Kreative Lösungen für Azubis

Azubi Hannes mit Raimund Stuckatz vor ihrem Drive In.
© IHK Cottbus
Azubi Hannes mit Raimund Stuckatz vor ihrem Drive In.

Ausbilden in Zeiten von Corona? Für viele Betriebe eine große Herausforderung. Denn wie vermittelt man Praxiswissen in einem Beruf, den man aktuell nicht ausüben kann? Mit kreativen Lösungen – und einer Ruhe, die sonst selten in der Gastronomie ist, meint Raimund Stuckatz vom „Gasthaus Stuckatz“ in Dollenchen.

Hannes Dürrwald, 2. Lehrjahr, ist angehender Koch mit Leib und Seele. Dass die Ausbildung im „Gasthaus Stuckatz“ in Zeiten von Corona etwas anders verläuft als gewöhnlich, darin sieht er nicht nur Nachteile: „Natürlich hat man trotzdem Trubel, aber eben auch mehr Zeit im Rahmen der Ausbildung. Wann kommt man im À-la-carte-Betrieb schon mal dazu, selbst einen Sauerteig anzusetzen?“

Drive-In-Verkauf gestartet

Seit November 2020 muss der Familienbetrieb pandemiebedingt geschlossen bleiben, der größte Teil der Mitarbeiter ist in Kurzarbeit. Für Azubi Hannes gilt das nicht – eine Ausbildungsverpflichtung besteht für Betriebe auch unter Pandemiebedingungen.

Dabei bietet die Situation für die Berufsausbildung auch Chancen, so Raimund Stuckatz: „So kann man auch mal intensiv auf das eine oder andere Thema eingehen, das im Normalbetrieb, wenn einem die Pfannen um die Ohren fliegen, zu kurz kommt.“

Damit der Geschäftsbetrieb nicht komplett stillstehen muss, hat er kreative Geschäftsideen entwickelt, bei deren Umsetzung ihn sein Auszubildender tatkräftig unterstützt – zum Beispiel den Drive-In-Verkauf aus der eigenen Toreinfahrt heraus.

„Dazu mussten wir die Gerichte so umbauen, dass sie auch mal 20 Minuten in einem Weckglas oder einer Pappschale transportiert werden können. Ein Hirschragout wird zum Beispiel nach 100 Kilometern Fahrt nur noch besser“, so Raimund Stuckatz.

Mit gefordert ist sein Azubi auch bei der Planung und Produktion der Produkte für den hauseigenen Online-Shop.

„Für den Shop müssen wir immer einen Tag vorausdenken und uns einen Plan machen: Was kann man gut einwecken, was vakuumieren? Wenn der Gast nachts um 23 Uhr bestellt, muss die Ware am nächsten Tag in den Versand.“

Der Renner im Online-Shop sind dabei traditionelle Gerichte „wie bei Oma“ – so wie Soljanka oder die hauseigene Königsberger-Klopse-Variante mit Wild.

„Bei Oma“ begann auch für Hannes der Weg in den Beruf: „Meine Oma hat auch viel gekocht, das hat auf mich abgefärbt. Nach zwei Schülerpraktika in der Gastronomie wusste ich dann: Das will ich machen.“ Dass Hannes aus dem Nachbardorf stammt, machte den Weg zum „Gasthaus Stuckatz“ leicht.

„Wenn da einer klopft und freiwillig sagt, dass er diesen Beruf lernen will, dann lässt du ihn natürlich nicht mehr gehen“, so Raimund Stuckatz.

Seit 2017 gibt es IHK-Azubibotschafter

So leicht wie für Hannes ist die Berufswahl nur für wenige Schüler im Corona-Jahrgang 2021/2022. Denn Praktika, Messen, Praxistage mussten meist pandemiebedingt ausfallen.

Die Schulabgänger 2022 drohen damit zum „verlorenen Jahrgang“ zu werden, befürchten viele Experten. Die IHK Cottbus darum neue Wege: Ab April lädt sie Schulen im Kammerbezirk zu Gesprächsrunden mit IHK-Ausbildungsbotschaftern an – pandemiegerecht via Stream. Parallel stellen die Azubis ihre Berufe auch im Rahmen von Live-Interviews auf Instagram vor und beantworten Fragen von Schülerinnen und Schüler.

Ausbildungsbotschafter gibt es bei der IHK Cottbus seit 2017: Azubis im zweiten oder dritten Lehrjahr, die bereits praktische Erfahrungen in der Ausbildung gesammelt haben und über Inhalte und Berufspraxis berichten können, die authentisch erzählen können, was an ihrem Beruf Freude macht, aber auch, welches die Schattenseiten sind. Und zwar in einer Sprache, die Schülerinnen und Schüler verstehen.

Ganz selbstlos ist der Einsatz der Ausbildungsbotschafter und ihrer Betriebe natürlich nicht. Denn gute Bewerber für freie Lehrstellen zu finden, war schon vor Corona für Unternehmen keine Selbstverständlichkeit mehr. Frühzeitig den Kontakt zu Schülerinnen und Schülern zu suchen rückt damit bei immer mehr Unternehmen in den Fokus. Oft sind es dabei die eigenen Auszubildenden, die die besten und glaubwürdigsten Werbeträger abgeben. Denn viele von ihnen sind nur wenig älter als die Schüler, die vor ihnen sitzen, und erinnern sich noch gut an die eigene Berufswahl.

Für das Gasthaus Stuckatz ist ein Betrieb ohne Ausbildung nicht denkbar: „Wenn wir nicht ausbilden, dann dürfen wir uns auch nicht beschweren, dass es keine Leute mehr gibt.“

Bei aller Ruhe und Zeit für den Azubi: Raimund Stuckatz hofft, dass der Ausbildungsalltag bald wieder zur Normalität zurückkehrt. Denn ein wesentlicher Ausbildungsinhalt fehlt momentan in seiner Arbeit mit Hannes:

„Wir Köche wollen ja auch mal richtig Stress, also einen vollen Laden. Wir wollen, dass wir nicht mehr wissen wie wir heißen, wo oben oder unten ist oder warum wir 15 Pfannen auf dem Herd haben, obwohl nur drei drauf passen. Und am Ende sagen können: Wow, hat ja trotzdem alles irgendwie geklappt. Das vermissen wir Köche und das muss wiederkommen.“

Den Artikel zum Nachlesen finden Sie in unserem FORUM-Magazin 4/2021

 

 

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