Carnet ATA

Carnet ATA einfach erklärt | © IHK24 e.V.

Was ist ein Carnet A.T.A. und wofür wird es benötigt?

Das Carnet A.T.A. ist ein internationales Zollpassierscheinheft, das im Regelfall die vorübergehende Verbringung von Berufsausrüstung, Messegut, Warenmustern u. a. in Drittländer dadurch erleichtert, dass die Zahlung von Zöllen oder Hinterlegung von oft hohen Kautionsgebühren und sonstigen Abgaben in den Einfuhrländern entfällt.

Carnets A.T.A. werden wegen ihrer Vorteile, z. B. beliebig häufige Benutzung während der Gültigkeitsdauer von maximal einem Jahr und dem Wegfall sonst notwendiger Ausfuhr- Dokumente (z. B. Handelsrechnung, Ausfuhr-, Einfuhranmeldung, Warenverkehrsbescheinigung EUR.) bevorzugt.

Für die EU-Staaten wird kein Carnet benötigt (Ausnahme: bei Transit durch Nicht-EU-Länder, wie der Schweiz, mit den EU-Zielländern Italien oder Griechenland). Allerdings muss vor der Ausstellung eines Carnet A.T.A. geklärt werden, ob die Waren einer Ausfuhrgenehmigungspflicht unterliegen. Für die Beantragung und Genehmigung ist in Deutschland das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle zuständig . Für welche Länder Carnets verwendet werden können, ist dem grünen Carnet-Deckblatt zu entnehmen. Setzen Sie sich bitte vorab mit ihrer IHK in Verbindung, um die einzelnen Besonderheiten in dem entsprechenden Land zu besprechen.

Die Formulare erhalten Sie bei uns oder in Formularverlagen. Informieren Sie sich bitte zusätzlich bei Ihrer zuständigen IHK über den jeweiligen aktuellen Stand.

Carnet-Ausstellung

Eine Carnet-Ausstellung kann durch die regional zuständige IHK für alle Unternehmen, Körperschaften und natürliche Personen, die im betreffenden Kammerbezirk ansässig sind, erfolgen.

Die Verwendung von Carnets A.T.A. ist nur auf bestimmte Waren und Gegenstände oder für bestimmte Zwecke festgelegt, entweder durch internationale Abkommen oder durch eigene Regelung einzelner Staaten. Erfragen Sie auch hierzu die Einzelheiten bei Ihrer IHK.

  • Warenmuster
    Gegenstände, die eine bestimmte Art bereits hergestellter Waren darstellen oder Modelle von Waren sind, deren Herstellung vorgesehen ist.
  • Messe- und Ausstellungsgüter
    Waren, die auf Ausstellungen, Messen, Kongressen oder ähnlichen Veranstaltungen ausgestellt oder verwendet werden. Hierzu gehören auch Standardausrüstungen, Werbematerial (jedoch kein Verbrauchsmaterial, welches an die Messebesucher kostenlos ausgeteilt wird z. B. Kugelschreiber), zur Vorführung benötigte Materialien, Geräte usw., ferner Übersetzungseinrichtungen, Tonaufnahmegeräte, Filme erzieherischen, wissenschaftlichen oder kulturellen Charakters.
  • Berufsausrüstung
    Ausrüstungen für Montage, Erprobung, Messung, Prüfung oder Überwachung sowie Presse, Rundfunk, Fernsehen usw. Für die vorstehenden Zwecke gebaute oder besonders hergerichtete Fahrzeuge, wie bewegliche Prüfeinheiten, fahrbare Werkstätten und fahrbare Laboratorien, können ebenfalls mit Carnet A.T.A. vorübergehend ins Ausland gebracht werden.

Über die in Frage kommenden Waren der einzelnen Länder erteilen die Carnetausgabestellen der IHKs rechtsverbindlich Auskünfte.

Zollbürge

In jedem Carnet A.T.A. -Vertragsland haftet ein „Bürgender Verband“ selbstschuldnerisch gegenüber seiner Zollverwaltung für die Bezahlung etwaiger Eingangsabgaben. Ohne diese internationale Bürgenkette wäre das Verfahren nicht möglich. Der bürgende Verband ist in Deutschland der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Die Industrie- und Handelskammern sind berechtigt, in seinem Namen Carnets auszugeben.

Zur Abdeckung des damit verbundenen Risikos besteht mit der Euler Hermes-Deutschland Niederlassung der Euler Hermes SA eine Zollbürgen-Versicherung. Daher auch die Einschaltung und das Mitspracherecht der Euler Hermes Deutschland beim Carnet-Verfahren.

Das an die Euler Hermes-Deutschland abzuführende Versicherungsentgelt dient der Rückversicherung dieses Zollbürgen. Die entstehenden Kosten erfragen Sie bitte bei ihrer IHK. Es deckt weder eine Transportversicherung noch den Warenverlust oder Einfuhrgebühren beim evtl. Verbleib der Ware im Ausland ab.

Die IHK ist nicht verpflichtet Carnets A.T.A. auszustellen, wenn die formellen Voraussetzungen bzw. die Vorgaben seitens DIHK und Euler Hermes nicht erfüllt werden!

Bearbeitungsweg

  • Beidseitiges Ausfüllen (nicht handschriftlich) der entsprechenden Carnet-Blätter sowie des „Antrages auf Ausstellung eines Carnets A.T.A...“.
  • Rechtsverbindliche Unterschrift durch den Carnet-Inhaber auf dem Antrag sowie ausschließlich auf dem grünen Deckblatt (die Innenblätter durch den Reisenden an den jeweiligen Zollstellen).
  • Vorlage dieser Unterlagen bei der IHK. Diese hat das Carnet A.T.A. zu prüfen, ggf. zu ergänzen, mit Gültigkeits- und Ausstellungsdatum u. weiteren Eintragungen zu versehen
  • Die Nämlichkeit (Identität) der Ware muss vor der Ausfuhr vom regional zuständigen deutschen Binnen-Zollamt (Sitz des Carnet-Inhabers) im Carnet durch entsprechende Eintragungen nachgewiesen werden. Dazu muss auch die Carnet-Ware dem zuständigen Binnen-Zollamt vorgeführt werden

Zuständige Zollämter für den Kammerbezirk der IHK Cottbus

Hauptzollamt Frankfurt/Oder
15236 Frankfurt/O., Kopernikusstraße 25
Geschäftszeit: Mo. – Do.: 07.00 bis 15.30 Uhr, Fr.: 7.00 bis 14.30 Uhr
Tel.: (03 35) 56 30 - 0; Fax: (03 35) 56 30- 8 88

Zollamt Forst
03149 Forst, Kurt-Rüdiger-Müller-Straße 1
Geschäftszeit: Mo – Mi: 07.00 bis 15:30 Uhr, Do: 07:00 bis 18:00 Uhr, Fr: 07:00 bis 15:30 Uhr, Sa: 07:00 bis 12:30 Uhr
Tel.: (0 35 62) 98 19-0; Fax: (0 35 62) 98 19-11

Zollamt Finsterwalde
03238 Finsterwalde, Bahnhofstraße 5
Geschäftszeit: Mo. – Do.: 07.15 bis 15.30 Uhr, Fr.: 7.15 bis 14.00 Uhr
Tel.: (0 35 31) 79 25 - 0; Fax: (0 35 31) 79 25- 11

Zollamt Ludwigsfelde
14974 Ludwigsfelde, Genshagener Straße 27
Geschäftszeit: Mo. – Do.: 07.15 bis 19.45 Uhr; Fr.: 7.15 bis 17.45 Uhr
Tel.: (0 33 78) 86 67-0 ; Fax: (0 33 78) 86 67-36

Ausfüllen des Carnets

Das Carnet ist ein ZOLL-DOKUMENT! In diesem darf daher nicht radiert, überschrieben oder ein Schreibfehler mit Korrekturfarbe überdeckt werden. Fehler werden sauber durchgestrichen und durch die richtigen Angaben ersetzt. Änderungen oder Zusätze müssen von der IHK gegengesiegelt werden. Das Carnet muss in Maschinenschrift (Empfehlung: PC-Ausdruck) in Deutsch sowie evtl. in Englisch, teilw. auch in der entspr. Landessprache ausgefüllt werden (IHK fragen).

Auszufüllen sind:

1.„Antrag auf Ausstellung eines Carnets“ (2-fach). Rückseite nicht vergessen! Analog sind die entsprechenden Carnet-Rückseiten („GENERAL LIST“) auszufüllen. Achtung: Das Format der Rückseite des Antrags und der grünen Deckseite (Rückseite/“GENERAL LIST“) ist nicht identisch mit den Einlageblättern-Rückseiten! Füllen Sie deshalb bitte zuerst die gelben, weißen (und evtl. blauen) Carnet-Rückseiten („GENERAL LIST“) aus!

2. auf grünem Deckblatt des Carnets: die Felder A bis C sowie J

3. auf den Vorderseiten der folgenden Blätter: die Felder A bis E d. h.des Ausfuhrblattes (gelb), des Einfuhrblattes (weiß), des Wiederausfuhrblattes (weiß), des Wiedereinfuhrblattes (gelb) und evtl. der Durchfuhrblätter (blau)

„GENERAL LIST“: auf den Rückseiten der entsprechenden Carnet-Blätter, einschließlich grünes Deckblatt.
Verbrauchsmaterial, Verpflegung und evtl. Werbemittel werden nicht in das Carnet A.T.A. aufgenommen, da diese Waren im Ausland verbleiben. 
Bitte beachten Sie: Evtl. freibleibender Platz auf der „GENERAL LIST/Allgemeine Liste“ wird gemäß Ausfüllmuster mit einem Querstrich bzw. mit einer „Buchhalternase“ abgeschlossen.

Unterschriftenregelung:
Der Carnet-Inhaber  (Unterschriftsbevollmächtigte Person bei Unternehmen) unterschreibt nur auf dem grünen Carnet-Deckblatt („Unterschrift des Inhabers“) rechtsverbindlich sowie auf dem Carnet-Antrag (zweifach). Eine entsprechende Unterschriftsprobe muss bei der IHK hinterlegt werden.

Der Bevollmächtigte (Reisende) unterschreibt auf den anderen (gelben, weißen u. evtl. benötigten blauen) Blättern, aber erst am Grenzübergang im Beisein des Zöllners mit Eintragung des Grenzortes und entsprechendem Datum.

Vollmacht: 
Die Bevollmächtigung zur Handhabung des Carnets während der Reise wird durch den Carnet-Inhaber geregelt und wie folgt dokumentiert:

im Feld B der entsprechenden Carnet-Vorderseiten wird unter: „Vertreten durch“ der Vermerk „gemäß Vollmacht“ eingetragen. Der Bevollmächtigte muss in diesem Fall eine Vollmacht in 2-facher Ausfertigung mitführen. Auf dieser steht sein Vor- u. Zuname sowie seine Privatanschrift gemäß Reisepass (Vollmacht-Formblatt ist bei der IHK erhältlich).

der Bevollmächtigte wird im Feld B der entsprechenden Carnet-Seiten unter: „Vertreten durch“ namentlich sowie mit seiner Privatanschrift (gemäß Reisepass) eingetragen.
Erstellung der Warenliste („Allgemeine Liste“) [Siehe auch Carnet-Ausfüllmuster (Rückseite)]

Zu Spalte 1: (Lfd.Nr.)
Grundsätzlich muss jeder Gegenstand einzeln unter einer eigenen laufenden Nummer aufgeführt werden; mehrere Gegenstände gleicher Art können in einer Position (unter Weiterzählung der laufenden Nr.) zusammengefasst werden. Werkstattwagen, Infomobile u. ä. (mit festen Einbauten) sind Carnet-Ware.

Bitte beachten Sie: Es ist nicht von der Anzahl der Umschließungen, wie Kartons, Kisten, Koffer u. a. auszugehen, sondern von deren Inhalt. Klein-Zubehör kann ggf. unter einer Lfd. Nr. zusammengefasst werden (z. B.: „diverse Handwerkzeuge“ wie Schraubendreher, Ringschlüssel, Zangen...).

zu Spalte 2: (Warenbezeichnung)
Hier ist die handelsübliche Bezeichnung der Ware und, soweit vorhanden, die Serien-, Geräte-Nr., Farbe o. ä. anzugeben, nicht aber Fantasiebezeichnungen oder Abkürzungen allein. Bei Bekleidung sollen genaue Angaben über Art und         Materialzusammensetzung erfolgen. In welcher Sprache (neben Deutsch) die Warenbezeichnung zu erfolgen hat, ist abhängig vom Zielland (IHK fragen!).

zu Spalte 3: (Stückzahl)
Bei Gegenständen gleicher Art, die in Spalte 1 unter einer laufenden Nummer aufgeführt sind, wird hier die Stückzahl eingetragen.

zu Spalte 4: (Gewicht o. Menge)
Die Gewichts- und Mengenangabe (z.B. kg, l) wird nur bei solchen Waren eingetragen, für die üblicherweise Mengenangaben benötigt werden (z. B. Obst). Bei mehreren Waren unter einer Positions-Nr. die Gewichtsgesamtsumme angeben (Ausnahme: Schweiz; hier immer Gewichtsangabe!).

zu Spalte 5:Hier den Zeitwert in EUR/€ angeben, zu dem die Ware (ohne MWSt.) im Ausland verkauft werden könnte (bei mehreren Gegenständen in einer Positionsnummer den Gesamtwert eintragen). Im Kopf der Spalte 3 ist die Währungsbezeichnung EUR oder € einzutragen.

zu Spalte 6: (Ursprungsland): 
Diese Spalte wird nur ausgefüllt, wenn eine Ware ausländischen Ursprungs ist. (einzutragender Ländercode; siehe grüne Carnet-Rückseite)

Spalte 7: Hier keine Eintragungen vornehmen!

Seitenabschluss: Nach der letzten Position werden die Spalten 3 und 5 addiert u. in „Gesamtsumme“ oder “Übertrag“ eingetragen; die Summen der beiden Spalten müssen außerdem in Worten angegeben werden. Falls der Platz in der „GENERAL LIST“ nicht ausreicht, sind bei der IHK Fortsetzungsblätter erhältlich (Hinweis: Versuchen Sie unbedingt ohne diese auszukommen, in dem Sie gleichartige o. ä. Waren möglichst unter einer Position zusammenfassen und eine kleinere Schriftgröße wählen).

Vergessen Sie nicht die grüne Carnet-Abschlussseite, auf der keine Eintragungen erfolgen, miteinzureichen und beachten Sie die Erläuterungen auf dieser (s. Innenseite)

Empfehlung: Kopieren Sie nach der Abfertigung beim Binnenzollamt das grüne Carnet-Deckblatt + Warenliste incl. Nämlichkeitsvermerk des deutschen Zolls und bewahren Sie es vom Carnet getrennt auf. Diese Identitätsmerkmale können bei Unregelmäßigkeiten, insbesondere bei Verlust des Dokumentes den Zollbehörden eine Hilfe sein.

Nach Beendigung der Reise
Nach Beendigung der Reise sind die Carnets der IHK unaufgefordert zurückzureichen, sofern sie im benannten Gültigkeitsrahmen nicht mehr benötigt werden. Bei offensichtlich nicht ordnungsgemäß abgefertigten Carnets oder anderen Unregelmäßigkeiten bitte sofortige Rückgabe an die IHK.

Sollten Sie zum Carnet-Verfahren Fragen haben, können Sie sich in der IHK Cottbus beraten lassen.

Ansprechpartner

Petra Piater
Kompetenzfeld: Unternehmen begleiten
Schwerpunktthema: International
t: 0355 365 3403
f: 0355 365 3403
petra.piater@cottbus.ihk.de
Doris Buttenstedt
Regionalcenter Oberspreewald-Lausitz
Kompetenzfeld: Mitglieder betreuen
Schwerpunktthema: Außenwirtschaftsdokumente
t: 0355 365 3201
f: 0355 36526 3201
doris.buttenstedt@cottbus.ihk.de
Heidrun Krautz
Regionalcenter Cottbus/Spree-Neiße
Kompetenzfelder: Mitglieder betreuen/Unternehmen begleiten
Schwerpunktthemen: Existenzgründung/Bewachungsgewerbe
t: 0355 365 3402
f: 0355 36526 3402
heidrun.krautz@cottbus.ihk.de