele mehr. 

Die Südbrandenburger aus dieser Branche sind bundesweit im Einsatz, sie haben enorme Wirtschaftskraft, die nicht nur die Kultur in den Städten am Leben hält. Doch bald haben ihre Existenzen ein Ende. Ohne sie ist´s still und bleibt‘s dann still – nicht nur in Südbrandenburg.

Alle Infso dazu auch auf www.kulturgesichter-suedbrandenburg.de sowie auf Facebook & Instagram.

Der Artikel von Christina Gaudlitz mit weiteren Kulturgesichtern erschien in der FORUM-Ausgabe 6/2021

Ansprechpartner

Christina Gaudlitz
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Schwerpunktthema: Kommunikation
t: 0355 365 2404
f: 0355 36526 2404
christina.gaudlitz@cottbus.ihk.de
Iris Kirschner
Kompetenzfelder: Zukunft gestalten/Menschen unterstützen
Schwerpunktthemen: Kommunikation, Netzwerke/HR Desk
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