Auszeichnung für 20 Jahre Umweltmanagement

V.l.n.r.:  IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Tolle, Qualitätsbeauftragter David Ficke, Monika König, Beratender Gesellschafter Thomas König, Geschäftsführer Matthias König, Dörit Köhler, Referentin für Umwelt und Energie der IHK Cottbus, Burghard Seibold und Jacek Jeremicz, Referenten für Umwelt und Energie der IHK Ostbrandenburg
© IHK Cottbus
V.l.n.r.: IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Tolle, Qualitätsbeauftragter David Ficke, Monika König, Beratender Gesellschafter Thomas König, Geschäftsführer Matthias König, Dörit Köhler, Referentin für Umwelt und Energie der IHK Cottbus, Burghard Seibold und Jacek Jeremicz, Referenten für Umwelt und Energie der IHK Ostbrandenburg

Die Motzener Kunststoff- und Gummiverarbeitung GmbH ist ein IATF-zertifiziertes Spritzguss-Unternehmen und bietet Komplettlösungen im Bereich spritzgegossener Präzisionsformteile und Baugruppen aus Gummi, Kunststoff sowie deren Verbund mit anderen Werkstoffen an. Die Spritzgussverarbeitung am Standort Motzen hat eine sehr lange Tradition. 2016 hat Matthias König das Unternehmen seines Vaters übernommen.

„Ich bin seit 2016 in der Geschäftsführung und löse nach und nach meinen Vater ab. Momentan befinden wir uns noch Übergangsphase. Wir verarbeiten Kunststoff und Gummi mit Spritzgussmaschinen und sind europaweit tätig.  Wir stellen im Gummisektor fast ausschließlich Hochleistungsdichtungen für viele technische Anwendungen her, im Kunststoffbereich reicht das Feld von der Bearbeitung von Biokunststoffen bis hin zu technischen,  glasfaserverstärkten Bauteilen. Uns zeichnet aus, dass wir als Bindeglied zwischen Materialhersteller und unseren Kunden agieren. So wachsen wir mit unseren langjährigen Kunden auch mit, nutzen die die Erfahrungen aus deren Branchen und Anwendungen“, so König.

Königs Wunsch ist es, das Unternehmen genauso erfolgreich weiterzuführen, wie es sein Vater bisher tat. Den Generationswechsel mitzugestalten, sei für ihn äußerst spannend. Nach und nach lösen junge Leute die Kollegen ab, die altersbedingt ausscheiden. Ein großer Schritt, der aber erfolgreich gemeistert wird. 

„Das funktioniert nur, wenn beide Generationen zusammenarbeiten und hier erhielten wir von den älteren Kollegen wirklich viel Unterstützung. Im Gegenzug dazu investierten wir über das Förderpaket „Big Digital“ sehr viel in neue Technik, in die Digitalisierung und Vernetzung. Solche Programme sind strategisch sehr wichtig, hier profitieren wir von den „jungen Leuten“, die sich mit den Medien gut auskennen und die uns da sehr unterstützen. Das ist für die Neuausrichtung des Unternehmens sehr wichtig. So haben wir einen schönen Übergang gestalten können und freuen uns, wenn uns auch die älteren Kollegen auf dem Weg begleiten und tatkräftig unterstützen“, so König stolz.

Auch den älteren Mitarbeitern ist es sehr wichtig, ihre langjährigen Aufgaben langfristig in vertrauensvolle Hände zu übergeben und die jüngeren Kollegen zu begleiten, denn man kann auch mal gesundheitlich ausfallen. Der Mix der verschiedenen Generationen bringe neue Impulse ins Unternehmen, so König.

Vom Projektingenieur zum Geschäftsführer

Nach seinem Studium in Wirtschaftsingenieurwesen an der BTU in Cottbus ging er in die alten Bundesländer, war dann eine lange Zeit in Braunschweig und München tätig, sammelte dort viele Erfahrungen und war bei verschiedenen Automobilzulieferern in leitender Funktion tätig.

„Uns zog es dann aber wieder in die Heimat zurück, weil hier in Brandenburg mit der Seenlandschaft, der Nähe zur Familie und zu Berlin und Potsdam ein attraktiver Lebensmittelpunkt für die Familiengründung lockte. Somit war es relativ schnell klar, dass wir wieder zurückkommen“, so König entschlossen.

Schon bald stand die Frage des Vaters im Raum, ob man die Firma verkaufe oder eine Nachfolgeregelung finden müsse.

„Da ich es gern machen wollte und mein Vater diese Entscheidung begrüßte, war der Weg schnell klar und ich bin im November 2011 zurückgekommen. Ich fing dann hier als Projektingenieur an, habe mich intensiv mit den Produkten befasst, die Gummifertigung verinnerlicht, mich mit dem Herstellungsprozess bekannt gemacht“, erzählt König.

So entstanden relativ schnell die wichtigen Kontakte zu Kunden und zu Materiallieferanten. Ende 2016 stieg er in die Geschäftsführung auf, mittlerweile ist König alleiniger Geschäftsführer, wobei er bei vielen Themen noch vom Vater unterstützend begleitet wird, was aber im Laufe der Zeit immer weniger wird.

„Das hat er sich aber auch verdient“, sagt König stolz.

Große Unterstützung erhält König in Sachen Umwelt- und Arbeitssicherheit noch von seiner Mutter.

„Hier steckt sehr viel Erfahrung drin und wir müssen die richtige Konstellation finden, damit es auch erfolgreich übergeben werden kann“, so König. 

König wurde in dem Unternehmen groß, hat dort schon als Schüler ein paar Mark dazu verdient. Natürlich sei es etwas ganz anderes, Mitarbeiter bzw. ein ganzes Unternehmen zu führen, die Finanzen im Auge zu behalten, Aufträge zu generieren und auf allen Ebenen mit den Mitarbeitern zusammen zu arbeiten, erklärt König.

„Mein Vater war immer mein Vorbild und ich habe mit ihm immer gut zusammen gearbeitet. Wir können Privates und Geschäftliches sehr gut trennen. Im Gegenzug gibt mein Vater auch Verantwortung ab, hat losgelassen, lässt mich machen, hat sich in die zweite Reihe gestellt. Das ist auch nicht immer der Standard. Ich hab ihn gerne um mich. Trotz allem soll er auch seine Rente genießen. Ich habe mir viel von ihm angenommen, fachlich sowie im Umgang mit Menschen. Ich bin ihm sehr dankbar, auch für das Netzwerk, was er aufgebaut hat. Ich denke wir haben es bis hierhin schon sehr gut gemeistert“, sagt König stolz.

König ist sehr stolz, dass der Generationswechsel so problemlos vollzogen werden konnte, trotz einiger Unwegsamkeiten. Ohne seinen Vater hätte er das so nicht geschafft, berichtet er.

„Wir haben hier ein tolles Team an jungen Leuten aufgebaut, wir haben zum Beispiel Werkstudenten in Führungsposition aufgenommen, wir haben tolle Auszubildende ins Unternehmen gebracht, hatten letztes Jahr sogar eine Auszeichnung für den besten Azubi bekommen. Wir haben jetzt auch wirklich einiges vorangebracht mit dem Investitionsprogramm oder in der Digitalisierung. Man muss auch immer ein Ohr dafür haben, wie sich der Markt entwickelt, muss sich auf Unvorhergesehenes einstellen, wie zum Beispiel Corona. Man muss Entscheidungen treffen, ob man eventuell auf  Elektroautos umsteigt. Ich habe von ihm gelernt, dass wenn man mal einen schlechten Tag hat oder eine schwierige Situation zu meistern ist, erstmal eine Nacht darüber zu schlafen, um sich die Situation dann am nächsten Morgen noch einmal anzuschauen. In diesem Geschäft, wo sich Rahmenbedingungen sehr schnell ändern können, ist das wirklich sehr wichtig. Und diese Ruhe sollte man auch an die Mitarbeiter weitergeben“, empfiehlt König.  

Zusammenarbeit mit der IHK hilft

König ist in dieser schnelllebigen Entwicklung Brandenburgs dankbar für die Unterstützung, die er vor allem auch durch die IHK Cottbus erfährt.

„Die Gemeinschaftsstände zur Messe helfen hier ungemein, obwohl ich nicht glaube, dass eine digitale Messe die Messe in Präsenz ersetzen kann. Wir erhalten immer wieder Feedback von den Kunden, dass Brandenburg dadurch präsenter vertreten wird.“

Auch zum Thema Ausbildung steht die IHK dem Unternehmen zur Seite.  König wünscht sich, gemeinsam Wege zu finden, die Jugendlichen für Ausbildungsberufe wie Verfahrensmechaniker und Werkzeugmacher anzusprechen und zu begeistern.

Azubis gewinnen mit der "magischen Tasse"

„Wir haben ein befreundetes Unternehmen, die bieten Gammastrahlen zur Härtung an, damit es keinen Schmelzpunkt mehr gibt. Wir haben eine Tasse bestrahlen lassen, ließen sie schmelzen und zusammen pressen. Die „plattgedrückte“ Tasse haben wir den Jugendlichen mitgegeben und gesagt: `‘stellt sie bei 150 Grad in den Ofen, dann könnt ihr wieder daraus trinken‘. Dann konnten sie dabei zuschauen, wie die Tasse sich wieder aufstellt. Die Tasse haben wir auf dem Wissenschaftstag in Potsdam vorgestellt und damit dort für viele staunende Gesichter unter den Jugendlichen gesorgt. „Man muss wissen, wie man die Jugendlichen am besten erreicht. Jeder will eine Ausbildung machen und warum sollte man dann nicht auch mal Ausbildungsberufe vorstellen, die man nicht gleich auf dem Schirm hat. Deshalb laden wir sie gern ein, bei uns Probe zu arbeiten, um sich mal ein Bild von den Ausbildungsberufen zu machen. Und meist ändern die Jugendlichen ihren Berufswunsch dann doch und möchten ihre Ausbildung bei uns anfangen“ lacht der Juniorchef.

EMAS-Urkunde erhalten

Die Motzener Kunststoff- und Gummiverarbeitung GmbH setzt sich sehr für den Umweltschutz ein und erhielt im Juni eine ganz besondere Auszeichnung. IHK-Hauptgeschäftsführer Marcus Tolle überreichte Matthias König die EMAS-Urkunde in Anerkennung des 20jährigen Engagements für die kontinuierliche Verbesserung der eigenen Umweltleistung.  Das Unternehmen wendet ein Umweltmanagemensystem nach der EMAS-Verordnung an. EMAS, bekannt als EU-Öko-Audit wurde von der Europäischen Union entwickelt. Es ist ein Gemeinschaftssystem aus Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfungen, gedacht für Organisationen, die ihre Umweltleistungen verbessern wollen.

„Das Thema Umwelt ist uns sehr wichtig. Die Spritzgussverarbeitung hier in Motzen am See gibt es schon seit 1931. Jeder, der in Motzen lebt, ist mit dem Unternehmen aufgewachsen. Hier leben viele Familien, von denen schon jemand schon vor der Wende oder auch heute noch bei uns arbeitet. Wir haben einen starken Bezug zu Motzen, zum Motzener See, zum Naherholungsgebiet. Auch deshalb war es für uns immer ein Aspekt, etwas in Richtung Umwelt was zu machen. Wir hatten diese EMAS-Zertifizierung schon vor der Anforderung 9001, also starteten schon relativ zeitig mit der Zertifizierung. Für uns sehr wichtig, weil wir europaweit aktiv sind und liefern. Aktuell sind viele Umweltthemen relevant, da möchten wir natürlich mithalten. In der Historie unseres Unternehmens lag der Fokus schon immer beim Thema Umwelt, das begleitet uns schon sehr lange. Natürlich arbeiten wir auch aus wirtschaftlichen Gründen ressourcenschonend und sind bestrebt, uns und unsere Produkte dahingehend immer weiterzuentwickeln. Kunststoffe haben eben nicht den besten Ruf. Darum verarbeiten wir auch Biokunststoffe, schon seit den 90ern und wachsen stets mit der Materialentwicklung mit“ berichtet König.

Die größte Herausforderung war auch hier im Unternehmen die Zeit der Corona-Pandemie.

„Es war und ist auf jeden Fall eine Herausforderung, hinsichtlich Materialbeschaffung, Auftragsbeschaffung, Personalmanagement oder auch der Wegfall von Messen und die Konzentration auf die digitale Umstellung, auch wenn die digitalen Meetings eine enorme Zeitersparnis bedeuten. Trotz allem muss hier aber wieder Personal geschult werden und die Digitalisierung muss von allen mitgetragen werden“.

Für die Zukunft möchte König die Ausrichtung des Unternehmens weiter vorantreiben. Die Personalbeschaffung sei ein großes Problem, weil es einfach keine Fachkräfte gäbe.

„Wir stellen aktuell viele Quereinsteiger ein, die wirklich engagiert sind und wir beschäftigen auch Fachkräfte aus Polen“, so König.

Auch die Entwicklung von Tesla, Amazon oder dem BER eröffnen neue Strukturen und Chancen.

Der junge Firmenchef blickt zuversichtlich in die Zukunft. Die derzeitige Umbruchstimmung hätte er sich schon etwas früher gewünscht. „Wir haben viele attraktive Punkte hier und jetzt wird erst mit Macht daran gearbeitet, dass die Region nach außen sichtbarer wird. Das sehe ich sehr positiv“ stellt er fest.

Hintergrund:

Unternehmen und Organisationen, die alle Anforderungen der EMAS-Verordnung erfüllen, können sich in das EMAS-Register eintragen lassen. Die Eintragung in das EMAS-Register setzt einen Antrag voraus, der bei der zuständigen Registrierstelle einzureichen ist. Registrierstelle für die Landkreise Uckermark, Barnim, Märkisch-Oderland, Oder-Spree, Dahme-Spreewald, Spree-Neiße, Oberspreewald-Lausitz, Elbe-Elster und die Städte Cottbus und Frankfurt (Oder) ist die IHK Ostbrandenburg. 

Ansprechpartner

Dorit Köhler
Kompetenzfeld: Unternehmen begleiten
Schwerpunktthemen: Umwelt und Industrie, Nachhaltigkeit
t: 0355 365 1500
f: 0355 36526 1500
dorit.koehler@cottbus.ihk.de
Janine Mahler
Kompetenzfeld: Zukunft gestalten
Schwerpunktthema: Kommunikation
t: 0355 365 2403
f: 0355 36526 2403
janine.mahler@cottbus.ihk.de