Kerosin liegt in der Luft

Auszubildende Cheryl Schwan und Felix Krüger im cockpit4you Simulator
© IHK Cottbus
Auszubildende Cheryl Schwan und Felix Krüger im cockpit4you Simulator

Nach vielen Jahren des Wartens ist es nun endlich soweit – der BER geht an den Start. Auszubildende und Studierende verschiedenster Fachrichtungen sind von der Luftfahrtbranche begeistert und freuen sich über breit gefächerte Karriereperspektiven im Flughafenumfeld.

Die Vielseitigkeit einer Ausbildung beim Flughafen schätzt Steven Illmann sehr. Gerade deshalb hat er sich für die Ausbildung zum Elektroniker für Informations- und Systemtechnik entschieden.

„Natürlich war da auch eine gewisse Faszination für den Flughafen und das gesamte Drumherum“, gibt der IHK-Ausbildungsbotschafter offen zu. In wenigen Wochen wird er seine Ausbildung beenden. „Dann freue ich mich darauf, bald ein vollwertiges Mitglied meines Teams zu sein und dabei helfen zu können, den Flughafenablauf so reibungslos wie möglich zu gestalten“, sagt er.

Er sei vor allem im Bereich der Kundennetzinfrastruktur tätig. Diese wird beispielsweise für Kassensysteme oder Computer und Telefone von Kunden benötigt. An der Ausbildung gefällt ihm, dass er viele spannende Aufgabengebiete von allen Teams kennenlernen durfte. Sie reichten vom Aufbau der Datendosen über Telefone, die über Datenverbindungen angebunden werden, bis hin zu den hochsensiblen Sicherheitssystemen, welche den Sicherheits- vom öffentlichen Bereich trennen. 

Steven Illmann ist damit einer von momentan 60 Auszubildenden am BER. Die jungen Menschen können zwischen neun Ausbildungsberufen in technischen, kaufmännischen und operativen Bereichen wählen. Bei so einer großen Vielfalt, wie sie der Flughafen bietet, hat man auch nach der Ausbildung zahlreiche Möglichkeiten.

„Bei guter bis sehr guter Leistung bieten wir allen Auszubildenden und dualen Studenten eine Übernahme bei der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH an“, erläutert Flughafen-Personalleiter Michael Meyer. „Es gibt viele Möglichkeiten nach der Ausbildung am BER eingesetzt zu werden. Da wir ein vielfältiges Unternehmen mit vielen Bereichen und Aufgabenfeldern sind, stehen somit unterschiedlichste Perspektiven offen. In diesem Jahr wurden Auszubildende unter anderem in den Bereichen Personal, Aviation Management, Einkauf, IT und Technisches Facility Management übernommen“, erklärt er. 

Duales Studium mit Berufsausbildung

 Neben den Auszubildenden lernen am Flughafen BER auch 27 junge Menschen im dualen Studium ihr Handwerk. Zwei von ihnen sind Sarah Bornemann-Richter und Lisa Vogel. Beide jungen Frauen haben in diesem Jahr am 1. August mit dem dualen Studium „Luftfahrtechnik/Luftfahrtmanagement“ an der Technischen Hochschule (TH) Wildau begonnen. Sie konnten aus acht dualen Studiengängen, die der Flughafen als Praxispartner derzeit anbietet, wählen. Das Besondere an der Ausbildung von Sarah und Lisa ist, dass es sich um einen ausbildungsintegrierenden dualen Studiengang handelt – kurzum, es ist eine Kombination aus Berufsausbildung und Studium. 

„Am dualen Studium gefällt uns, dass wir trotz des Studiums am Praxisgeschehen des Flughafens teilhaben können, indem wir die Ausbildung zur Luftverkehrskauffrau absolvieren“, begründen beide ihre Wahl.  

„Die Berufsausbildung mit IHK-Abschluss ist ein wesentlicher Bestandteil des ausbildungsintegrierenden dualen Studiengangs. Damit beginnt man die Ausbildung und lernt erste praktische Fertigkeiten und Kenntnisse sowie Abläufe im Betrieb kennen. Im zweiten Jahr kommt das Studium als Teilzeitversion dazu, gleichzeitig läuft  die Berufsausbildung, nun ebenfalls in Teilzeit, weiter. Nach dem Ende der Berufsausbildung wird das Studium in Vollzeit absolviert. Das duale ausbildungsintegrierende Studium dauert insgesamt meist fünf Jahre“, schildert Tessa Wille, Koordinatorin für das duale Studium an der TH Wildau, den Ablauf. 

Die beiden Studentinnen Sarah und Lisa fiebern indessen der Eröffnung des Flughafens entgegen.

„Wir sind gespannt, wie sich das Flughafengeschehen am BER entwickeln wird und wie es ist, sobald sich echte Passagiere am Flughafen befinden. Außerdem freuen wir uns auf den Moment, wenn man die Flugzeuge dann auf beiden Start- und Landebahnen betrachten kann“, so die beiden jungen Frauen.

TH Wildau als regionaler Partner

Der duale Studiengang Luftfahrtechnik/-management wird an der TH Wildau in diesem Jahr zum ersten Mal angeboten. Der BER nutzte diese Möglichkeit und schickte seine Dualstudenten dorthin.

„Wir haben uns gezielt für die TH Wildau als Partner entschieden, da wir gern auf Partnerschaften in der Region setzen. Darüber hinaus schien uns die Luftverkehrsaffinität als ein sehr wichtiges Kriterium bei der Auswahl der Fakultät“, erläutert Personalleiter Michael Meyer.

Bewusst für die TH Wildau haben sich auch die drei Studenten Cheryl Schwahn, Robert Vilter und Felix Krüger entschieden. Sie studierten ebenfalls die Fachrichtung Luftfahrtechnik/-management, allerdings im Vollzeitstudium. Inzwischen sind die drei Studenten fast schon alte Hasen auf dem Campus in Wildau - Cheryl schreibt gerade an ihrer Masterarbeit, Felix befindet sich im dritten Mastersemester und ist studentischer Mitarbeiter im Fachgebiet Airline Management Aviation-Security, Robert ist Laboringenieur und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet für Luftfahrttechnik. Alle drei sind von dem Studium begeistert und haben ihre Entscheidung nicht bereut. Cheryl und Felix sind seit ihrer Kindheit von der Luftfahrtbranche angetan und wollten ihre Leidenschaft zum Beruf machen. Die TH Wildau bietet mit dem vielfältigen, in der Luftfahrbranche angesiedelten Unternehmensumfeld beste Bedingungen, so die Einschätzung der Studenten. Da der Studiengang technische Aspekte und Managementkomponenten verbindet, könne man in allen erdenklichen Bereichen der Luftfahrtbranche tätig werden – vom Flughafen, über Zulieferbetriebe der Flugzeughersteller und der Flugsicherung bis hin zu Triebwerksherstellern oder auch Unternehmen in der Mess- und Regelungstechnik. 

Wirtschaftsinformatik als Alternative

Für eine ganz andere Fachrichtung und Hochschule hat sich hingegen Celine Wüstenhagen entschieden. Sie befindet sich im ersten Ausbildungsjahr des dualen Studiums Wirtschaftsinformatik. Die Theorie lernt sie an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin, ihr Praxispartner ist ebenfalls der Flughafen. Und das nicht ohne Grund.

„Vor allem die Atmosphäre und die Vielseitigkeit am Flughafen sowie die strukturierten Abläufe haben mich fasziniert. Deswegen habe ich mich für ein duales Studium am Flughafen entschieden“, berichtet sie. „Mir gefiel besonders die Verknüpfung von praktischer Arbeit am Flughafen und die theoretischen Vorlesungen an der Hochschule, da sich beide in einem regelmäßigen Rhythmus abwechseln“, begründet sie ihre Entscheidung.

Celine Wüstenhagen nahm am Probebetrieb des BER teil und erlebte den Flughafen aus einer völlig neuen Perspektive.

„Ich habe dem BER-Start sehr entgegengefiebert, da es etwas ganz Besonderes für mich ist und ich wahrscheinlich nie wieder die Möglichkeit bekomme, ein Teil der Flughafeneröffnung zu sein“, fasst sie ihre Eindrücke in Worte. 

Ein Job mit hoher Verantwortung: Der Fluggerätemechaniker

Der Moment, in dem der Flieger vom Boden abhebt, sorgt nicht nur bei Passagieren für ein Gefühl, das unter die Haut geht, sondern auch bei Piloten und Fluggerätemechanikern. Letztere sorgen dafür, dass die Technik einwandfrei läuft und ein Flugzeug schließlich überhaupt abheben kann. Regelmäßige Kontrollen und Wartungen gehören da zum Berufsalltag. Ein Projekt zu Ende bringen und sehen, wie ein Flugzeug das erste Mal vom Boden abhebt, beschreiben auch Lukas Gröbler und Max Hinkel als besonderen Moment.

Die beiden sind Auszubildende zum Fluggerätemechaniker bei der Beechcraft Berlin Aviation GmbH. Diese hat sich auf die Wartung und Reparatur von Flugzeugen spezialisiert. Als zweites Firmenstandbein nennt Geschäftsführer Rolf Käselau den Entwicklungsbetrieb für Spezialeinbauten bei Flugzeugen wie beispielsweise Kamera- oder Infrarotsysteme sowie medizinische Ausrüstungen für Krankentransporte. Lukas und Max schätzen an ihrer Ausbildung die Vielfalt der Tätigkeiten, die Arbeit im Team und die familiäre Atmosphäre im Unternehmen. Bringt man handwerkliches Geschick, technisches Verständnis, sehr gute Englischkenntnisse und etwas Sinn für Ordnung mit, hat man nach Einschätzung der beiden Jungs genau die richtigen Voraussetzungen für den Beruf. 

 Foto IHK Cottbus  Ausbildung Fluggeraetemechaniker  beechcraft

 Lukas Gröbler und Max Hinkel absolvieren eine Ausbildung zum Fluggerätemechaniker.

Für viele ein Traum: Der Job als Pilot

Als Pilot in die Luft zu gehen, gehört für viele Kinder und Jugendliche zu den Traumberufen. Erlernen kann man diesen beispielsweise bei der Cockpit4u Aviation Service GmbH.

„Seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 2006 wurden hier bereits über 4000 Piloten ausgebildet“, erzählt Geschäftsführer Christos Diamantopoulos. „Inzwischen bilden viele Airlines nicht mehr selbst aus, deshalb gehören Verkehrspiloten als auch Fluggesellschaften aus der ganzen Welt zu unseren Kunden“, sagt er. „Wir bieten Musterberechtigungen und MCC Kurse auf Airbus-, Boeing- und Bombardier-Flugzeugen an. Zudem kommen Piloten zu uns, die ihre Berechtigungen verlängern oder erneuern wollen. Dafür gibt es verschiedene Trainingsprogramme und Checkflüge im Simulator, die wir für unsere Kunden organisieren“, umreißt Geschäftsführer Diamantopoulos die Möglichkeiten bei Cockpit4u.

Als weiteren wichtigen Unternehmenszweig nennt er die Ausbildung von Trainern.

„Gerade in der jetzigen Zeit investieren viele Piloten in ihre persönliche Weiterqualifizierung“, so seine Einschätzung. Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte wurde in diesem Jahr ein Ausbildungsplatz im Bereich Büromanagement angeboten. „Damit wollen wir in die Zukunft des Unternehmens und die von jungen Menschen investieren“, so der Geschäftsführer.

Auch wenn es viele Jahre gedauert hat, bis der erste Flieger vom neuen BER abheben kann, so ist die Luftfahrtbranche in der Hauptstadtregion ein Wirtschaftszweig mit Zukunft. Junge Menschen lernen hier in verschiedensten Richtungen ihren Traumberuf. Engagierte Ausbildungsbetriebe und regional verwurzelte Hochschulen stehen ihnen dabei zur Seite und geben wichtiges Rüstzeug an die Hand.   

Autorin: Dunja Petermann

Der Artikel ist im FORUM Ausgabe 11/2020 erschienen.

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