Hier findet man mittelalterliches Einkaufsflair

Die Baumschule von Steven Richter beherbergt neben Lavendel auch viele historische Obstsorten.
© IHK Cottbus
Die Baumschule von Steven Richter beherbergt neben Lavendel auch viele historische Obstsorten.

Das Besondere an seiner Baumschule ist, dass Richter Produkte anbieten möchte, die kein anderer hat.

„Da ich selber Raritäten-Pflanzen sammle und es liebe, habe ich tatsächlich mein Hobby zum Beruf gemacht. Von seltenen Rosen bis zu historischen Obstsorten über die neuesten Pflanzenzüchtung haben wir unser Sortiment stets gefüllt. Wir haben für jeden die richtige Pflanze, da unser Sortiment groß und vielseitig ist. Dazu kommt unser ganz besonderes Verkaufsflair, was ins schöne Mittelalter zurückgeht. Jede freie Minute nutze ich, um die Firma in diese tolle architektonische Zeit zu versetzen. Mein Bürohaus aus dem 12./13. Jahrhundert wird noch dieses Jahr schlüsselfertig. Als nächstes Projekt steht eine große Wassermühle aus dem 11. Jahrhundert an. Ich wünsche mir, dass sich meine Kunden wohlfühlen und einfach während des Einkaufens entspannen und Inspirationen sammeln – ein so genanntes Einkaufs-Erlebnis der besonderen Art“, schwärmt Richter.

Geglückte Firmenübernahme

Die Firmengründung kam durch eine Übernahme zustanden. Die Firma gehörte zuvor Roland Graeff unter dem Namen „Graeff Baumschulen“. Sie wurde in „Richter und Graeff Baumschulen“ umbenannt und soll in ein bis zwei Jahren den Familiennamen tragen. Ich komme aus einer „Baumschulfamilie“ und mir ist die Tradition sehr wichtig. Der Name soll dann „Richter und Pein“ sein“, so Steven Richter stolz. Er erzählt, dass alle Baumschulgärtner aus seiner Familie verstorben und alle Betriebe und Flächen verkauft seien. Die Baumschule seines zeitig verstorbenen Großvaters in Bad Liebenwerda wurde damals ebenfalls verkauft. Auch die „Baumschulen Pein“ aus Hamburg gehörten zu den größten in Europa und wurden alle verkauft.

„Ich bin tatsächlich der letzte Baumschulgärtner dieser traditionsreichen Gärtnerfamile und möchte das mit Herz und Seele weiterführen“ So der 33-Jährige.

Weg in die Selbstständigkeit kam zufällig

Er arbeitete schon vorher in einer Baumschule und merkte, dass er sich dort nicht zu einhundert Prozent verwirklichen konnte. Der einzige Weg war für ihn der der Selbstständigkeit.

„Nachdem mir zugetragen wurde, dass Roland Graeff seine Baumschule verkaufen möchte, haben wir uns ausgetauscht, er übermittelte mir sein Angebot und dann habe ich mich dafür entschieden“, so Richter.

Während der Übergangsphase konnte Richter auf die Unterstützung Graeffs zählen, auch wenn er sich selbst mit einer eigenen Pfefferplantage, die auch im Regionalsiegel vertreten ist, verwirklichte. Sie entschieden sich dann, beides zu trennen. Vorstellen konnte Richter sich das vor einigen Jahren noch nicht, selbstständig zu sein.

„Wenn mich jemand vor sechs Jahren gefragt hätte, hätte ich mir das nicht vorstellen können. Es ist wirklich eine Fügung und es kam alles so, wie es sollte. Ich bin nun meinen Weg gegangen und bereue es auf keinen Fall."

Richter hat ganz genaue Vorstellungen von seiner Baumschule.

„Wichtig ist es mir, eine Baumschule zu haben, die anders ist. Ich möchte meinen Kunden zeigen, dass man nicht nur diesen strengen Verkaufsflair haben muss. Wir legen hier eher alles wie einen Garten oder eine Parkanlage an und verwirklichen uns mit unserem eigenen, mittelalterlichen Stil. Das heißt, dass wir einen Dorf- bzw. Marktplatz wie aus dem Mittelalter errichten, was sich hervorragend für Gäste und Veranstaltungen nutzen lässt. Es wird auf jeden Fall etwas ganz Besonderes. Die vielen Komplimente und der große Zuspruch unserer Kunden untermauern diesen aufwändigen Stil der Firma“, schwärmt er.

Herausforderungen gab es auf seinem Weg viele. Als er 2018 die Firma übernahm, begannen die Trockenphasen. Auch im zweiten Jahr ging es mit großer Trockenheit weiter.

„Zum Glück hatten wir unsere Bewässerungsanlagen bereits komplett erneuert. Dennoch sind natürlich die Kunden ausgeblieben, da bei großer Wasserknappheit kaum jemand seinen Garten weiter bepflanzt. Im dritten Jahr kam dann auch noch das Problem mit dem Straßenbau hinzu, in dieser Zeit war unsere Hauptzufahrtsstraße für fast sechs Monate komplett zu. Auch während der Corona-Zeit hatten wir Glück. Wir konnten durchgängig offen bleiben und weiter arbeiten. Da hatten wir gerade im Bereich der Dienstleistung sowie Garten- und Landschaftsgestaltung eine wirklich gute Auftragslage. Dennoch kann ich sagen, dass wir auch durch die Probleme in den ersten Jahren sehr viel dazu gelernt haben“, berichtet Richter.

Stolz sei er insbesondere auf den Umbau der Firma. Neben seiner eigentlichen Arbeit hätte er sehr viel von dem geschafft, was er sich vorgenommen hatte. Er baute ein Bürogebäude und investierte außerdem in gutes Equipment.

Nie den Spaß an der Arbeit verlieren

Anderen Gründern rät er, dass man wissen müsse, wo man hin möchte.

„Man sollte immer einen ehrgeizigen Plan im Hinterkopf haben und auch bereit sein, entsprechende Hürden zu nehmen. Natürlich gehört auch Durchhaltevermögen dazu und man sollte definitiv nie den Spaß an der Arbeit verlieren“.

Steven Richter ist mit seiner Baumschule außerdem Teil des Regionalsiegels Elbe-Elster. Franzi, eine der Gründerinnen, kam damals auf ihn zu und erklärte ihm, wie das Netzwerk funktioniere.

„Das finde ich sehr wichtig, da man so mit anderen Unternehmern Kontakte knüpft und sich mit ihnen vernetzen kann. Dadurch sind bis jetzt auch schon ganz tolle Ideen entstanden. Ich möchte künftig unseren Lavendel auf Märkten anbieten. Da könnte ich mir vorstellen, über das Regionalsiegel in eine gewisse Vermarktungskette zu kommen. Zudem könnte ich mir für die Zukunft vorstellen – sofern es unsere Fläche hergibt – dass wir hier bei uns auch Märkte über das Regionalsiegel veranstalten“, so Richter.

Kraft und Energie tanken

Richters Lieblingsort ist Zeischa, wo er sich sehr heimisch fühlt und auch bauen möchte. „Denn hier kann ich Kraft und Energie tanken, was ich sehr wichtig finde. Die Zeit sollte man sich trotz der Arbeit nehmen. Hin und wieder chillen wir sonntags auch mal auf unserer Lavendelplantage oder sind hier beisammen. Das genieße ich sehr“, schwärmt Richter.

Den Beitrag von Christina Gaudlitz und Daniela Tober können Sie im E-Paper des FORUM Magazin 10/2021 nachlesen.

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Daniela Tober
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Schwerpunktthema: Kommunikation
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