Berufsausbildung während der Corona-Krise/Homeschooling

Die Corona-Pandemie stellt auch die Ausbildung in Unternehmen vor große Herausforderungen. Einige Betriebe müssen vorübergehend vollständig schließen (zum Beispiel im Einzelhandel oder in der Gastronomie), andere Betriebe haben für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitestgehend Homeoffice eingerichtet und wieder andere Betriebe haben weniger Aufträge und nutzen Kurzarbeit. Gleichzeitig sind die Berufsschulen geschlossen und der Unterricht wird seitdem als Distanzunterricht (Homeschooling) fortgesetzt. Das heißt: Die Auszubildenden erhalten lt. Stundenplan digitale Aufgabenstellungen über das Schulportal. Die Kommunikation zwischen den Auszubildenden, den Fachlehrern und den Klassenlehrern erfolgt ebenfalls über den elektronischen Weg.  

Homeoffice für Auszubildende ist unter normalen Umständen grundsätzlich nicht vorgesehen, da Ausbildende nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) die Pflicht haben, berufliche Handlungskompetenz zu vermitteln. Dies erfordert meistens eine Anwesenheit in der Ausbildungsstätte. Daher sollten Unternehmen versuchen, den Ausbildungsbetrieb soweit möglich aufrechtzuerhalten. 

Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: 

  • Umstellung des Ausbildungsplans durch Vorziehen anderer Lerninhalte: Durch das Umstellen des Lehrplans oder das Vorziehen anderer Lehrinhalte könnte hier der Zeitrahmen der Ausbildung anders gestaltet werden.  
  • Versetzung oder Einsatz in einer anderen Abteilung: Die Versetzung der oder des Auszubildenden in eine andere Abteilung könnte eine Lösung sein.   
  • Versetzung in die Lehrwerkstatt: Ist eine Lehrwerkstatt vorhanden, kann die Ausbildung dort fortgesetzt werden. 

Ist es nicht möglich, den Ausbildungsbetrieb aufrechtzuerhalten, können die Auszubildenden ausbildungsrelevante Aufgaben oder Projekte aber durchaus auch von zu Hause aus bearbeiten. Sie als Unternehmen können – und sollten – Ihre Auszubildenden dabei aktiv unterstützen.  

Im Gegensatz zu älteren und bereits ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern benötigen Auszubildende besondere Unterstützung im Homeoffice. In der Berufsschule und im Betrieb sind die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Strukturen eingebunden, die es so im Homeoffice nicht mehr gibt. Zum Beispiel ist es für Jugendliche eine besondere Herausforderung, sich die Tage sinnvoll zu strukturieren und den Lernstoff einzuteilen. Hierbei können Sie bzw. Ihre Ausbilderinnen und Ausbilder Ihren Auszubildenden helfen, indem Sie engen Kontakt halten und das Lernen und die Arbeit im Homeoffice begleiten. 

Eine enge Begleitung meint aber nicht Kontrolle: Sehen Sie Ihre Rolle als Lernprozessbegleiterin oder Lernprozessbegleiter und bieten Sie bei Schwierigkeiten Ihre Unterstützung an. Zeigen Sie Ihren Auszubildenden, dass Sie ihnen vertrauen. Dies fördert die Motivation am selbstständigen Lernen. 

Um Ihre Auszubildenden im Homeoffice unterstützen zu können, benötigen Sie eine geeignete digitale Infrastruktur, die eine Kommunikation und ein Arbeiten über das Internet ermöglicht. Häufig wird einfach vorausgesetzt, dass junge Menschen bereits über einen Desktopcomputer oder einen Laptop sowie einen Internetzugang verfügen. Dies muss aber nicht zwangsweise der Fall sein: Gerade die jüngere Generation nutzt immer häufiger ausschließlich das Smartphone. Zudem hat auch nicht jede bzw. jeder Auszubildende ein eigenes Zimmer, in das sie oder er sich für die Ausbildung zurückziehen kann. Sie sollten sich daher zunächst über die technische Ausstattung sowie über das Vorhandensein einer geeigneten Arbeitsumgebung bei Ihren Auszubildenden informieren. Falls diese nicht gegeben ist, gilt es, gemeinsam Lösungen zu finden (zum Beispiel über Leihgeräte).  

Folgende Checkliste kann Ihnen helfen: 

  • Ist ein internetfähiges Arbeitsgerät vorhanden (zum Beispiel PC, Laptop, Tablet mit externer Tastatur)? 
  • Ist ein Internetzugang vorhanden (zu Hause oder über mobile Datenflatrate)?  
  • Sind Kontaktdaten, wie die Telefonnummer und E-Mail-Adresse der Auszubildenden, bekannt? 
  • Verfügen die Auszubildenden über eine geeignete Arbeitsumgebung im Homeoffice, wie einen Schreibtisch, an dem sie arbeiten können? 
  • Ist auf den Arbeitsgeräten die benötigte Software installiert, zum Beispiel Büro- und Kommunikationsanwendungen? 

Tipps für die Kommunikation

Tipp 1: Verabreden Sie einen wake-up call: 

Es ist wichtig, den Auszubildenden dabei zu helfen, den Tag im Homeoffice sinnvoll zu strukturieren. Eine gute Möglichkeit an den Arbeitsbeginn zu erinnern, ist der sogenannte „wake-up call“. Dieser morgendliche „Weckanruf“ kann über das Telefon, aber auch über die Videotelefonie erfolgen. Das Ziel ist es, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen dafür zu sensibilisieren, dass die Arbeit immer zu einer bestimmten Uhrzeit beginnt. Sie müssen sich also den Wecker stellen und rechtzeitig fertig machen, genauso, wie an einem normalen Tag im Betrieb oder in der Berufsschule auch. 

Tipp 2: Begleiten Sie die Lernfortschritte Ihrer Auszubildenden: 

Eine gute Idee ist es, die Fortschritte beim Selbstlernen im Homeoffice aktiv zu begleiten. Sie können sich hierfür zum Beispiel Ergebnisse (wie gelöste Aufgaben) zusenden lassen und den Auszubildenden Ihre Einschätzung zurückmelden. Ein gemeinsames Gespräch oder eine Videotelefonie am Ende eines jeden Tages, in dem Sie den aktuellen Stand und aufgetretene Probleme besprechen, kann für die Auszubildenden sehr hilfreich sein. Wenn etwas einmal nicht so gut geklappt hat, wie sich die Auszubildenden das gewünscht hätten, haben sie jemanden, mit dem sie die Situation besprechen können und sind nicht mit ihren Sorgen alleine.  

Tipp 3: Führen Sie wöchentliche Ausbildungssitzungen ein: 

In einer wöchentlichen Ausbildungssitzung können Sie mit allen Auszubildenden gemeinsam die Aufgaben für die Woche durchgehen oder die Stimmungslage prüfen und besprechen, was in der Woche gut und was nicht so gut gelaufen ist. Hilfreich sind darüber hinaus auch wöchentliche Teamsitzungen mit Ausbildungsverantwortlichen.  

Tipp 4: Machen Sie mit Ihrem Team eine virtuelle Kaffeepause: 

Wollen Sie Ihre im Homeoffice lernenden Auszubildenden auch emotional unterstützen und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken, bietet es sich an, virtuelle Events wie beispielsweise eine gemeinsame Kaffeepause zu organisieren. Ziel soll es sein, das Fehlen sozialer Kontakte im Homeoffice auszugleichen. Sie bieten den Auszubildenden damit die Möglichkeit, sich genauso wie im Betrieb oder in den Pausen während der Berufsschule über alltägliche und persönliche Dinge auszutauschen.

 

Ansprechpartner

Jeannette Halbhuber
Regionalcenter Dahme-Spreewald
Kompetenzfeld: Mitglieder betreuen
Schwerpunktthema: Ausbildung
t: 0355 365 3103
f: 0355 36526 3103
jeannette.halbhuber@cottbus.ihk.de
Oliver Huschga
Manager Regionalcenter Cottbus/Spree-Neiße
Kompetenzfeld: Mitglieder betreuen
Schwerpunktthema: Ausbildung
t: 0355 365 3400
f: 0355 36526 3400
oliver.huschga@cottbus.ihk.de
Nico Neidenberger
Regionalcenter Cottbus / Spree-Neiße
Kompetenzfeld: Mitglieder betreuen
Schwerpunktthema: Ausbildung
t: 0355 365 3410
f: 0355 36526 3410
nico.neidenberger@cottbus.ihk.de
Katrin Nicolaus
Regionalcenter Oberspreewald-Lausitz
Kompetenzfeld: Mitglieder betreuen
Schwerpunktthema: Ausbildung
t: 0355 365 3203
katrin.nicolaus@cottbus.ihk.de
Janett Reichelt
Regionalcenter Elbe-Elster
Kompetenzfeld: Mitglieder betreuen
Schwerpunktthema: Ausbildung
t: 0355 365 3303
f: 0355 36526 3303
janett.reichelt@cottbus.ihk.de