Aus der Ukraine nach Finsterwalde

Ronny Wolter und Zauresh Aitenova (rechts) vom HR-Desk der IHK Cottbus begrüßten Ruslana Katkova (mitte).
© IHK Cottbus
Ronny Wolter und Zauresh Aitenova (rechts) vom HR-Desk der IHK Cottbus begrüßten Ruslana Katkova (mitte).

Der Fachkräftemangel ist eines der größten Sorgenthemen der Südbrandenburger Wirtschaft. Der IHK-Bezirk ist stärker als viele andere Regionen auf die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte angewiesen. Betriebe haben häufig noch wenig Erfahrung mit Werbung und Integration ausländischer Mitarbeiter. Mit dem 2020 bei der IHK Cottbus installierten HR Desk werden die IHK-Mitgliedsunternehmen bei der Gewinnung ausländischer Fachkräfte unterstützt.

Fachkräftemangel macht auch vor der Sparkasse nicht halt

Die 18-jährige Ruslana Katkova lebt seit März in Deutschland und begann jetzt ihre Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Sparkasse Elbe-Elster. Forum unterhielt sich mit ihr und dem Personalleiter Riccardo Sawkin, wie der Kontakt zustande kam, denn vor dem Problem, in der Region nicht mehr genügend Nachwuchskräfte zu finden, stand auch die Sparkasse in Finsterwalde.

„Die Zahl der Bewerber ist rapide zurückgegangen. Der Rückgang der Schulabgänger spiegelt sich eben auch in den Bewerberzahlen wider. Früher bewarben sich hier rund 200 junge Leute, heute sind es nur noch 60 bis 70“, erklärt Riccardo Sawkin.

Die Sparkasse hat einiges in Sachen Ausbildungsmarketing getan. Bereits seit mehreren Jahren überlegte sie, wie sie an die jungen Menschen herantreten kann, um sie für sich zu gewinnen.

„Wir stellten uns die Frage, wo wir neue Fachkräfte her bekommen und wollten auch den Blick über die Grenzen hinaus wagen. Es ist unwahrscheinlich, dass Auszubildende aus Berlin, Leipzig oder München nach Finsterwalde kommen. So haben wir in Ländern geschaut, wo eine hohe Jugendarbeitslosigkeit herrscht und die Perspektiven für junge Menschen nicht so groß sind. Spanien zum Beispiel hat eine Jugendarbeitslosigkeit von knapp 50 Prozent. Wir haben dann Kontakt aufgenommen und haben in Galizien einen Berufsschuldirektor kennengelernt, der uns in unseren ,ersten Zügen‘ sehr unterstützt hat. Und so ist unser Programm mit ausländischen Azubis – inzwischen aus der ganzen Welt - gestartet. Angefangen haben wir mit Spanien, Polen und Griechenland und in der Zwischenzeit sind die Ukraine, Kolumbien und viele weitere Länder dabei“, so Sawkin.

Er lobt die Motivation der jungen Leute. So haben sie innerhalb kürzester Zeit die deutsche Sprache erlernt und gleichzeitig ihre Ausbildung begonnen und diese meist sogar mit sehr guten Ergebnissen abgeschlossen. Die Eigenmotivation dieser jungen Leute sei teilweise deutlich höher als bei Auszubildenden aus der Region. So wie auch bei Ruslana Katkova, die seit März in Deutschland ist und jetzt im September ihre Ausbildung zur Bankkauffrau begann.

Erster Kontakt durch IHK entstanden

Ronny Wolter vom HR Desk der IHK Cottbus hörte vom Projekt der Sparkasse und ergriff  die Initiative. So entstand der erste Kontakt zur Ukraine und auch zu Ruslana Katkova. Ihre Tante ist Deutschlehrerin und ist im Internet auf die Möglichkeit gestoßen, in Deutschland eine Ausbildung zu absolvieren. So bewarb sich die junge Frau, auch wenn sie großen Respekt hatte, diesen Schritt zu gehen.

„Ich brauche das, um selbständig zu werden. Das ist wirklich eine gute Chance, etwas Neues zu wagen“, so Katkova. 

Sie erfuhr bisher durchweg große Unterstützung durch ihre neuen Kollegen und fühlt sich hier schon sehr wohl. So nahm sie schon vor der Ausbildung an einem Intensiv-Deutschkurs teil und lernte ihren zukünftigen Arbeitgeber erst einmal ganz in Ruhe kennen. Dabei konnte sie vorab in unterschiedlichen Abteilungen in verschiedene Geschäftsabläufe hineinschnuppern.

„Mir gefällt das Arbeitsklima hier. Alle sind sehr fleißig und arbeiten gerne. Das gefällt mir sehr gut. Auch, dass die Sparkasse viel soziale Arbeit ausübt und der Region damit hilft. Das ist sehr wichtig. Das ist etwas, was mich sehr motiviert“ sagt Katkova. 

Junge Leute werden von Anfang an mitgenommen

Stellt die Sparkasse ausländische Jugendliche ein, wird ihnen zu Beginn die Region vorgestellt. Ihnen wird aufgezeigt, was sie hier erwartet und was ihr Ausbildungsberuf mit sich bringt.

„Wir organisieren schon in den ersten Monaten Sprachunterricht, bevor die Ausbildung überhaupt beginnt. So belegen sie Deutsch-Intensivkurse, die mit eigenen Lehrern, so genannten Integrationscoaches, organisiert werden. Außerdem stellen wir den jungen Leuten eine Wohnung zur Verfügung, die voll ausgestattet ist - mit allem, was man zum Leben braucht. Wir unterstützen sie außerdem bei allen anderen Dingen, wie zum Beispiel beim Telefon- und Internetvertrag, bei der Krankenkassenanmeldung oder beim Finanzamt“, erklärt der Personalleiter.

Kontakt zu Freunden ist schwierig

Freunde zu finden gestaltete sich für Ruslana durch die Corona-Pandemie schwierig und so muss die virtuelle Kommunikation mit ihren Freunden, die auch im Ausland bzw. in anderen Städten studieren, erst einmal reichen. Zu ihrer Familie hat Ruslana aber nach wie vor einen sehr engen Kontakt. In ihrer Freizeit mag Ruslana den Kampfsport Ikeda.

„Das ist noch nicht so populär und ist gut für kleine Frauen. Nur in diesem Jahr konnte ich das wegen der Pandemie leider nur zu Hause ausüben. Jetzt kann ich das auch bald in Finsterwalde machen“ freut sie sich.

Projekt überregional bekannt

Das Projekt der Sparkasse erreichte in den letzten Jahren schon eine hohe Medienpräsenz. So erhielt die Sparkasse 2016 den Personalmanagement-Award des Bundesverbandes der Personalmanager. 2019 belegte sie den 2. Platz eines anderen bekannten, deutschen Personal-Wirtschaftsprojekts.

„Wir versuchen das Thema transparent zu machen und geben gern unser Wissen und Know-how weiter. Wir arbeiteten auch intensiv mit den Kammern zusammen“, so Sawkin.

Für die Sparkasse selbst hat die Ausbildung ausländischer Jugendlicher nur positive Aspekte. So wurde automatisch mehr Offenheit geschaffen, denn auch bei der Sparkasse gab es anfangs unbegründete Berührungsängste. Insgesamt sei es in der Sparkasse viel bunter und interessanter geworden, alte Sprachkenntnisse in Russisch oder Spanisch werden wieder ausgekramt. „Wir fahren ab und an auch mal in kleinen Gruppen in die Heimat der jungen Leute, wie Spanien oder Griechenland und lassen uns ihre Heimat näherbringen. So entsteht tatsächlich ein sehr intensiver Austausch.

Zukunftspläne in Deutschland sind greifbar

Ruslana liebt die grüne Region sehr.

„Ich merke den Unterschied zwischen einer großen und kleinen Stadt. Meine Heimatstadt ist viel größer. Da gibt es 360.000 Einwohner und nicht wie in Finsterwalde 17.000. Die Leute hier sind hier viel offener. Es ist hier nicht so anonym. Die Kundenberater kennen ihre Kunden, das macht vieles persönlicher“. Ihre Zukunft sieht sie auch längerfristig gesehen bei der Sparkasse. „Ich möchte zu einhundert Prozent eine Karriere machen bei der Sparkasse, aber es ist noch zu früh mich zu spezialisieren. Erst einmal absolviere ich meine Ausbildung, dann als Kundenberaterin und dann gibt es hier viele weitere Möglichkeiten für eine Weiterbildung. Ich konzentriere mich jetzt darauf, Deutsch zu lernen und freue mich auf den Ausbildungsstart zur Bankkauffrau im September“.

Riccardo Sawkin unterstützt Unternehmen gern, die Interesse haben, ebenfalls ausländische Jugendliche auszubilden.

Es muss einem bewusst sein, dass das kein Selbstläufer ist. Man muss die  jungen Leute an die Hand nehmen und sie unterstützen. Ganz besonders wichtig ist die sprachliche Förderung. Erst damit fühlen sich die jungen Menschen hier integriert, wenn sie sich vernünftig verständigen können und auch Freunde finden“, so Sawkin.

Er gibt Unternehmen mit auf den Weg, dass ein solches Projekt eine Bereicherung für alle ist, sowohl für die Jugendlichen als auch für das bestehende Personal im Unternehmen.

Der Artikel von Danela Tober ist in der aktuellen Ausgabe des FORUM-Magazins 9/2021 erschienen.

Kontakt:

Sparkasse Elbe-Elster, Riccardo Sawkin, Abteilungsleiter Personal, Tel.: 03531 785-2000, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

HK Cottbus, HR Desk, Ronny Wolter, Tel.: 0355 365-2000, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Ansprechpartner

Ronny Wolter
Manager Kompetenzfeld: Menschen unterstützen
Schwerpunktthema: HR-Desk
t: 0355 365 2000
f: 0355 36526 2000
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Kompetenzfeld: Menschen unterstützen/Unternehmen begleiten
Schwerpunktthema: Fachkräftegewinnung/International
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