Energiewende-Barometer 2021: Verunsicherung der Wirtschaft hält an

Eine Glühbirne mit Pflänzchen im Innern - Symbolbild für die Energiewende
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Eine Glühbirne mit Pflänzchen im Innern - Symbolbild für die Energiewende

Die Bundesregierung hat die deutschen Klimaziele zum Ende der Legislaturperiode noch einmal deutlich angehoben. Klimaschutz und seine Umsetzung im betrieblichen Alltag gewinnen damit über alle Branchen hinweg weiter enorm an Bedeutung und beeinflussen das Handeln der Wirtschaft. Eine bundesweite IHK-Umfrage, die der DIHK koordiniert und ausgewertet hat, zeigt, dass sich immer mehr Unternehmen aktiv für Energiewende und Klimaschutz einbringen. Aber mit dem Fortschreiten der Energiewende sehen Unternehmen auch zunehmend Risiken für die eigene Wettbewerbsfähigkeit sowie Defizite in den politischen Rahmenbedingungen.

Nachdem im Jahr 2020 ein deutlicher Rückgang der Strom- und Energiepreise zu beobachten war, sind diese im Laufe des Jahres 2021 wieder stark angestiegen und stellen für die Unternehmen eine große Herausforderung dar. Die befragten Unternehmen wünschen sich daher von der Politik, dass die Belastungen des Strompreises mit Steuern und Abgaben abgebaut werden. Dadurch kann der Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Ausland und im Inland gegenüber dem Einsatz von Energieträgern wie Öl und Gas verringert werden. Vier von fünf Betrieben sehen es weiterhin als erforderlich an, dass stark belastete Unternehmen von hohen Zusatzabgaben entlastet werden.

Grafik1 Energiebarometer

Abb.: Entwicklung der Energiepreise bis 2021

 

Steigerung der Energieeffizienz ist Kern des betrieblichen Energiemanagements 

Um den Energieverbrauch zu senken, spielt die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen bereits bei 64 Prozent der befragten Unternehmen eine wichtige Rolle und wird durch die steigenden Energiepreise nochmals beschleunigt. Bereits 20 Prozent haben solche Maßnahmen realisiert. Neben technischen Lösungen setzen die Unternehmen dabei vor allem auf energieeffiziente Mobilität und die Mitwirkung ihres Personals. 82 Prozent der Betriebe sind der Meinung, dass die Politik im Bereich der Energieeffizienz besser auf Wirtschaftlichkeit, Freiwilligkeit und Technologieoffenheit setzen sollte und nicht auf Verbote. 

Grafik 2 Energiewendebarometer

Abb. Top-Maßnahmen der Unternehmen im Bereich Energieeffizienz 

Interesse an Grünstrom hoch

Im Strombereich setzen viele Unternehmen auf den Einsatz erneuerbarer Energien: So arbeiten 56 Prozent daran, Ökostrom zu beziehen und genauso viele Betriebe beschäftigen sich mit dem direkten Einsatz erneuerbarer Energien – insbesondere der Photovoltaik – auf dem Betriebsgelände. Immer mehr Betriebe setzen auch auf Stromspeicher, um ihren Energieeinsatz zu flexibilisieren. Sehr eindeutig sind die Empfehlungen zum Netzausbau: Die Politik sollte sich hinter den Netzausbau stellen und vor allem auch Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen. Diese Forderung erreicht den Spitzenplatz aller Vorschläge und zeigt den dringenden Handlungsbedarf.

Viele Erneuerbare-Energien-Projekte in der Pipeline

Auch im Wärmebereich ist der Einsatz erneuerbarer Energien beliebt: 11 Prozent der Betriebe berichten, dass sie bereits Solarthermie, Biomasse und Co. einsetzen. Weitere 37 Prozent geben an, derzeit an Projekten zu arbeiten beziehungsweise solche zu planen. Mehrheitlich keine Zustimmung findet eine Pflicht zur energetischen Gebäudesanierung. Die Politik sollte deshalb eher das Angebot an erneuerbaren Energien verbessern als die Anforderungen an die Gebäudehülle zu verschärfen.

Wasserstoff als Energieträger gewinnt Aufmerksamkeit

Beim Thema Wasserstoff ist die Farbelehre ein großes Diskussionsthema Dabei geht es darum, ob nur mit erneuerbarem Strom hergestellter Wasserstoff (sog. grüner Wasserstoff) freien Marktzugang erhalten oder ob CO2-arm erzeugter Wasserstoff gleichgestellt werden soll. Die Brandenburger Unternehmen beantworten diese Frage eindeutig: fast 80 Prozent sprechen sich dafür aus, dass CO2-arm das Kriterium der Wahl sein sollte.

Die Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen der IHK-Organisation fand im Juni 2021 statt. Ziel des Energiewende-Barometers ist es, eine umfassende Bewertung der Unternehmen zum Fortschritt der Energiewende und zur aktuellen Klima- und Energiewendepolitik zu erhalten.

Die komplette Auswertung des Energiewendebarometers für Brandenburg finden Sie rechts im Downloadbereich oder können Sie hier herunterladen.

Ansprechpartner

Michael Rusch
Kompetenzfeld: Unternehmen begleiten
Schwerpunktthemen: Energie und Klimaschutz
t: 0355 365 1550
f: 0355 36526 1550
michael.rusch@cottbus.ihk.de

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