Den Wald ins Büro geholt

Reinhard Mietusch mit einem Prototypen des Filtersystems
© IHK Cottbus
Reinhard Mietusch mit einem Prototypen des Filtersystems

Wer kennt es nicht, wenn in der kalten Jahreszeit die Büroarbeit von Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit begleitet wird?  Wenn man unter Hochdruck arbeiten möchte, aber die Konzentration nachlässt?

Das kann an der schlechten Luft in unserer Umgebung liegen. Denn, was viele nicht wissen, nach europäischen Messergebnissen ist die Raumluft im Innern mindestens doppelt so hoch mit Schadstoffen belastet wie die Luft im Freien. Noch dazu können sich Viren in trockener Heizungsluft viel schneller verbreiten. Dafür, dass wir durchschnittlich 90 Prozent unserer Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, denken wir ziemlich wenig darüber nach, welche gesundheitliche Belastung das für unseren Körper bedeutet.

Die zwei jungen Unternehmer Reinhard Mietusch und Tobias Jähner der Florafilt Luftreiniger GmbH haben sich der Problemstellung angenommen und einen Weg gefunden um Raumluft auf natürliche Weise zu reinigen und zu befeuchten.

Bereits die NASA nutzte dieses Prinzip

Reinhard Mietusch hat schon als Zwanzigjähriger die ersten Schritte ins Unternehmertum gewagt. Während seines Maschinenbau-Studiums fertigte er Motoren für Rennteams im Bereich Motocross und GoKart. Die Idee ein natürliches Filtersystem zu entwickeln entstand während eines USA-Aufenthalts, wo er intensiv an dem Konzept der biologischen Luftreinigung (Biofiltration) geforscht und dazu auch seine Diplomarbeit geschrieben hat. Das Ziel war greifbar geworden und nach seiner Rückkehr weihte Reinhard Mietusch seine Freunde in die Gründungsidee ein. In den Jahren 2016 - 2019 baute das Team aus fünf jungen Spreewäldern rund 20 Prototypen und stellten diese Unternehmen kostenlos zur Verfügung, um Feedback zu bekommen und das Produkt so verbessern zu können. 2019 gründeten sie dann die Firma Florafilt Luftreiniger GmbH in Bersteland.

Im Fokus der Unternehmensidee stehen Filtergeräte, welche mit Hilfe des Wurzelwerks von Pflanzen die Raumluft reinigen und befeuchten. Das ist gerade für Großraum- und Mehrpersonenbüros interessant, denn hier sinkt sehr schnell die Luftfeuchtigkeit und die Übertragung von Viren steigt.

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©FLORAFILT

Inspiriert wurde Reinhard Mietusch durch Forschungsergebnisse der NASA, die schon Ende der 80er Jahre abgeschlossene Kapseln in den Weltraum schossen und eine Lösung suchten um die Raumluft erfolgreich zu recyceln. Die NASA hat herausgefunden, dass die meisten Schadstoffe über den Boden, das Wurzelwerk und dessen Mikroorganismen aufgenommen werden. Das Wurzelwerk besitzt also eine effektivere Reinigungsleistung als das Blattwerk einer Pflanze. In der Umsetzung wurde also Luft über das Wurzelwerk der Pflanze geleitet, was nicht nur zu einer effektiveren Schadstoffreinigung führt, sondern die Luft zusätzlich befeuchtet.

Auch Pflanzen brauchen eine Erholungsphase

Das gleiche Prinzip nutzt Florafilt. Das Filtersystem besteht aus zwei oder mehr Pflanztöpfen, die mit Blähton gefüllt sind. Blähton ist gebrannter Ton und dauerhaft strukturstabil – das heißt, er kann im Gegensatz zur Blumenerde nicht verdichten. Die Pflanzenwurzeln können besser atmen und dadurch wird häufiges Umtopfen gespart. Außerdem ist Blähton frei von pflanzenschädlichen Stoffen, Krankheitserregern und Schimmelpilzen. Dies ist besonders wichtig für Allergiker.
Darunter befindet sich die Technik, die zum Beispiel erkennt ob es Tag oder Nacht ist und die Filterfunktion dann entsprechend steuert. Denn auch Pflanzen brauchen eine Erholungsphase. Weiterer Bestandteil des Filtersystems ist ein Wasserspeicher für die Bewässerung, wobei das Wasser mehrmals pro Stunde mittels UV-Licht desinfiziert wird. Der Clou: die Luft wird per Ventilation mit weniger als 25 dB(A) flüsterleise durch den Filter geführt, weshalb auch dem Einsatz in Meeting- und Erholungsräumen nichts im Weg steht.

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Foto: Für große Räume bietet Florafilt auch Modulare Lösungen, die sich in die Innenraumeinrichtung integrieren lassen.  ©FLORAFILT

Der Gründungsprozess selbst war für das Team um Reinhard Mietusch und Tobias Jähner keine große Hürde. Alles begann mit einer Crowdfunding Kampagne und entwickelte sich dann mit der Erstellung eines Gesellschaftervertrages und einigen administrativen Abläufen, die geregelt werden mussten. Alle im Team haben ein Studium absolviert, teilweise sogar Kenntnisse im rechtlichen Bereich gesammelt, was in den verschiedenen Unternehmensbereichen immer wieder sehr hilfreich ist. Wichtig ist ihm, dass es einen regelmäßigen Austausch im Team gibt, so dass alle auf dem gleichen Wissensstand sind.

Kundenarbeit ist das A und O

Der Vertrieb des Produktes bestimmt im Moment die Hauptarbeit des Unternehmens. Reinhard Mietusch dazu: „Das bedeutet viel Arbeit beim Kunden, seien es Klein- und Großhändlergespräche. Im Privatkundensegment kümmern wir uns darum, dass wir in den richtigen Katalogen vertreten sind. Wichtig vor allem ist, dass die Produktion im Hintergrund automatisch und zuverlässig bei guter Produktqualität abläuft.“

Bei dieser intensiven Kundenarbeit kann auch die ein oder andere Synergie entstehen.

"Einer unserer Interessenten ist ein namhafter deutscher Lüfterhersteller. Daraus hat sich eine gute Zusammenarbeit entwickelt, sodass wir in naher Zukunft ein neues Filtersystem auf den Markt bringen werden, welches mit neuen Lüftern des Herstellers arbeitet und über 99 Prozent aller Viren und Feinstäube aus der Raumluft filtert.“

Diese Filteranlage ist somit nicht nur für Großraumbüros interessant, sondern wirkt präventiv in sämtlichen Räumlichkeiten in welchen sich mehrere Menschen aufhalten, seien es Schulen, Kitas oder Warteräume. Dabei ist das System mit einem Preis von ca. 700 € für einen 25 m² großen Raum im Vergleich zu herkömmlichen Filteranlagen marktüblich.

Nachhaltigkeit wird groß geschrieben

Bei Florafilt geht es nicht einfach nur darum, ein Produkt zu vermarkten. Obwohl es vor allem für Bürounternehmen viele Vorteile birgt. Denn nicht nur die Gesundheit der Mitarbeiter wird geschützt, auch insgesamt wird das Arbeitsumfeld deutlich angenehmer. Nein, es geht auch darum ein Produkt zu entwickeln, was lokal hier in Südbrandenburg hergestellt wird und das Siegel „Made in Germany“ tragen darf. Während die einzelnen Komponenten deutschlandweit eingekauft werden, übernimmt eine kleine Manufaktur in Altdöbern die Endmontage. Bei der Wahl der Bestandteile gab es auch viele Überlegungen. Welche Materialien eignen sich gut, sind wasserfest und trotzdem nachhaltig? Die Wanne zum Beispiel wird aus recyceltem Kunststoff hergestellt, wobei auch Biokunststoffe im Gespräch sind. Wichtig ist die Verwendung eines recycelbaren Kunststoffes und die Wiederverwendung der Materialien zur Verbesserung der Nachhaltigkeit und der Ökobilanz der Produkte.

Die große Vision des Florafilt Teams um Reinhard Mietusch und Tobias Jähner ist es, die Natur in das Büro zu bringen und so das Büroumfeld europaweit zu revolutionieren. Und weil der ökologische Gedanke tief in der Firmenphilosophie verankert ist, lässt die Florafilt Luftreiniger GmbH für jedes verkaufte Produkt einen Baum pflanzen.

Jungen Gründern geben die Unternehmer mit auf den Weg, sich nicht so leicht von der Unternehmens-Idee abbringen zu lassen.

„Man muss an die Idee glauben und einfach loslegen. Dabei finden wir vor allem entscheidend, ausdauernd und konsequent daran zu arbeiten bis man sein Ziel erreicht hat, welches sich auf dem Weg gern etwas ändern darf. Man sollte immer Wert darauf legen seine Idee vielen Menschen zu präsentieren und deren Meinung ernst zu nehmen, denn schlussendlich ist man nicht selbst der Kunde.“

Der Artikel zur Florafilt Luftreiniger GmbH erschien in der aktuellen Ausgabe des FORUM-Magazins

 

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