Ausbildung und Beschäftigung von Geflüchteten

Deutschland erlebt einen  Zustrom schutzsuchender Menschen. Viele dieser Menschen bringen noch teilweise unergründete Potentiale für unsere Unternehmen mit, die einen weiteren Baustein zur Bewältigung des regionalen Fachkräftemangels darstellen können. Denn vor allem klein- und mittelständischen Unternehmen fällt es zunehmend schwer, geeignete Fachkräfte zu gewinnen. Die Möglichkeit zur Einstellung von Geflüchteten bleibt zu häufig noch ungenutzt. In der "Allianz für Ausbildung" haben Vertreter der Wirtschaft und der Politik beschlossen, die Potenziale der Geflüchteten schnellstmöglich zu erfassen, um anschließend Unternehmen mit geeigneten Bewerbern zu versorgen.

Passgenaue Besetzung für Menschen mit Fluchthintergrund

Die IHK Cottbus unterstützt Unternehmen im Rahmen des Bundesprogramms „Willkommenslotsen“ bei der Vermittlung von Geflüchteten in die betriebliche Ausbildung oder in eine Beschäftigung.

Ob vor, während oder nach einer Stellenbesetzung – Willkomenslotse Marko Ladusch ist verlässlicher Ansprechpartner und berät in unserem Projekt „Passgenaue Besetzung“ was es Rechtliches und Formales beim Thema Qualifizierung zu beachten gibt - egal ob Berufsausbildung, Praktikum oder Vollzeitjob. Bei spezifischen Problemlagen stellt er eine schnelle und unkomplizierte Hilfe vor Ort bereit. Gemeinsam finden Sie eine Lösung. Zudem unterstützt er bei der Integration und dem Aufbau einer Willkommenskultur in Ihrem Unternehmen. 

Ausbildung

Menschen mit einer Aufenthaltserlaubnis dürfen grundsätzlich ohne Einschränkungen eine betriebliche Berufsausbildung in Ihrem Unternehmen aufnehmen. Hier muss keine Besonderheit berücksichtigt werden.

Geduldete und Asylbewerber dürfen grundsätzlich mit Erlaubnis der Ausländerbehörde eine konkrete betriebliche Berufsausbildung in einem Unternehmen aufnehmen.

3 + 2 Regelung: Azubis mit Fluchthintergrund werden innerhalb einer bis zu 3 jährigen Berufsausbildung nicht abgeschoben. Bei einer anschließenden, sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung verlängert sich die Abschiebeaussetzung um bis zu 2 Jahre.

Einstiegsqualifizierung (EQ)

Geflüchtete, die noch nicht in vollem Umfang ausbildungsfähig sind (u. a. aufgrund von Sprachdefiziten), können Sie durch eine EQ an eine Ausbildung in Ihrem Betrieb heranführen. Die EQ wird durch die Agentur für Arbeit oder die Jobcenter gefördert. Voraussetzung dafür ist, dass Sie mit dem entsprechenden Teilnehmer einen Vertrag abschließen, in dem die Inhalte der EQ und die Höhe der Vergütung festgelegt werden. Außerdem dürfen Sie nicht schon zuvor eine EQ mit demselben Teilnehmer durchgeführt haben.

Den Vertrag und weitere Informationen bekommen Sie von uns, der IHK Cottbus. Wir beraten Sie gerne dazu. 

Praktikum

Geflüchtete können ebenso wie Deutsche oder EU-Ausländer Praktika absolvieren. Unter dem Begriff "Praktikum" können sich aber die unterschiedlichsten vertraglichen Verhältnisse verbergen. Daher ist hier sehr genau zu differenzieren, um was für eine Art Praktikum es sich handelt.

  • Pflichtpraktika im Rahmen einer Ausbildung sind in der Regel in der entsprechenden Vorschrift geregelt. Es kann sich dabei um eine schulrechtliche oder  hochschulrechtliche Bestimmung, eine Ausbildungsverordnung oder eine Regelung einer gesetzlich geregelten Berufsakademie handeln. Um ein Pflichtpraktikum handelt es sich auch, wenn das Praktikum Voraussetzung für die Anerkennung eines ausländischen Berufsabschlusses ist.
  • Ein Praktikum zur Berufsorientierung zielt darauf ab, erste Einblicke in die angestrebte berufliche Tätigkeit zu gewähren. Daher muss es einen Bezug zum angestrebten Beruf aufweisen. Orientierungspraktika sind üblich, wenn noch kein Berufsabschluss vorliegt, eine berufliche Umorientierung ansteht oder ein Abschluss in Deutschland nicht anerkannt wurde und nun eine neue berufliche Perspektive eröffnet werden soll.

Unterhalb des Mindestlohns können Praktika zur Berufsorientierung nur  für die Dauer von 3 Monaten vergütet werden. Bei Beschäftigungen, die länger andauern, ist der gesetzliche Mindestlohn von aktuell 8,84 € je Stunde zu zahlen.

Die Zustimmung der Ausländerbehörde ist in jedem Fall erforderlich, es sei denn es liegt bereits eine Aufenthaltserlaubnis vor. 

Wie kann ich als Unternehmer das Sprachniveau einschätzen?

Flüchtlinge bringen sehr unterschiedliche sprachliche Fähigkeiten mit. Unter den verschiedenen Sprachniveaus verbergen sich folgende Fähigkeiten:

Sprachniveau A1 - Anfänger

Die Person kann vertraute alltägliche Ausdrücke und einfache Sätze verstehen und verwenden, die auf die Befriedigung konkreter Bedürfisse zielen. Sie kann sich vorstellen und anderen Leuten Fragen zu ihrer Person stellen. (Wo sie wohnen, wen Sie kennen, was für Dinge sie haben) kann diese Fragen auch beantworten. Wenn Gesprächspartner einfach sprechen und unterstützen, funktioniert einfache Verständigung.

Sprachniveau A2- grundlegende Kenntnisse

Die Person kann häufig gebrauchte Ausdrücke verstehen, die mit der unmittelbaren Situation zusammenhängen wie Einkaufen, Familie, Informationen zur Person. Die Verständigung ist in einfachen routinemäßigen Situaionen möglich. Gespräche können  über Herkunft, Ausbildung, unmittelbare Bedürfnisse geführt werden.

Sprachniveau B1- fortgeschrittene Sprachverwendung

Die Person kann die Hauptpunkte in einem Gespräch verstehen, wenn klare Standartsprache verwendet wird und es um vertraute Dinge geht, zB. aus Arbeit, Freizeit, Schule. Sie ist in der Lage, die meisten Situationen zu bewältigen, denen sie  auf Reisen im Sprachgebiet begegnet. Über Interessengebiete, vertraute Themen und Erfahrungen kann die Person zusammenhängend sprechen.

Sprachniveau B2- selbständige Sprachverwendung

Die Person erfasst die Hauptinhalte komplexer Texte zu konkreten und abstrakten Themen, kann auch Fachdiskussionen verstehen. Ein normales Gespräch mit Muttersprachlern ist auf beiden Seiten ohne größere Anstrengung möglich. Standpunkte können klar und detailliert vertreten werden.

Der Erwerb der Sprachkenntnisse erfolgt in der Regel im Rahmen der Integrationskurse beim BAMF. Die Teilnehmer erhalten nach erfolgreichem Abschluss der Kurse eine Bescheinigung mit der das Niveau erreichte Niveau auch dokumentiert wird.

Sprachniveau C1- fachkundige Sprachkenntnisse

Die Person kann ein breites Spektrum anspruchsvoller langer Texte verstehen und auch implizite Bedeutung erfassen. Spontane fließende Verständigung ist möglich, kein langes Suchen nach Worten. Kann Sprache in Studium und gesellschaftlichem Leben flexibel gebrauchen, Klare strukturierte Äußerungen auch zu komplizierten Sachverhalten ist möglich.

Sprachniveau C2- annähernd muttersprachliche Kenntnisse

Die Person kann praktisch alles was er liest oder hört mühelos verstehen, Informationen aus verschiedenen mündlichen und schriftlichen Quellen zusammenfassen. Sie kann Standpunkte begründen und erklären sowie zusammenhängende Darstellungen formulieren, beherrscht auch feine Bedeutungsnuancen.

Ansprechpartner

Marko Ladusch
Kompetenzfeld: Menschen unterstützen
Schwerpunktthema: HR-Desk
t: 0355 365 2210
f: 0355 36526 2210
marko.ladusch@cottbus.ihk.de